Herbstmüdigkeit

07.03.2019 09:28 | Teamberichte

Herbstmüdigkeit


 

 

 

Die Augen waren schwer, der Rücken schmerzte auch so langsam, doch endlich war ich da.

Nach über etlichen Stunden Autofahrt, mit kaum Schlaf und einem Blitzerfoto, hatte ich es endlich geschafft. Jan erwartete mich bereits voller Vorfreude an seinem Hausgewässer. Ein ca. 11 Hektar großer See, nicht all zu tief und einem Bestand wahrer Schönheiten. Schnell waren die Boote beladen und dann ging es auf die andere Seeseite, wo wir die ersten fünf Tage des Oktobers verbrachten. Auf dem Wasser unterwegs, konnten wir rasch die ersten Fische lokalisieren, so dass wir mit schnellen Bissen rechneten. Ich konnte es kaum erwarten, die Ruten abzulegen und unsere Futterkampagne zu starten. Vom Futter her setzten wir auf ein reichhaltiges Angebot verschiedener Boilies. Mit im Gepäck hatten wir die Allzweckwaffe Pinenut, die sich hier in der Vergangenheit und vor allem im Frühjahr bei Jan als sehr erfolgreich herauskristallisiert hatte.

 

 

 

 

 

Die Fänge der Vergangenheit motovierten mich bis in die letzte Haarspitze und beim Anblick der springenden Fische, konnte ich mir diese nur zu gut in meinen Händen vorstellen.

Ergänzt wurde unser Angebot zusätzlich mit Essential Spice, Natural Instinct und Spicy Tuna Murmeln. So deckten wir die verschiedenen Vorlieben und Geschmäcker der Fische ab und überließen damit nichts dem Zufall. Abgerundet wurde unsere Futtertaktik mit gekochtem Hanf und schleimigen Tigernüssen. Mit diesen Sämereien versuchten wir die hindernisreichen Spots zu aktivieren um damit die Fische an unseren Futterplätzen zu gewöhnen und sie durch viel Futter zu halten. Bei den Hakenköder experimentierten wir nicht. Wir entschieden uns für ausbalancierte Snowmans am IQ D-Rig, abgestimmt auf unser Futter.



Was die Spots betrifft, kann man sich an diesem Gewässer kaum entscheiden, da zahlreiche überhängende Bäume das Ufer säumen, Totholz und Kraut die Unterwasserwelt schmücken und zu allem Überfluss zierte eine schicke Insel den See. Als Neuankömmling nicht gerade einfach, aber ich habe mich voll und ganz auf Jan‘s Heimvorteil verlassen. Jede Rute wurde in unmittelbarer Nähe eines Baums und Totholz präsentiert. Nach dem Ablegen der Rute hieß es: Bremse zu und Expander dran. Dieser wurde vom Rollenfuß zum hinteren Bankstick fixiert. So war die Rute gesichert und wir hielten das Risiko eines Fischverlustes damit sehr gering. Klar ist ein Aussteigen des Fisches oder gar ein Abriss nicht ausgeschlossen, doch zu 90% der Fälle resultiert ein Biss in einem Fangfoto.

 

 

Es war also angerichtet. Die Ruten wurden sachte und mit besten Gewissen abgelegt.

Etwas Sonnenschein und mäßiger Wind waren keine schlechten Bedingungen im Herbst.

Der Luftdruck war zwar etwas höher als erhofft. Doch damit mussten wir leben, ändern konnten wir es sowieso nicht.

Diese Session hatten wir schon im Jahr zuvor geplant und hatten somit genug Zeit uns alle Szenarien auszumalen und entsprechend gegenzusteuern. Die Taktik stand, wir waren bereit und auf alles vorbereitet. Das einzige worauf wir nicht vorbereitet waren war, dass wir trotz Wetterwechsels, Tiefdruck, Regen und auflandigem Wind, die ersten zwei Tage komplett ohne Fisch blieben.

Starke Algenblüte, kaum Sauerstoff und bereits 10 Grad kaltes Wasser musste den Fischen die letzten Tage ordentlich zugesetzt haben. Selbst unser Freund und Teamkollege Thies, der uns immer wieder besuchte und eine andere Taktik fuhr, konnte keinen Biss verzeichnen. Es war einfach unvorstellbar was sich hier abspielte. Die beiden konnten das ganze Jahr die schönsten Fische an diesem Gewässer überlisten, doch irgendwie war jetzt jede Selbstverständlichkeit und vor allem unser Selbstvertrauen langsam aber sicher verloren.

 

 

Mittlerweile konnten wir kaum noch Aktivitäten im Wasser verzeichnen. Die einzigen Anzeichen auf Fisch konnten wir nur im Freiwasser ausmachen. Unsere Futterplätze dagegen wurden komplett links liegen gelassen. Lediglich ein halbherziger Biss bei Jan, mehr konnten wir nicht verbuchen.

Abbrechen und resignieren kam auf keinen Fall in Frage. Ganz im Gegenteil! Zu viel Ehrgeiz und die gefahrenen Kilometer stachelten mich erst recht an hier erfolgreich zu sein. Selbst wenn es nur ein Fisch ist!

 

 

 

Nach den ersten beiden Tagen ohne Erfolg wussten wir, dass wenn wir an unserer Taktik festhalten, am Ende der Woche die null stehen würde. Es musste ein Plan her. Umdenken war angesagt!

Wir fühlten uns schon fast wie Anfänger. Als würden wir das erste Mal beim Angeln sein. Es konnte doch nicht sein, dass wir nicht einen dieser müden Rüssler zum Foto bitten durften. Unsere angelegten Futterplätze waren auf einen wahren Fressrausch kalkuliert. Über 90 Kilo Futter hatten wir dabei. Klingt zwar nach einer Menge, doch wenn hier Fisch am Platz ist, würden wir alles benötigen. Jans angekündigte Fangorgie blieb allerdings aus und somit hatten wir uns mit der Futtertaktik mal so richtig verzettelt.

 

 

 

Die Spots wurden gewechselt. Lediglich zwei Ruten ließen wir auf den Futterplätzen liegen, in der Hoffnung, dass diese irgendwann doch noch anlaufen würden. Als neuer Spot visierten wir die Insel an, wo die Rigs noch näher am Holz und nur noch mit etwas Beifutter platziert wurden. Tigernüsse, Hanf und eine Hand voll in Minamino gesoakter Boilies sollten es richten.

Der Plan ging auf! Nach über 2,5 Tagen ohne Fisch und über 20 Stunden Dauerregen lichtete sich der Himmel und die Sonne weckte den See und seine Bewohner regelrecht. Nachdem wir in kurzer Zeit an unseren Inselplätzen Fische lokalisieren konnten, lief auch schon meine Rute ab und mein erster norddeutscher Spiegler glitt in die Maschen des Keschers.

 

 

 

Durch das Hook & Hold Angeln und Fallenstellen mit wenig aber attraktivem Futter, stellte sich der Erfolg langsam aber sicher ein. Mehrere Fische fanden immer wieder den Weg auf die Matte und das Ergebnis wurde den Umständen entsprechend immer stimmiger.

 

 

 

Was auffällig war, ist das es den Fischen deutlich an Kraft und Spritzigkeit fehlte. Egal ob im Drill oder auf der Matte, die äußeren Einflüsse und die Wasserqualität machten den Karpfen deutlich zu schaffen. Solches Verhalten sind wir eigentlich im Winter gewohnt. Aber wer erwartet dies schon zu der vermeintlichen „besten“ Zeit des Jahres?

Natürlich wurde die Zeit immer knapper, die Fische immer munterer und so hatten wir in der letzten Nacht tatsächlich noch sechs Läufe von denen wir leider nur vier für uns gewinnen konnten.

Aber das ist unser Hobby. Erfolg und Niederlagen liegen hier so eng zusammen, so dass nur kleine Veränderungen große Auswirkungen haben. Ich bin mir absolut sicher, dass wenn wir unserer Taktik treu geblieben wären, wir lange nicht so viele Aktionen verzeichnen hätten können. Lediglich ein Fisch kam auf einen der Futterplätze.

Angeln besteht eben nicht nur aus Taktik, Futter oder aus Geduld. Es ist immer eine Mischung aus diesen Faktoren in Kombination den Einflüssen der Natur. Jedes Mal aufs Neue heißt es, sich diesen Herausforderungen zu stellen, diese zu analysieren und das Beste aus seinem Angeln herauszuholen.

 

 

 

Machts gut!

Christoph

 

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