Die Rhone knacken – Part 2

01.02.2013 14:36 | Teamberichte

Im ersten Teil last Ihr, wie uns das verspätete Frühjahrshochwasser einen Strich durch die Rechnung machte und wir auf benachbarte Baggerseen ausweichen mussten, aber wenigstens dort unsere Fische fingen. 3 Woche später ging es erneut nach Südfrankreich, diesmal jedoch nicht mit Antonio sondern mit Madame als klassischer Sommerurlaub. Wie Ihr womöglich bereits in früheren Berichten gelesen habt, bedeutet Urlaub mit Madame natürlich, dass bei der Stellenwahl anglerische Einschränkungen zugunsten der Bequemlichkeit und des „Urlaubsfeelings“ gemacht werden müssen. Wobei die Definition von Urlaubsfeeling dann eher von Madame festgelegt wird. Ist halt so. Kann man sich drauf einstellen und passt dann auch irgendwann. Da es aus dem hohen Norden so weit ist, haben wir wie immer auf der Anfahrt noch eine letzte Nacht in einem Hotel kurz vor Lyon übernachtet. Nach einem Abendessen ging es noch zu einem Verdauungsspaziergang an die benachbarte Saone und da kribbelte es bereits angesichts der malerischen Seerosenfelder in der Abenddämmerung.
Am nächsten Morgen fuhren wir noch einmal ca. 2 Stunden, um zunächst die Einkäufe für die nächsten Tage zu erledigen. Da direkt neben dem Supermarkt ein Angelgeschäft lag, nutzte ich die Chance, um einige Infos einzuholen. Der nette Verkäufer machte uns jedoch wenig Mut, da die Rhone immer noch stark fließendes, verdrecktes Wasser mit Treibgut führt, welches das Angeln erschwert. Na super… Am Fluss angekommen zeigte sich, dass es nicht ganz so schlimm war wie einige Wochen zuvor, das Angeln aber immer noch sehr schwierig werden würde. Oberhalb der aus den Alpen zuströmenden Flüsse ging es jedoch und so ließen wir uns am Hauptstrom nieder, am oberen Ende einer Nachtangelzone, die obendrein einen großen Flachwasserbereich aufwies. Dieser zog sich in mehreren, mit Kraut bewachsenen Rinnen von 1 – 3 m Tiefe ca. 200 m lang und 80 Meter breit bis zum Fahrwasser, wo es dann auch gleich auf über 8 Meter abfiel. Die Strömung in diesem von steilen Hängen umgebenen, engen Rhonetal war sehr stark, aber mit entsprechenden Bleigewichten zu händeln. Nur bei der Durchfahrt von großen Schiffen hatte ich arg mit dem Sog zu kämpfen. Ich fütterte großflächig in den Rinnen stromauf und stromab an und war froh, als alles stand. Zum malerischen Sonnenuntergang gab es die erste Flasche Rotwein „Cotes du Rhone“ und es war einfach nur schön.
 
Bis zur Fahrwassertonne verlief die Flachwasserzone
 
Die erste Nacht verlief ohne Aktion und beim Morgenkaffee machte ich mir Gedanken, was ich womöglich optimieren könnte, als die ufernahe Rute in 1 Meter Wassertiefe unmittelbar an einer Schilfkante ablief. Zunächst war ich verdattert, konnte dann jedoch überglücklich einen 39 Pfund Schuppi keschern, der sich für einen Essential Spice in 22 mm begeistern konnte. Yes! Der erste Fisch aus der Rhone und dann gleich so ein Brett! Ich hatte noch nicht wieder ausgeworfen, als zwei uniformierte Radfahrer ankamen und sich als Ranger vorstellten, um meine Papiere zu kontrollieren. Meine erste Kontrolle in Frankreich! Ich hatte zuvor viele Geschichten über die knallharte Guard de peche gelesen und war entsprechend nervös, auch wenn ich nichts zu verbergen hatte. Die Jungs waren aber sehr entspannt und da es an unseren Spots immer sehr aufgeräumt ausschaut, gab es auch nichts zu meckern. Ich konnte in der anschließenden Plauderei noch einige wichtige Informationen erhaschen und dann waren sie auch schon wieder weg.
 
Fischereiaufsicht sind bei der Stellensuche behilflich...                          Der Auftakt: 39er Schuppi ufernah auf Essential Spice
 
Später am Tag wurde es noch einmal brenzlig, als ich gerade vom Füttern und Loten mit dem Schlauchboot zurück kam. Ein Passagierschiff donnerte mit überhöhter Geschwindigkeit talwärts und brachte eine dermaßen hohe Welle mit sich, dass ich mich nur mühsam halten konnte und die Flutwelle einiges an Kleinkram mit sich riss, was am Ufer lag. Das war knapp! Leider tat sich in den nächsten 3 Tagen nichts mehr. Lediglich einige Barben und Brassen konnte ich auf der Habenseite verbuchen. So hieß es Abschied nehmen und weiter Richtung Süden fahren. Wir verbrachten den ganzen Tag bei starker Hitze damit, mit dem überladenen Wagen zugewachsene Feld- und Plantagenwege auf der Suche nach dem Flussufer und annehmbaren Angelstellen zu befahren. Teilweise konnte ich mich nur nach dem Sonnenstand richten, um zu klären, wo wir uns denn ungefähr befanden. Doch entweder waren die Stellen aufgrund von mit Schranken gesperrten Uferwegen unerreichbar oder die angeschlossenen Altarme sahen mit ihrem Flachwasser aus wie in der Äschenregion. Nee, so wird das nichts! Zunehmend genervt (Madame will natürlich ausgiebig in einem Restaurant zum Mittagstisch einkehren, während ich lieber Stellen suche…) fand sich am Abend eine Strecke in einer Nachtangelzone, die jedoch auch nur unter äußerst schweren Bedingungen mit dem Auto erreichbar war, dieses stand zeitweise schräg mit 45 Grad auf sandigen Pfaden und ich konnte nur noch rückwärts wieder hinaus fahren. Der Mistral hatte mittlerweile auch stark zugenommen und blies einem den Sand in die Augen, wenn man nicht aufpasste. Doch was ist das? Am anderen Ufer eines Altarms befanden sich einige attraktiv aussehende Uferstellen, das Wasser floss ruhig (bzw. es sah aus, als ob es steht) und wir hätten den Wind im Rücken. Der Weg dorthin wäre aber sehr umständlich und die notwendige Brücke war ganz weit weg. Also Abbruch für heute und im nächsten Ort spontan ein Hotelzimmer für eine Nacht gebucht. Die Küche war schon geschlossen, so dass wir uns aus den eigenen Lebensmitteln ein Abendmahl auf der Terrasse munden ließen. Eine ausgiebige heiße Dusche, die den Sand des Tages wegspülte, hatte aber auch etwas.
 
Warnung vor Flutwellen bei Schwellbetrieb der Kraftwerke
 
 Am nächsten Morgen ging es recht flott zu dem erspähten Uferstück. Naja, was heißt flott, ich musste wieder Pfadfinder spielen und durch Kiesabbaugebiete und Plantagen den Weg finden. Letzterer war auch wieder so derbe tief mit Spurrillen ausgestattet, dass ich flehte, dort heil wieder rauszukommen. Am Spot angekommen, war es aber zu schön, um wahr zu sein. Hohe Bäume mit Schatten, ein steiles Ufer, das ruhige Wasser mit bewachsenen Ufern und keine anderen Angler weit und breit. Wo ist hier der Haken? Nun, es gab keinen und so bauten wir frohgemut auf. Die Stelle lag allerdings nicht in einer Nachtangelzone, was mir aber nun egal war. Der ca. 120 Meter breite Altarm fiel gleichmäßig bis auf fast 8 Meter Tiefe in der Flussmitte ab, der Boden war hart und ohne behinderndes Kraut. Ich verteilte die Ruten je einmal stromauf und stromab ufernah sowie zweimal in der Mitte des Flusses. Bei den ufernahen Ruten hatte ich einige Bedenken, da einiges an Holz in erreichbarer Nähe im Wasser lag. Doch ich musste ja erst einmal heraus finden, wo die Fische längs zogen. Ich fütterte eine bunte Mischung aus Essential Spice und Liver plus in unterschiedlichen Größen, zusätzlich etliche Ballen Grundfutter mit gecrushten Boilies und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Am ersten Tag kam da noch nichts und gegen 22.30 Uhr zog ich die Ruten aus dem Wasser, so wie ich es die folgenden 5 Tage immer machen sollte.
 
Bequeme Stelle
 
Morgens gegen 7 (gut, ich hätte mir auch den Wecker auf 4 Uhr stellen können aber hey, ich bin im Urlaub!) wurde nachgefüttert und die Montagen flogen wieder auf die spots. Gegen Mittag biss der erste Karpfen, ein 25 Pfund Schuppi, in der Flussmitte auf Essential Spice. Am nächsten Morgen folgte ein schlanker 19 Pfünder, ebenfalls in der Flussmitte. Daraufhin habe ich alle 4 Ruten in einer Linie in der Flussmitte angeordnet und ordentlich nachgefüttert.
 
 
 
In den folgenden zwei Tagen an dem spot bissen gleichmäßig weitere schöne Fische, sämtlichst Schuppenkarpfen. Am Ende waren es 16 Stück, garniert mit einer 12 pfündigen Karausche! Wobei ich das Bild dieses Fisches noch mal von einem Biologen untersuchen lassen möchte, denn mit diesem Gewicht wären sämtliche Rekorde geknackt. Vielleicht handelte es sich aber auch um eine Art Hybriden ohne Barteln, was weiß ich. Die Tage vergingen mit Lesen, manchmal drillen und ab und zu etwas small talk mit anderen Anglern, die an der Strecke aber mehrheitlich auf Zander aus waren. Wie immer waren die Kollegen alle ohne Ausnahme sehr nett und offenherzig. Wie man in den Wald hinein ruft halt… Unvergessen die drei rüstigen Rentner, mit denen ich bei über 30 Grad Nachmittags selbstgebrannten Mirabellenschnaps trinken musste, puh, das war hart…
 
 
12 Pfund Rekordkarausche oder bartenloser Hybride?                  ....zum Abschluss noch mal ein sehr heller 33er
 
Einige Tage verblieben noch und obwohl es weiter Aktionen gab, wollten wir auf dem Weg Richtung Heimat noch einen weiteren Spot testen. Dieser lag wieder am Hauptstrom und bestach durch seine malerische Umgebung. Madame machte Radtouren in die Weinberge und ich versuchte, noch den einen oder anderen Karpfen zu erbeuten. Diesmal lag die Stelle in einem Buhnenfeld, was ich mit der Futterschaufel befütterte. Leider konnte ich dort jedoch nur noch einige Döbel und Barben fangen, was mich jedoch nicht weiter kümmerte, denn der Trip war ja jetzt schon ein Erfolg.
 
 
So ging es nach gut 2 Wochen wieder heim und es standen 2 Erkenntnisse fest: 1. Der neue Sweet Insect ist der Bringer und 2. Es muss nicht immer eine Nachtangelzone sein, um seine Träume zu verwirklichen.
 
Sven Brux
 
 

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