Live Ticker von Sven Brux

28.01.2012 00:00 | Teamberichte

Tag 1:

Lange war dieser Trip geplant, sehr lange. Den ganzen Winter habe ich recherchiert und dabei nicht nur Karpfenforen in diversen Sprachen durchstöbert sondern auch andere Quellen genutzt. Da es an einen Fluss gehen sollte, sind bspw. Websites von Kanuwanderern immer einen Blick wert, da man dort einiges über Wassertiefen, Fließgeschwindigkeiten, touristischen Andrang usw. erfährt. Irgendwann war die Wahl auf einen der vielen kleineren südfranz. Flüsse gefallen, da mir die Herausforderung und das Unbekannte gefällt. Ich hab nun mal keine Lust auf die überlaufenen bekannten Seen mit kleinen Nachtangelzonen, Wartelisten an den hot spots etc. Dafür nehme ich lange Blankphasen in Kauf, weiß aber genau, dass jeder einzelne Fisch von mir selbst erarbeitet ist. Wenn es den einen gibt ;-).

Morgens um 8 geht's in Hamburg los, und ich bin froh, dass ich bereits die letzten 3 Tage abends gepackt habe, so dass es heute morgen schnell geht. Der Skoda Oktavia Kombi ist wie üblich bis unters Dach gestopft. Hinzu kommt die größte Dachbox von Thule sowie ein Fahrradträger für die Heckklappe, damit die mitreisende Madame ihre Touren machen kann. Wir reißen die ersten 1200 km routiniert runter und kommen gegen 21 Uhr in der Nähe des Allier an um das dort das zuvor reservierte Hotel zu beziehen. Das war Bedingung von Madame und wenn ich ehrlich bin: so ein feines Abendessen und ein letztes Mal ein ordentliches Bett hat auch was. Bonne nuit!

Tag 2:

Nach einem schnellen Frühstück gehts weiter und nach weiteren 4,5 Stunden sind wir am Ziel. Im örtlichen Angelladen werden 2 Angelkarten für je eine Woche a 30 Euro gekauft und ein bisschen über die Situation am Fluss geplaudert. Zum Glück kann meine Freundin noch besser die Sprache als ich, so dass ich auch alles verstehe. Immer wieder bewundernswert sind die hervorragenden Infobroschüren der regionalen Anglerverbände, die keinen Wunsch offen lassen. Da kann man in Deutschland nur von träumen. Da es nach dem Besuch des Supermarktes nun auch schon 17 Uhr ist, hege ich kaum noch Hoffnung, heute noch eine schöne Stelle zu finden. Doch die frisch gekauften 1:25000 Detailkarten lassen uns nicht im Stich und nach einigem Rumgegurke entdecken wir einen befahrbaren, in diesem Jahr aber garantiert noch nicht genutzten Pfad, der uns zu einem lichten Pappelwäldchen führt. An einer Stelle ist eine Lücke zwischen den Bäumen zum Wasser hin und ich entscheide, das das fürs erste reicht. Der spot liegt in einer Innenkurve des hier ca. 110 m breiten Flusses. Die Ufer sind steilkantig und stark bewachsen, überall liegen tote Bäume im Wasser. Dieses wiederum fließt träge. Für heute reicht es aber an Eindrücken. Mit einem guten Gefühl für die kommenden Tage wird das Camp errichtet und zumindest noch das grosse Boot aufgeblasen und zu Wasser gelassen. Dann falle ich todmüde auf das bedchair. Morgen ist auch noch ein Tag...

Tag 3:

Nun geht es aber an die Arbeit und am Morgen erkunde ich den Fluss mit dem Echo und einem Tastblei. Der Grund ist steinig bis sandig/lehmig und fällt steil auf 6 m ab, um dann gleichmäßig zum anderen Ufer auf über 9 m abzufallen. Dann geht’s steil auf 6m hoch und in einer weiteren Stufe auf 4 m gleich am Steilufer. Ich bemerke, dass zwei weitere Angler  150 m stromab sitzen. Ich gehe rüber und lerne zwei nette Jungs aus der Normandie kennen. Diese haben seit drei Tagen nichts gefangen und legen ihre Montagen alle gegenüber an oder unter den überhängenden Bäumen ab. Ferner berichten sie von argen Problemen durch starken strömungsbedingten Schnurbogen. Ich ziehe meine Schlüsse und entscheide mich dafür, meine 3 Karpfenruten stromab auf meiner Uferseite auszuwerfen und hoffe, keine Probleme mit dem Holz im Wasser zu bekommen. Ich setze auf 22er Active-Pineapple+ sowie beigefütterte Groundbait-Ballen, ferner Active-Scopex+ Knödel. Nachdem ich mit Müh und Not zwei Köderfische feedern konnte, lege ich stromauf eine Bojenmontage auf Wels aus. Nun können sie kommen... Der Rest des Tages und die Nacht verlaufen ereignislos und ich muss feststellen, dass ich selbst beim Einholen der Ruten auf meiner Uferseite trouble mit dem Totholz kriege. Das böse Wort Materialschlacht schleicht sich nach der dritten verlorenen Montage in mein Bewusstsein und ich muss etwas an der Taktik ändern. Dafür ist die Stelle sonst top und sehr bequem. Wenn da nicht das Loch im Schlauchboot wäre, was langsam Wasser eindringen lässt. Morgen muss alles besser werden, zumindest angeltechnisch...

Tag 4:

Nachdem ich über Nacht gegrübelt habe, steht der Taktikwechsel fest: Ich lege die Karpfenmontagen mit dem Boot auf die andere Flussseite, jedoch nicht wie die franz. Kollegen ins Flache, sondern an den tiefsten Punkt des Prallhangs auf 9 m. Dies sowie das Absenken der Schnüre auf meiner Seite mit 10 m Leine sollten den Strömungsdruck auf ein erträgliches Maß senken. Dennoch nutze ich 170gr. Strömungsbleie und ummantele sie zusätzlich mit Teig. Die Rutenspitzen sind stark gebogen, der Swinger klebt unter dem blank und ich bin skeptisch, ob das so funktioniert. Gegen 16 Uhr jedoch ein Biss und ein starker Fisch zwingt mich ins Boot. Ich treibe im Drill 300 m stromab und bin sicher, einen kapitalen Karpfen am Band zu haben. Umso größer meine Überraschung, als ich einen Wels von 1,53 m landen kann! Auf Active-Pineapple+ Boilie, 3 lbs Rute und 6er Haken, sauber im Maulwinkel sitzend! Im Verlauf des Tages verliere ich noch einen Fisch im Holz und kann einen weiteren Wels ähnlicher Größe erbeuten. An der Köderfischrute tut sich nichts. Schon merkwürdig, dass die Welse hier so auf unsere Boilies abfahren, zumindest die mit Fischmehl. Die Ruten mit Active-Scopex+ melden noch keine Aktionen. Während ich weiter grübel, wie ich an Karpfen komme, fährt Amrey mit dem Rad einkaufen, denn auch das leibliche Wohl soll ja nicht zu kurz kommen. So gibt es am Abend ein leckeres Menü nach einer ausgiebigen Dusche (ich liebe meine Solardusche!). Das einzige Ärgernis ist, dass es heutzutage offensichtlich keine deutsch- oder englischsprachigen Radiosender mehr auf MW oder KW gibt. Zumindest krieg ich nichts rein und so muss ich mir die Viertelfinalspiele der EM auf Französisch reinziehen, geht aber auch irgendwie. Hoffentlich geht in der Nacht was mit Karpfen...

Tag 5:

Nach den beiden Welsen gestern bin ich optimistisch, was den weiteren Verlauf des Trips angeht. OK, ein paar mehr Karpfenaktionen könnten nicht schaden und deshalb bleibt die Köderfischrute heute draußen und alle 4 Ruten liegen mit Boilies bestückt weiterhin an der 9 m Kante. Aufgrund heutigen Sonntags ist auf dem Fluss mehr los: Einige Yachten, ein paar Spinnangler aber alles im nicht störenden Rahmen. Am späten Nachmittag das gleiche Spiel wie am Vortag: Biss auf einen 22er Pineapple-Fish und ich muss mit dem Boot rüber. Da sich der Fisch wieder nur schwer vom Grund lösen lässt, ist schnell klar, dass es sich erneut um einen der Schleimer mit dem großen Maul handelt. In der Schlussphase des Drills zieht mich der Fisch mitsamt Boot in die Äste über dem Ufer, welche mir ins Gesicht schlagen, der Kescher bleibt hängen etc. Ich leine den Wels kurz an, um ihn zum Ufer zu bringen und dort eine Länge von 1,60 m festzustellen. Am späten Abend wiederholt sich das Spiel, aber ausgerechnet zu Beginn der Verlängerung des Viertelfinals England gegen Italien muss ich im Dunkeln raus. Was dann folgte, habe ich in meiner mehrere Jahrzehnte dauernden Angelkarriere jedoch noch nicht erlebt: Dass es erneut ein Wels war, der sich den Knödel reinpfiff, ist ja nun kaum noch verwunderlich, die Dauer des Drills aber sehr wohl. Eine ganze Stunde hatte ich ihn bzw. er mich im Schlepptau, unbeirrt blieb er auf 9 m Tiefe. Natürlich sind die Einflussmöglichkeiten mit einer 3 lbs Rute begrenzt, diese jedoch war die ganze Zeit zum Halbkreis gebogen, ohne dass sich eine Änderung der Situation ergab. Das war "Der alte Mann und das Meer" in Reinkultur! Langsam tat mir der Arm weh aber es hatte auch was, so unter dem Sternenhimmel hingezogen zu werden. Als ich schon langsam daran dachte, einfach die Schnur zu kappen, kam er Stückweise hoch und ich musste mit größtem Erstaunen einen gerade mal Ca. 1,80 m Wels erblicken. Als ich die Schlagschnur griff, schüttelte er nochmal kräftig mit dem Kopf und das Vorfach riss. Das war’s dann. Voller Adrenalin saß ich noch eine Weile vorm Zelt, bis ich kopfschüttelnd schlafen ging.

Tag 6:

Erneut bricht ein schöner Morgen an und beim ersten Kaffee überlege ich, was ich ändern kann, um nicht dauernd große Waller an die dafür nicht ausgelegten Karpfenruten zu kriegen, als aus dem Nichts eine Rute mit einem Scopex Boilie (ummantelt mit Milky Tigernut) abgeht. Nach kurzem aber harten Drill kann ich endlich den ersten Karpfen des Trips keschern, einen gut gebauten 29er Schuppi, dem merkwürdigerweise ein Auge fehlt und zwar offensichtlich bereits von Geburt an. Ich lasse nun die Pineapple-fish Boilies weg und setze alles auf Scopex und auf Blood and Pepper-Knödel. Den Tag über läuft nichts aber am Abend beißt erneut ein Karpfen, der sich aber leider sofort im Uferholz verabschiedet. Das reicht mir nun und ich fasse den Entschluss, zu moven. Die vielen Verluste sind nicht mehr verantwortbar und 4 Nächte an einem Spot sind dann auch genug. Amrey würde zwar am liebsten bleiben, doch die anglerischen Argumente sind nun mal nicht von der Hand zu weisen. Morgen soll es dann also weiter den Fluss abwärts gehen, auf der Suche nach südfranzösischen Bullen mit Schuppen...

Tag 7:

Wie im letzten Beitrag angekündigt, sollte heute eine neue Stelle an einem anderen Flussabschnitt gesucht werden. Der Plan sah vor, dass ich mit dem Schlauchboot, beladen mit dem Tackle, flussabwärts fahre und mir in Frage kommende Spots anschaue und Amrey bei einer positiven Entscheidung dort in die Nähe lotse. Entweder ist die Stelle mit dem Auto anfahrbar oder ich muss sie mit dem Restgepäck von irgendwo in der Nähe abholen. Leider kündigt sich eine heisse  Wetterphase an und ich gehe auf dem Wasser fast ein. Um Strom zu sparen, läuft der E-Motor nur auf 30 % und ich rudere dazu. Es stellt sich raus, dass weite, um nicht zu sagen fast alle Uferstreifen entweder 5 -10 m steil hoch und dicht bewachsen sind oder sich Privatgrundstücke mit Häusern drauf befinden. Oder die Stelle würde zwar mir allein genügen, hält aber den höheren Ansprüchen der mitreisenden Madame nicht stand. Ich lege irgendwas über 20 km zurück und hab echt keinen Bock mehr. Ich verfluche alle reichen Franzosen mit ihren Ferienvillen und suche eine Stelle mit einem kleinen Unterstand aus. Madame kommt hin und ist not amused. Auch angeltechnisch sind durch Enge und einiges mehr Schwierigkeiten zu erwarten, so dass ich mich mit dem Auto alleine nochmal auf den Weg mache. Um weiter zu suchen, mittlerweile ist es bereits früher Abend und meine beiden Knie weisen einen starken Sonnenbrand auf. Die paar zugänglichen Uferstücke unterhalb der nächsten Barrage sind zu steil und obendrein fällt mir die hier sehr starke Strömung auf, das wird nix. Ich versuche es kurz oberhalb des Stauwehrs, fahre einen versteckten Feldweg lang und komme an ein einladendes Stück. Auf einem Schwimmponton angelt ein älterer netter Franzose und bestätigt gerne, dass man hier angeln könne. Ich heize zurück zu Amrey. Sie folgt mit dem Auto meiner Beschreibung zum spot und ich scheiße auf den Strom und prügele das Boot mit 100 % Leistung die letzten 3 km zur Stelle. Wir unterhalten uns noch nett mit dem Angler und erfahren, dass der Ponton zu einem etwas zurück gelegenen und Pleite gegangenen Restaurant gehört. Glück muss man auch mal haben. Der Mann gibt uns noch eine Empfehlung für ein gutes Weingut in der Nähe sowie seine Tel.-Nr. für den Notfall. Mit letzter Kraft wird das Camp errichtet, im letzten Licht eine Dose Cannelloni verputzt und ab geht’s in die Heia. Morgen ist auch noch ein Tag, und mit angekündigten 34 Grad ein sehr heißer dazu...

Tag 8:

Direkt nach dem Frühstück lege ich mit dem Erkunden des Flusses hier an der neuen Stelle los, um gleich darauf die Ruten entsprechend auszubringen. Leider artet dies bereits in Arbeit aus, denn die Hitze hat uns nun voll erwischt. Es sind über 30 Grad, was die Fangaussichten erfahrungsgemäß an allen Gewässern nicht gerade steigert. Aber hilft ja nix. Wat mutt, dat mutt. Ca. 300 m vor dem Stauwehr ist es direkt an unserem Ponton 4 m tief und geht dann steil und gleichmäßig auf 14,7 m runter. Das bleibt dann so ca. 30 m weit, um am anderen Ufer genau so wieder anzusteigen. Da das Wasser kaum Strömung aufweist und ich etwas Abstand zu unserem quietschenden Ponton gewinnen will, lege ich ca. 40 m stromauf eine 5 m breite Futterstrasse an, die von ca 6 m Tiefe bis auf über 13 m runter führt, damit ich in verschiedenen Tiefen einen Köder präsentieren kann. Flacher, sprich näher ans Ufer geht nicht, da ich sonst wieder unweigerlich Kontakt  mit dem auch hier reichlich vorhandenen Unterwasserholz bekommen würde. Ich füttere auf den ca. 100 qm ungefähr 4 kg Futtermischung an. Diese besteht aus 22er Boilies der Sorten Pineapple-fish und Scopex plus sowie zerkleinerte Boilies unterschiedlicher Größen beider Sorten. Groundbait kommt erst am Abend hinzu. Ans Haar kommen die entsprechenden Knödel, teils noch mit einem halben Pop up gepimpt. Stromabwärts kann ich leider nichts adäquat anbieten, da mir ein paar Äste die Wurfrichtung versperren. Da ich natürlich nur ein Pod mit habe, muss ich mir für die 4. Rute was einfallen lassen, da ich mit Pontonangeln ja nicht wirklich rechnen konnte. So verknote ich einen Welsrutenhalter mit Spanngummis am Zugangsgeländer zum Ponton, sieht abenteuerlich aus ;-) Erwartungsgemäß tut sich bis auf einen kleinen Pieper nichts und schon die kleinste Bewegung lässt den Schweiss fließen. Was mir noch auffällt: Hier klatschen zwar auch ab und an Fische an der Oberfläche, jedoch weitaus seltener als an der ersten Stelle. Am Abend beeile ich mich mit der Rutenkontrolle, um halbwegs pünktlich zum Abendbrot und zum Beginn der Radioübertragung des ersten Halbfinals vorm Zelt zu sitzen. In diesem Zusammenhang ein guter Rat: Wenn Ihr Euch auch die sogenannte Verdunstungskühlung zu Nutze macht, um Getränke zu kühlen und dafür einen Karpfensack nutzt, so dreht ihn bitte probehalber auf links, damit es Euch nicht so geht wie mir. Ich hatte darin nämlich vor einiger Zeit mal kurzzeitig paar Rotaugen als Köderfische gehältert, was mir erst hier wieder einfiel, als ich an der Dose trinkend plötzlich Schuppen im Mund hatte. Bei wenig entspannter Damenbegleitung kann dies zu ernsthaften Konflikten führen! Der Abend könnte nun sehr relaxt sein. Ja, könnte, denn ca. 300 m stromauf auf der anderen Uferseite befindet sich die Einfahrt zu einem kleine Sportboothafen für Touristen und am einzigen Kai liegen 4 Yachten, die wir zuvor gar nicht richtig wahrgenommen hatten. Nun aber umso mehr, denn plötzlich schaltet ein wahrscheinlich angesoffener englischsprachiger Käpt’n einen elektronischen Gitarrenverstärker ein und klimpert, später auch noch mit Gesang, schrecklichsten Pubrock. Unglaublich. Das geht von uns unbekannten Sachen über Hotel California, Chanson blue und ähnliches, was man sich nur schwer im Pub anhören mag, geschweige denn im Urlaub beim Angeln. In meiner Fantasie sehe ich mich, von einem 2 m Wels gezogen, einen Schlauchbootangriff auf die Brits fahren, einen Anker am Seil drohend schwingend und Ihnen zurufend: "Wisst Ihr nicht, dass es in diesen Tagen nur Menschen gestattet ist, an fremden Gestaden zu singen, deren Team noch bei der EM ist, Ihr unfähigen Elfmeterloser?" Aber natürlich mache ich nichts und krieche in den Schlafsack, eine Liste der Songs ausdenkend, die sicher noch folgen: Country Roads, Sweet home Alabama, Drunken sailor...

Tag 9:

Auch der neue spot kurz vorm Stauwehr läuft nur langsam an. Die erste Nacht lief nix. Am heutigen morgen entscheide ich mich, eine Rute ans gegenüber liegende Ufer zu legen… nachmittags bimmelst am eigenen Ufer und wie kann es anders sein: Ein Wels, mit 1,38 m der kleinste bisher. Oli sollte sich mit den Pineapple-fish im Welsbereich engagieren, so wie die instant auf die großen Schleimer wirken. Die Köderfischruten stehen nur noch zur Zierde herum. Am Abend, und wieder in der Endphase des Spiels, bekomme ich fast parallel zwei Bisse auf die weißen Scopex-plus, was auf Karpfen hindeutet. Leider verliere ich den einen im Holz und der andere stoppte, bevor ich an der Rute war. Bin ich vieleicht zu ungeduldig? Brauchen die Karpfen etwas mehr Zeit, um die Boilies als Futter zu akzeptieren? Was so ungewöhnlich ja nicht wäre, gerade was den geringen Angeldruck auf Karpfen hier angeht. Dennoch nehme ich mir für morgen eine Erkundungstour stromab vor, um nach etwaigen neuen spots, dem wohl letzten für diesen Trip Ausschau zu halten, was sicher einige Stunde in Anspruch nehmen wird. Dabei kann ich gleich einen Angelshop suchen, um meinen zur Neige gehenden Vorrat an 140 Gramm Inlinebleien aufzufrischen. Wir lesen uns morgen in alter Frische. Ach ja, der singende Engländer von gegenüber hat zum Glück die Anker gelichtet ;-)

Tag 10:

Während des Frühstücks bekomme ich einen Biss, den ich aber leidet nicht verwerten kann, die blöden Äste am Grund. So beginnt der Tag noch relativ normal, wird jedoch im Laufe des Nachmittags eine Dramatik entwickeln, die ich in meinen schlimmsten Alpträumen nicht erwarten würde. Doch der Reihe nach: Wie geplant fahre ich den Flussverlauf mit dem Auto stromab längs und suche neue Stellen. Ich fahre gefühlte 500 Feldwege rein, wovon die allermeisten als Sackgasse vor dem zugewucherten Steilufer des Flusses, vor einem Durchfahrt verboten Schild oder einem einsamen Gehöft enden, wo mich entweder ein aus dem Halbschlaf erwachter Hofhund oder eine auf der Veranda sitzende Oma verdutzt anschauen. Ich kann aber auf den ca 20 km zwei schöne Stellen ausmachen, schieße einige Bilder davon und fahre weiter in die nächste Kleinstadt, um in einem Angelgeschäft etwas Nachschub zu shoppen. Ich finde diesen auch nach einigem Suchen und im Gegensatz zu den vorher aufgesuchten Tackledealern wartet dieser mit einer super Auswahl an Karpfenkram auf. Danach noch zum Leclerc und einen kleinen Großeinkauf an Lebensmitteln erledigt. Gegen 14.30 bin ich auf dem Rückweg und bemerke einen Schaden am Auto: Die Öllampe blinkt. Die Karre wird schnell langsamer und geht dann ganz aus. Ich schaffe es mit letztem Schwung an den Rand eines Kreisverkehrs und nette Leute aus einem Restaurant rufen den Pannendienst. Dieser kommt nach einer Stunde und schleppt mich in eine Werkstatt, wo der Meister mir eröffnet, dass der Motor einen Totalschaden nach Ölverlust hat. Ein neuer Motor kostet zwischen 5 und 6.000 Euro, was bei einem 8 Jahre alten Skoda Kombi wohl nichts mehr bringt. Niedergeschlagen stehe ich also in einem franz. Nest, mein Auto ist Schrott und ich muss mich erstmal zusammenreißen und einen Plan entwickeln, um aus diesem Mist wieder herauszukommen (wobei mir spontan eigentlich eher danach wäre, in die nächste Kneipe zu gehen und mir dort je 1 Flasche Pastis und Cola zu bestellen). Ein Anruf beim ADAC bestätigt mir, was ich eh schon weiß: Ohne Auslandsschutzbrief können die mir nicht helfen. Na toll. Die Karre kann ich erstmal in der Werkstatt lassen und die Leute rufen mir ein Taxi, was mich in die Nähe des Flussufers bringt. Neben den Einkäufen packe ich noch 25 kg Boilies ein. Wer weiß, wie lange ich noch dort bleiben muss (kann? darf?). Zusammen mit meiner Freundin wird das weitere Vorgehen beraten. Klar sind zwei Dinge: Ein deutscher PKW kann nicht so einfach in Frankreich verschrottet werden und für den Rücktransport von uns und dem Tackle mitsamt Dachbox und Fahrrad brauchen wir einen Transporter. Ich rufe zunächst meinen Vater und meinen Bruder in Köln an, erstatte Lagebericht und bitte um Hilfe. Beide sagen zu, sich Gedanken zu machen, sich umzuhören und ggf. nach Frankreich zu kommen. Dann besorge ich mir die Nummer meines Versicherungsmaklers in Hamburg und schildere ihm auf seiner Mailbox das Problem. Danach fällt mir.nix mehr ein und ich öffne mir ein Bier. Nach einer Stunde ruft mich der Versicherungskollege trotz Freitags Abends zurück und macht mir eine mehr als erfreuliche Mitteilung: Im Rahmen meiner Autoversicherung habe ich eine sog. Kasko plus Versicherung, die mir nun aus der Patsche helfen sollte, in dem sie mir bei Rücktransport des Altautos oder dessen Verschrottung sowie mit einem Leihwagen behilflich sind bzw. diesen zahlen. Obwohl das mit dem Transporter schwierig werden könnte. Er gibt mir die Nummer der Europa Assistance, ich schraube meine Handyrechnung mit weiteren Telefonaten mit Callcentern in Rostock und München in die Höhe (als die mich nach meiner Auslandsadresse fragen und ich antworte "im Zelt 300 m oberhalb vorm Stauwehr", nehmen wir doch lieber die der Werkstatt) und bin erstmal ein wenig entspannter, als diese versprechen, sich zu kümmern und sich mit ihrem franz. Kollegen in Verbindung zu setzen. Ich sage noch in Köln Bescheid und bringe dann, was soll ich sonst jetzt auch tun? die Ruten für die Nacht raus. Bei einem weiteren Getränk flüchte ich in Galgenhumor und rede mir ein, so komme ich jetzt wenigstens irgendwie zu dem SUV, an den ich schon lange denke. Bzw.: Wenn sich einer von den werten Lesern schon mal diesbezüglich Gedanken gemacht hat und weiß, welche Marke das beste Zusammenspiel aus den Parametern Anschaffungspreis, Zuverlässigkeit, Co2 Ausstoß, Ladevolumen und Verbrauch aufweist, dem bin ich für eine mail an die Selfmade Baits Adresse sven.brux@selfmade-baits.de sehr dankbar! Das war’s dann auch an diesem denkwürdigen Tag und ich gehe ohne große anglerische Mitteilungen pennen.

Tag 11: 

Ein schöner Morgen sieht anders aus, denn natürlich stecken mir die gestrigen Ereignisse noch heftig in den Knochen bzw. beherrschen meine Gedanken. Dennoch kommt morgens ein Run, doch bevor ich an der Rute bin, hat er sich auch schon wieder verabschiedet. Wer auch immer er ist. Ich entscheide mich dafür, die Ruten stromab zu legen in der Hoffnung, dort weniger Hänger zu haben. Dann wird wieder heftig rumtelefoniert und es scheint in ganz Südfrankreich keine Transits, Boxer oder ähnliche Transporter zu geben, das wird noch eine ganz harte Nummer. Doch frühestens am Montag entscheidet sich, ob die Versicherung das kaputte Auto nach Deutschland transportieren lassen will. Bzw. dies bezahlt. Kommt drauf an, ob der Restwert die Transportkosten übersteigt. Wenn ja, wäre unser Transportproblem gelöst, denn dann könnten wir Dachbox, Fahrrad und einiges mehr mit dem kaputten Auto schicken und auf den uns angebotenen Opel Zafira zurückgreifen. Derweil recherchieren wir auf eigene Faust, ob es nicht Autovermietungen mit Transportern gibt. Ein Glück. Das wir das Tablett und Solarakku mit haben. Am Nachmittag kommen zwei Jungs mit dem Boot längs und wollen uns erzählen, wir dürften auf dem Ponton nicht angeln, denn das sei eine "ouvrage navigation", was auch immer das sein soll. Ich schätze. Darunter fallen Kaianlagen usw. Wir sind aber der Meinung, das sei ein privater Ponton, der Ja zu dem ehemaligen Restaurant 200 m hinter uns gehört. Die Jungs sagen, ihnen und der Garde de peche sei das egal. Doch die Leute, die die Wasserstraßen überwachen, würden keinen Spaß verstehen. Wir entscheiden uns mangels Alternative zu bleiben. Wo und wie sollen wir ohne Auto auch hin. Etwas mulmig ist uns schon. Ich mag solche Situationen nicht. Wir schnacken dann noch was übers angeln und die Jungs bestätigen, dass die Welse gerne auf Fischboilies gehen und man soll auf Karpfen Fruchtboilies nutzen. Da hab ich ja als einzige Möglichkeit die Scopex dabei. Es soll hier auch nicht mehr einen so großen Karpfenbestand geben. Aber wenn es beißt, dann meist größere. Sie zeigen auf ihrer Digital noch Bilder von einem 2,10 m Wels und einem 36 Pfd. Karpfen und verabschieden sich dann. Kurz darauf kriege ich einen Bilderbuchbiss auf Köderfisch, den ich spontan an der Bojenmontage ausgelegt hatte. Der Wels sprengt die Reißleine, doch nach dem Anschlag hole ich nur noch die blanken Haken ein, so ein Mist. Es ist merklich kühler geworden und abends ziehe ich erstmals einen Pulli an. Vielleicht bringt der Wetterumschwung ja die Karpfen in Fresslaune? Wir werden sehen.

Tag: 12 mit neuem Welsbild:

In der vergangenen Nacht hat uns ein nicht angekündigtes Gewitter mit starkem Regen überrascht, der die ganze Nacht andauerte. Eigentlich im Hochsommer für unser eins eine willkommene Abwechslung, Stichwort Sauerstoffzufuhr etc. Da wir jedoch wie erwähnt darauf nicht vorbereitet waren und am Vorabend nichts darauf hindeutete, ist vor dem Zelt alles nass geworden: Stühle, Taschen etc. Am frühen Morgen dann wie eigentlich jeden Tag ein run, den ich jedoch wieder nicht verwerten konnte, da der Fisch ins Holz ging. Da war er dann, der Moment, den jeder kennt: Eh genervt von dem Stress wegen des kaputten Autos, dann wieder einen Fisch verloren und es nieselt. Da sitzt Du vor dem Camp und fragst Dich, was die ganze Kacke eigentlich soll. In etwas jüngeren Jahren würde man einfach nur laut MAMAAAAAAA schreien ;-) Doch eine halbe Stunde später erneut ein Biss und nach ca. 20 min Drill kann ich den 6. Wels auf der Habenseite verbuchen. Nun ein frischer Kaffee, die Wolkendecke reißt am Horizont auf und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus. Gegen Mittag gibt ein weiterer Wels seine Visitenkarte ab, der erste im Übrigen, der auf Scopex plus biss. Um die Holzverluste zu reduzieren, lege ich nun alle Montagen an die 13 m Kante. Dadurch angele ich womöglich an ufernäher ziehenden Karpfen vorbei, aber es geht ja nun nicht anders. Seitdem ich stromab fische, machen sich auch ab und zu Weissfische an den Boilies zu schaffen. Sonst eher ein Ärgernis, nehme ich dies nun als eher gutes Zeichen, denn wo die ziehen, sollten irgendwann auch mal Karpfen vorbei kommen. Für einen Sonntag ist auf dem Wasser verhältnismäßig wenig los. Was ich auf das schlechtere Wetter am Morgen schiebe. Soll mir nur recht sein. Am Abend, es läuft gerade das EM Finale, kommt ein Auto mit einem gelben ausgeschalteten Blinklicht auf dem Dach angerollt. Unser erster Gedanke: Shit, die Jungs hatten Recht und jetzt gibt’s Stress mit dieser Wasserstrassenbehörde. Dann folgt jedoch noch ein Trecker mitsamt Mähanhänger und der Fahrer sagt uns im Vorbeifahren nur, dass sie das Gras auf der benachbarten Wiese mähen. Warum sowas Sonntags abends um 9 gemacht wird, fragen wir uns, aber sind doch froh darum. Als die Jungs fertig sind, kommt es noch zum sprachlich reichlich hindernisbehafteten small talk mit dem Bilderbuchbauer, der einen starken Akzent spricht und nuschelt. Alles in allem aber alles Ok und er wünscht uns weiter viel Erfolg und belle vacances. Wir werde es versuchen. Morgen wieder.

Tag 13:

Die Nacht war die bisher frischeste. Was aber wiederum den Effekt hatte, dass am frühen Morgen der Fluss "dampfte" und ich einige schöne Bilder machen konnte. Eine Stunde später, man kann echt die Uhr danach stellen, läuft eine der 4 Ruten ab und Wels Nr. 8 trägt sich in die Fangliste ein. Wird jedoch aufgrund seiner Durchnittslänge von ca. 1,50 m bereits am Boot releast. Den Rest des Tages passiert außer einigen Telefonaten wegen der Autogeschichte nicht viel. Ich kriege jedoch ein bezahlbares Reparaturangebot aus Hamburg, woraufhin sich die Versicherung bereit erklärt. Den Wagen in den nächsten 2 Wochen heim zu bringen. Da sich dadurch das Tackletransportproblem verringert und wir einen Kastenwagen angeboten kriegen, geht so langsam alles seinen Gang. Wir müssen den Leihwagen nur in Oder bei Strassburg gegen einen deutschen Wagen tauschen aber was solls, das kriegen wir auch noch hin. Ausgerechnet während des letzten wichtigen Telefonats gegen 18 Uhr gibt es einen Vollrun. Da ich das Telefonat nicht einfach abbrechen kann, schliesslich will ich was von denen, muss ich ca. 3 min zuschauen, wie sich die Spule dreht. Zum Glück schwimmt der Fisch ins Tiefe und nicht ans Ufer. Als ich die Rute hochnehme und ins Boot steige, ist er sogar noch dran. Im Unterschied zu den vorherigen Drills kommt der Fisch recht schnell, wenn auch in einiger Entfernung, hoch und ich frage mich "Das wird doch nicht etwa...?" Doch, es ist endlich wieder ein Karpfen. Den ich kurz darauf keschern darf und der höchst erfreuliche 31,5 Pfund bei 99 cm Länge aufweist, YES!!! Gebissen hat er auf einen einzelnen 22er Active-Blood-Pepper, mit denen ich seit heute früh einen Versuch gewagt habe. Ich bin auf Wolke 7. Kurz darauf folgt noch ein merkwürdiges Schauspiel an der Köderfisch-Bojenmontage: Zuerst wird der Köder nervös, so dass die Glocke sich bemerkbar macht. Dann springt die ca. 30 cm lange Güster zweimal in voller Länge aus dem Wasser, um darauf mitsamt Pose heruntergezogen zu werden. Die Reißleine hält jedoch und die Pose taucht wieder auf. Als ich die Montage kontrolliere, kann ich nur noch 2 blanke Haken einziehen. Es ist echt krass, wie die Welse es schaffen, einen Fisch von einem Einzel- und einem Drillingshaken der Größe 5/0 abzuziehen. Schon zweimal hatte ich runs, bei denen ein Weißfisch, der sich zuvor an der Karpfenmontage aufgehangen hat, von einem Wels attackiert wurde und dabei bös rasiert wurde. Mit zwei schönen Fischen und Fortschritten in der Heimfahrtplanung geht auch dieser Tag zu Ende und unter einem herrlichen Vollmond lasse ich Gedanken zu, wie es denn wäre, sich hier unten ein Grundstück am Wasser mit kleinem Häuschen zuzulegen.

Träumen wird man ja noch dürfen. 3 Tage noch...

Tag: 14

Der Morgen beginnt wie üblich mit einem Welsbiss. Jedoch leider erneut auf eine am Haken hängende Brasse, so dass ich den Waller nicht haken kann. Ich nehme dies jedoch zum Anlass, an allen Ruten die 140 Gramm Bleie gegen welche mit 112 Gramm auszutauschen um zu verhindern, dass sich Weissfische von mir unbemerkt aufhängen und den ganzen Tag die Montage unbrauchbar machen und am Ende einen Welsbiss zu provozieren, den ich sowieso nicht verwerten kann. Der Tag vergeht bei schönem aber nicht zu heißem Wetter ereignisarm, lediglich ein Kajakfahrer reagiert nicht auf die Boje und meine Rufe "Attention Monsieur!" und paddelt gegen die Schnur der Köderfischmontage. Nebenher muss ich wieder mehrfach mit der Versicherung telefonieren, die sich weiter quer stellen, wo es nur geht. Ab morgen geht’s da richtig ab. Am frühen Abend beobachte ich wieder einige Spinnangler mit Booten und muss sagen, dass hier neben den üblichen Opis mit Stippe ein paar richtig gute Cracks unterwegs sind, die es wahrscheinlich auf Schwarzbarsch und co abgesehen haben: Flach laufende Boote mit E-Motoren für Bug- und Heckantrieb. Teils mit hochgelegten Sitzen und sehr versiert mit ihren leichten Spinnruten, die werfen mit Pendel- oder Unterhandwurf aus über 20 m exakt 2 cm an die ins Wasser ragenden Äste ran.

Es ist gegen 21.30, als ich wie gestern um die Zeit Unruhe an der Bojenmontage bemerke. Der Köderfisch ist sehr aktiv und springt kurz aus dem Wasser. Dann geht die Pose unter, die Reißleine hält aber, kommt wieder hoch und steht still. Ich gehe davon aus, dass ein Wels wieder den Fisch weggezaubert hat und mache mich dran, die Rute einzuholen, was ich in 45 min sowieso hätte tun müssen. In diesem Moment geht die Pose wieder unter. Ich schlage an, sprenge die 33er Monofil und der Fisch hängt. Er fühlt sich nicht allzu groß an, ich steige dennoch ins Boot und pumpe mich ihm entgegen. Hm, er zieht in die tiefe Flussmitte und mich hinterher. Dann geht die Party los: Offensichtlich ist er doch etwas kräftiger, denn nun geht das Tauziehen, welches ich bereits letzte Woche an einem Abend erlebte, von vorne los. Nur habe ich den Wels nun an einer Leitner Rute mit 50er Geflochten auf einer Penn-Rolle dran und kann, nein muss entsprechend Gegendruck aufbauen. Immer wieder zieht er Schnur von der Rolle und lässt die fest eingestellte Bremse kreischen, bevor die Rute bricht. Dies bleibt an dem ruhigen Abend nicht unbemerkt und ich bekomme Zuschauer:

Ein Angler auf meiner Uferseite und eine ganze Jugendgang, ca. 10 Jungs, von denen 3 angeln, stehen an der Kaimauer schräg stromauf und schauen gebannt zu, wie der Typ da in seinem Boot mal Strom ab, mal Strom auf gezogen wird, ohne etwas ausrichten zu können. Das geht eine ganze lange Zeit und langsam spüre ich sowohl meinen rechten Oberarm als auch die Innenseite meines rechten Oberschenkels, gegen den ich den Rutenfuss stemme, um Druck aufzubauen. Es wird auch langsam dunkel und ich merke, dass ich keine Kopflampe an Bord habe. Nun wird es langsam heikel, denn immer mehr verlagert sich die Aktion stromab Richtung Sperrwehr mit den Kraftwerksturbinen. Die Warnbojen sind nur noch ca. 50 m entfernt und ich muss mir Gedanken machen, was ich zu tun gedenke, wenn das Ganze hier nicht langsam ein Ende nimmt. Zum Glück bringt der Vollmond etwas Licht, so dass ich nicht ganz orientierungslos bin. Nach 45 min kann ich ihn manchmal hochpumpen und die Pose taucht auf. Der Fisch nimmt aber immer wieder genau so viel Schnur. Dann kann ich ihn zum ersten Mal schemenhaft sehen und mir wird bewusst, dass ich ein Problem habe:

Wie soll ich das alleine ohne Hilfe schaffen? Nach nochmal 10 min kann ich zum ersten Mal das Vorfach greifen, der Fisch schüttelt jedoch wütend den Kopf und taucht wieder ab. Dies wiederholt sich ca. 5-mal. Ein weiteres Problem taucht auf: Die großen Haken befinden sich jedes Mal in direkten Nähe der Luftkammern des Schlauchbootes. Eine falsche Bewegung und ich saufe hier ab. Das Ganze nimmt gefährliche Züge an. Als ich den großen Wels endlich zum ersten Mal am Unterkiefer fassen kann, merke ich sein Gewicht. Ich versuche ihn anzuleinen.  Was mir im Dunkeln aber nicht gelingt, so ziehe ich ihn endlich nach 1 Std. Drill ins Boot, nach dem ich zuvor die Haken gelöst habe. Ich Ruder so schnell wie möglich zum Ponton und rufe Amrey zu, dass wir die Plane, meine Lampe und einiges mehr brauchen. Dort angelangt merke ich jedoch sehr schnell, dass der Fisch zu schwer ist. Ohne ihn zu verletzen und selbst einen Bandscheibenschaden zu riskieren, kann ich ihn niemals auf den Ponton ziehen. So vermesse ich ihn im Boot und messe exakt 200 cm, nicht einen mehr oder weniger. Yes!!! Ich wuchte den großen Wels über die feuchte Luftkammer wieder ins Wasser und stabilisiere ihn dort noch einige Zeit, bevor er langsam in die dunkle Tiefe abgleitet. Ich steige aus, gehe ans Ufer und merke jetzt erst, wie kaputt ich bin. Ich bin total verschwitzt, alle Knochentun weh und die Klamotten sind verschleimt. Aber ich hab meinen ersten 2 Meter Wels und es ist kein Schaden entstanden. Ich sitze noch lange total aufgekratzt vor dem Zelt, trinke einen Rotwein und rauche eine nach der anderen. Mir wird jedoch schnell klar: Das mache ich nicht nochmal. An einer Stelle kurz vor einem Wehr und ohne flaches Ufer, dazu bei Dunkelheit und alleine ist es schlichtweg für Fisch und Mensch unverantwortlich und zu gefährlich. Ich habe mein Ziel erreicht und eine wichtige Erfahrung gemacht, das ist klasse, der Adrenalinkick sowieso unbeschreiblich. Doch ab morgen bleibt die Köderfischrute draußen und ich konzentriere mich darauf, in den letzten 2 Tagen noch den einen oder anderen Karpfen zu überlisten. Mit diesen Gedanken gehe ich noch ganz aufgekratzt in das Zelt, gute Nacht!

PS: Leider waren bei der Dunkelheit keine Handyfotos für das Tagebuch möglich. Das ein oder andere Foto mit der Nikon reiche euch dann noch nach….

Tag 15:

So, liebe Leute, es geht langsam dem Ende entgegen und deshalb heut nur recht kurz: In der Nacht nach dem 2 Meter Klopper hatte ich noch einen Wels von 1,40 m auf Active-Blood-Pepper . Dann kam das schlechte Wetter mit zeitweise Regen. Eigentlich ein ideales Fangwetter aber es tat sich nichts mehr. In der Nacht noch einen verloren. Heute gar nicht geangelt, weil ich mit dem Taxi 150 km nach Toulouse musste, um den Leihwagen abzuholen. Ich melde mich am Sonntag nochmal mit einem Abschlussbericht und mehr Bildern, die ich dann auch abrufbereit habe.

Freut Euch u.a. Auf ein Wildschwein neben unserem Zelt, was ebenfalls Appetit auf Selfmade Baits hatte ;-)

Abschluss: Live-Ticker
Am letzten Tag musste ich wie berichtet den Leihwagen abholen und dann damit etliches an schwerem Tackle in den kaputten Skoda in der Werkstatt umladen. Da damit der ganze Tag verging, habe ich gar nicht mehr geangelt und lieber am Abend bereits alles eingepackt, was nicht mehr für die letzte Übernachtung benötigt wurde. Es sollte am nächsten Morgen um 8 Uhr losgehen, da bleibt keine Zeit mehr, um das Tackle zusammen zu packen und zu verstauen. Während des Packens raschelt es plötzlich hinter uns im Gebüsch. In Erwartung eines Rehs o.ä. schau ich hinter das Zelt und erstarre erstmal: Ein Wildschwein  wühlt dort nach Essbarem. Im ersten Schreck gehen wir ruhig aber schnell auf den Schwimmponton, da wir ja nicht wissen, ob und wie aggressiv das Tier ist. Als es sich aber über die neben dem Camp am Boden liegenden Boilietüten hermachen will (und auch hier liegt Pineapple Fish ganz vorne!), setze ich mich zur Wehr. Ich nehme mir andere Boilies aus einem Eimer auf dem Ponton und bewerfe es damit, was einen kleinen Rückzug zur Folge hat, in dessen Verlauf ich die Tüten sichern kann. Ich mache noch etliche Bilder und so langsam trollt sich die Sau. Da wir hier in einer recht besiedelten Gegend sind, wundere ich mich über den Vorfall. Andererseits stehen die Felder voll im Saft, so dass genug Versteckmöglichkeiten verbleiben. Cooles Ding auf jeden Fall!

Am Restabend bleibt genug Zeit, den Trip noch einmal Revue passieren zu lassen und ein Fazit zu ziehen: 13 Nächte und 15 Tage geangelt. 10 Welse von 1,40 bis 2 Meter und 2 Karpfen von 29 und 31,5 Pfund an einer unbekannten Flussstrecke, dazu bestimmt 20 nicht verwertete Runs. Im Hochsommer. Ist das "gut" oder "eher mies"? Mal wieder kam Etliches nicht so wie erwartet: Zu wenig Angelstellen auf weiter Flussstrecke durch Privatgrundstücke und vor allem dicht bewachsene Steilufer (hier stößt google earth in der Darstellung an seine Grenzen!), eine Menge Schwierigkeiten durch Holz am, im und vor allem unter Wasser, der Mega-Gaudurch das kaputte Auto und vor allem der Heißhunger und die Beißfreudigkeit der Welse auf Boilies und hier vorzugsweise die Pineapple Fish Serie. Für mich ist das alles OK und macht eben einen Auslandstrip aus, der eigentlich NIE so verläuft wie erwartet und geplant. Die atemberaubenden Drills der Schleimer am Karpfengerät werde ich nicht vergessen, den 2 Meter PB sowieso nicht, muss mich aber künftig anders vorbereiten. Gezielt auf große Welse mit Köderfischmontagen werde ich nur noch angeln, wenn mindestens ein weiterer angelnden Kollege dabei ist, sofern die Ufer nicht über einen flachen Strand verfügen und wenn der Fluss zu stark strömt oder gar eine Kraftwerksanlage in der Nähe ist. Auch werde ich zwingend ausreichend Knödel ohne Fleisch- oder Fischmehlbestandteile mitnehmen, um Welsbisse zu minimieren. Die Rückfahrt am Freitag wird noch einmal zur Geduldsprobe, denn ein Anruf bei der deutschen Autovermietung ergibt, dass entgegen der Zusage kein Kombi zur Verfügung steht, sondern nur ein Kompaktwagen. Also wieder aus Frankreich die Versicherung anrufen. Diese weiß mal wieder von nichts, schickt mich aber dann zu Hertz nach Offenburg, wo ich einen Ford Mondeo in Empfang nehmen kann. Und obendrein rettet uns der nette Kollege den Arsch, in dem er den Französischen Chevy ohne Zusatzkosten entgegen nimmt und mir somit erspart, im Berufsverkehr rüber nach Straßburg zu fahren, großes Tennis! Der Rest ist Kilometerfressen und nach 14,5 Stunden Fahrt kommen wir in Köln an, wo ich komplett platt ein kaltes Kölsch trinke und ins Bett falle. Die 4 Stunden am Folgetag nach Hamburg sind dann nur noch ein Witz und nun ist es geschafft. Was nun noch folgt, ist der Nerv mit der Versicherung, das Warten auf meinen alten Wagen und, ja, was wohl? Die vorsichtige Planung des nächsten Trips, denn bei allem Stress, genug haben wir doch nie, oder?

Petri Heil!

…der erste Karpfen des Trips

        … hier ein kleiner  Beifang (1,38 m und 38 Pfund)

Tag: 12 mit neuem Welsbild:

          Tag:13 31,5 Pfund bei 99 cm Länge

 

 

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