Ich kann den Regen riechen...

25.08.2011 16:29 | Kundenberichte

 
Dies ist sicher kein Bericht über Riesenfische oder große Abenteuer in fremden Ländern, nein es ist eher eine Momentaufnahme eines Anglers der sehr gern draußen am Wasser verweilt, um viele Eindrücke zu sammeln, sich der Natur zu stellen und versucht ein kleiner Teil von Ihr zu sein.
 
Mein Angeljahr begann erst Mitte Mai, aus gesundheitlichen Gründen war dies nicht früher möglich. Mit einer neuen Knieprothese ausgestattet und Geh-stützen, startete ich dann den ersten Versuch. Irgendwie hatte ich Glück im Unglück, denn mein nagelneuer Kescher ging gleich beim ersten Landeversuch eines schönen Spieglers in die Brüche (Materialfehler), und doch konnte ich den Fisch mit Hilfe unseres Ehrenvorsitzenden sicher landen. Danach blieb ich drei Tage und Nächte ohne jeden Biss und trotzdem war es schön, seit langer Zeit und unter ziemlichen Schmerzen wieder draußen zu sein. Jetzt wusste ich, was mir viele Wochen so gefehlt hat.
 
An Fischen ist im Moment nicht zu denken...
 
 
Mein Dank geht hiermit an die Ärzte und das Pflegepersonal des Alfelder Krankenhauses, der Salze-Klinik in Bad Salzdetfurth sowie an meine Freunde, meine Mutter, sowie meinen Sohn, der mich oft besuchte und mich die Berge des naheliegenden Waldes hoch und runter scheuchte.  Heute bin ich mit dem Heilungsprozess sehr zufrieden und staune immer noch, was heutzutage medizinisch möglich ist. Und trotzdem ist nichts mehr so wie es vorher war, es hat sich vieles verändert, vor allem die eigene Einstellung. Man muss in vielen Dingen kürzer treten und immer gut für sich sorgen. Deshalb verändert sich auch die Sichtweise zum Leben und auch zum Fischen. Ich versuche die kostbare Zeit noch intensiver draußen zu nutzen und achte die Natur noch viel mehr als vorher, deshalb bleiben mir viele Dinge nicht mehr verborgen. Seit einigen Wochen ist mir aufgefallen dass die Tiere an unserem See mich immer mehr respektieren, so habe ich mich mit einigen Enten, zwei Schwänen und einem Waschbär angefreundet, der mich allerdings nur in der späten Nacht besucht und einen riesen Lärm beim Fressen und Waschen seiner Nahrung veranstaltet, mir ist bis heute kein einziges gutes Foto von ihm gelungen.
 
Und da sind ja noch meine beiden Eisvögel aus den letzten Jahren, die jeden Morgen und Abend auf meinen Ruten Platz nehmen und sich offensichtlich wohlfühlen. All dies gibt mir ein viel besseres Gefühl als jeder Dreißig pfünder. Da ich mit dem Fische fangen eh keine Probleme habe, auch dank der tollen Köder und dem Futter von Selfmade-Baits, kann ich meinen Blick des Öfteren in der Natur schweifen lassen, den Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen und trotzdem schöne Fische fangen.
 
Viele Angler vergessen manchmal wem Sie ihr schönes Hobby zu verdanken haben, nämlich zuallererst Mutter Natur, die diese schönen Geschöpfe geschaffen hat. Die sogenannten und selbsternannten Zielfischangler gehen einfach raus mit dem festen Vorsatz, ein ganz bestimmtes Wesen zu hetzen und zu jagen bis der besagte Fisch erschöpft und erniedrigt im Kescher liegt, nur damit Sie ein Eintrag in Ihr Fangbuch machen können, um damit vor anderen zu prahlen. Bitte versteht mich nicht falsch: Es geht mir um das bewusste und gezielte Vorhaben ein ganz bestimmtes Lebewesen zur Strecke zu bringen, eben wie ein Kopfgeldjäger oder Auftragskiller, der seine Beute gnädigerweise am Leben lässt. Dies hat nichts mit einem gesunden Wettstreit mit der Natur oder oft zitierten, höher gesteckten Zielen zu tun, da hierbei nur der Fisch verlieren kann. Jedoch viele zerfetzte Fischmäuler sprechen hier eine deutliche Sprache. Aber meist sind diese Menschen auch in anderen Lebensbereichen die reinsten Egoisten und sind mit sich selbst nicht im Reinen. Hat die Natur das wirklich so vorgesehen, aber so sind nur wir Menschen.
Naja erfreulicherweise gibt es auch andere Angler, die mit einer gesunden Einstellung gesegnet sind und am Wasser nur die Erholung suchen, aber trotzdem einen gesunden Ehrgeiz besitzen und sich über jeden Fisch freuen, egal ob groß oder klein.
 
In den letzten Wochen wurde ich von dem ein oder anderem schweren Unwetter heimgesucht, eigentlich mache ich mir um so etwas keine großen Gedanken, aber einige Male blitzte und knallte es so heftig, das ich für kurze Zeit Zuflucht im Auto suchen musste. Aber ich kann den Regen riechen und nach dem Unwetter werden die Karten neu gemischt und es gibt meist den einen oder anderen Biss zu verzeichnen.
 
Manchmal fange ich einfach an, mich draußen mit den beiden jungen Enten über die Lage der Nation zu unterhalten, bis mir dann endlich auffällt dass ich ganz allein am See bin, neulich habe ich die beiden freundlich gebeten, nicht so einen Lärm zu machen, da wir ja seltene Gäste am See hätten. Damit meinte ich die beiden Schwäne.
 
Ich glaube, dass unsere technischen Möglichkeiten zwar immer größer werden, aber die Lebensräume werden immer kleiner und enger. Daher sollten wir in Zukunft noch respektvoller und rücksichtsvoller mit diesen immer kleiner werdenden Lebensräumen
umgehen und uns selber dabei nicht so ernst nehmen, wir sind nur ein kleiner Teil des Ganzen.
 
Ich möchte diesen Bericht gern mit den Worten eines großartigen Filmes abschließen, diese Worte verursachen selbst mir nach so langer Zeit immer noch eine Gänsehaut…
 
„Am Ende fließen alle Dinge ineinander, und aus der Mitte entspringt ein Fluss.“
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alles wird gut.....
 
Euer Micha
 
 

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