Stürmische Ostern

16.01.2010 10:03 | Teamberichte

Dass es schwer werden würde war uns beiden klar. Doch mit so harten Bedingungen hatten wir nicht gerechnet. Zu groß waren die Euphorie und die Vorfreude auf den ersten großen Frankreich-Trip des Jahres.

Kevin und ich hatten eine Woche an einem großen Natursee im Nordosten Frankreichs geplant, den wir schon zweimal mit gutem Erfolg zusammen befischt hatten. Eine extrem geringe Fischdichte und eine Fläche von 220 Hektar Wasser sollten das Unterfangen so früh im Jahr nicht gerade erleichtern.

Allerdings zieht ein besonders markanter und großer Fisch seine Bahnen in diesem Gewässer. Diesen hohen 50-Pfünder jagen wir seit einem Jahr und da ließen wir uns auch dieses Mal nicht von widrigen Bedingungen abschrecken.

Kalter Wind und niedrige, einstellige Temperaturen begrüßen uns am Morgen des ersten April. Das Eis ist erst seit 4 Wochen weg und die Wassertemperatur beträgt 8 Grad Celsius – alles andere als ideale Bedingungen. Mehrere Stunden verbringen wir im Boot und checken das Wasser. Die Angler vor Ort sind seit Beginn der Saison blank; das kann ja heiter werden. Die ersten drei Nächte befischen wir einen Spot ziemlich zentral im See, von dem aus wir flache, windgeschützte Buchten, aber auch tiefe Bereiche befischen können. Der Wind bleibt die ganze Zeit über bestehen, Regen und Hagel versüßen das Ambiente und der erhoffte Sonnenschein bleibt aus. Außer einigen Brassen auf Kevins Ruten bleiben die Microns stumm. Am Morgen des dritten Tages moven wir.

Schon am Tag zuvor haben wir die große Flachwasserzone des Sees unter die Lupe genommen. Die Wassertemperatur ist hier gut ein Grad höher, außerdem ist der Bereich geschützt vom kalten Wind. Spärlich haben wir einige Bereiche mit unseren Boilies und etwas Groundbait angefüttert. Der neue Mixrechner von Selfmade-Baits  gestaltet das Zusammenstellen eines Groundbait nun sehr schnell und unkompliziert. Ein wirklich geniales Tool.

Gegen Mittag erreichen wir den neuen Platz und unsere Hoffnung auf einen Biss steigt – wie jedes Mal, wenn wir moven, denn mit dem neuen Spot fängt man wieder bei Null an. Kevin befischt eine flache Bucht, die umsäumt ist mit dichtem Schilf. Der Schilfgürtel ist gute 30 Meter dicht und mein Kumpel vermutet die Fische in diesem Bereich. Dort ist es flach und wärmer und die Fische finden dort Schutz vor dem kalten Wind. Meine Ruten lege ich außerhalb der Bucht am Schilf ab. Die relativ flache Gewässermitte und eine Kante an meinem eigenen Ufer mache ich auch dicht.

Langer Rede kurzer Sinn, am zweiten Tag scheint endlich die Sonne über mehrere Stunden hinweg und der Wind lässt nach. Prompt erhalte ich einen Biss im Flachwasser. Ein Spiegler von etwa 25 Pfund hatte meinen Schneemann, bestehend aus einem halben Marine-X und einem halben Natural-X  Boilie im knapp zwei Meter tiefen Wasser genommen. Dennoch moven wir am nächsten Tag um die restlichen zwei Nächte woanders zu fischen. Kevin’ s Bucht ist wie ausgestorben. Ganz offensichtlich halten sich die Fische dort nicht auf, und somit beziehen wir eine neue Stelle. Kevin kann von hieraus seine Ruten weit gefächert in verschiedenen Bereichen ablegen, ich erreiche meinen Erfolgsspot und andere interessante Stellen an der Schilfkante und im Freiwasser. Das Wetter ist wieder schlechter, es ist sehr windig und nachts herrschen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die erste Nacht blanken wir und ohne große Hoffnung legen wir für die letzte Nacht noch einmal die Fallen aus. Meine Ruten muss ich teilweise in über 400m Distanz zum Ufer ablegen. Auch die letzte Nacht vergeht außer einigen Brassen ohne nennenswerte Aktionen.

Beim Zusammenpacken stelle ich fest, dass meine Schnur in einem Hindernis festhängt. Kurz darauf sind Kevin und ich mit dem Boot draußen um den Hänger zu lösen. Dies gelingt nach einigen Minuten, doch plötzlich kommt Bewegung ans andere Ende der Schnur. Schnell übergebe ich Kevin meine Rute, denn mit den Runs wechseln wir uns ab. Nach einem Drill von 15 Minuten gibt sich ein hübscher Karpfen von exakt 30 Pfund geschlagen, der wieder einen Half and Half Schneemann an der Schilfkante im Flachwasser genommen hat. Das hat man davon, wenn man mit monofiler Schnur auf weite Distanzen angelt. Die Bissanzeige ist extrem schlecht; wer weiß wie lange der Fisch am Haken hing und wie viele andere Fische noch fangbar gewesen wären auf diesem Spot.

Am ganzen See kamen in dieser Woche genau drei Karpfen aus dem Wasser. Zwei auf meine Ruten und einen konnte mein Teamkollege Reinbert, der am anderen Ende des Sees saß, auf einen Active- Shellfish- Boilie fangen. Der Rest blankte und so konnten wir dennoch einigermaßen zufrieden den Heimweg antreten. Es war zwar kaum etwas gelaufen, aber das Verhältnis passte.

Der große Fisch zieht noch immer seine Bahnen im Gewässer. Allein schon deswegen werden wir wiederkommen, um diesen alten Kempen irgendwann auf die Schuppen zu legen.

Jedoch nicht mehr so früh im Jahr, soviel steht fest.

 
 
 
 
 
 
 
 
 Pascal Bouillon

 

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