Die Dicke Berta

01.02.2013 09:59 | Teamberichte

Nach dem Aufgrund des langen und miesen Winters sich der Beginn des Angeljahres schob und schob, zu allem Überfluss auch noch eine Menge Arbeit dazukam, lies die erste Session des Jahres lange auf sich warten.
 
Drei anvisierte Termine lösten sich in Luft auf und so dauerte es eine halbe Ewigkeit bis das Tackle den Weg ans Wasser fand. Eigentlich war ein Trip ins gelobte Franzosien geplant, doch entschieden wir uns dann einige Tage vorher unseren Trip zu Gunsten eines uns neuen Gewässers in Good Old Germany umzuwerfen. Es sollte an einen Baggersee mit geringem Karpfenbestand gehen, der den ein oder anderen „Dicken“ jenseits der 20kg Marke und kaum größere Weißfische bis auf die ein oder andere Schleie in sich verbirgt.
 
Am See angekommen mussten wir leider feststellen das wir nicht die einzigen waren die ihren Urlaub hier verbringen wollten. Wir drehten erst mal eine Runde um den See um vielleicht die ein oder andere Info zu bekommen wie so die aktuellen Bedingungen sind. Was wir hier zu hören bekamen trug nicht gerade zur Erheiterung bei, sehr wenige Karpfen seien bis jetzt gefangen worden in diesem Jahr, hip hip hurra.
 
So ne Scheiße dachte ich mir, kann doch schon wieder nicht sein. Egal, nun sind wir hier und wollten unser Glück versuchen. Zu unserer Verwunderung war der Platz auf der Landzunge frei, warum das, sollten wir bald erfahren.
Also den ganzen Krempel ins Boot und auf Richtung Landzunge gepaddelt. Das schöne an diesem Platz ist, man kann hier sehr viel Wasserfläche befischen, sowohl den tiefen als auch den flachen Bereich, so staffelten wir unsere Ruten großflächig.
 
Die Zeit verstrich wie immer im nu und so wurde nach einem guten Abendessen mit einer fast noch besseren Flasche Wein die Nachtruhe eingeleitet. Tja, wenn man morgens aufwacht ohne Nachts mal von einem lauten gepiepe geweckt worden zu sein heißt das in der Regel, vorausgesetzt man hat seine Bissanzeiger eingeschaltet, das man nichts gefangen bzw. keinen Biss hatte. Fazit, erste Nacht null Hupe. Also raus aus der Penntüte, Kaffee kochen und danach heißt es Location, Location, Location, irgendwo müssen die Biester doch sein.
 
Nach längerer Zeit auf und um den See wahren neue Spots gefunden und ne kleine Siesta stand auf dem Programm, als ich dann meinen Schlafsack auf die Seite schob dachte ich das kann nicht wahr sein, geschätzt 1 Million Ameisen hatten sich auf meiner Liege versammelt, für was auch immer. Also erst mal alles Ungeziefer entfernt, Schirm 5m versetzt, mehr war leider Platztechnisch nicht möglich und einen neuen Plan ausgeheckt wie es weiter gehen soll. Nach einem Telefonat mit unserem Kumpel Basti haben wir uns entschieden noch eine Nacht hier zu bleiben und dann das Gewässer zu wechseln. Leider verlief bis auf ein paar einzelne Pieper auch die zweite Nacht ruhig so dass wir früh morgens zusammenpackten und den See wechselten.
 
Am neuen Tümpel ankommen wurden wir herzlich von Basti mit einer kleinen Erfrischung empfangen. Da uns das Gewässer bekannt war viel die Platzwahl nicht sonderlich schwer und die Montagen waren schnell platziert. Das Gute an diesem See ist das es außer Schleien kaum größere Weißfische gibt, somit kann man hier richitg gut mit Futter arbeiten. Wir hatten das ganze Portfolio dabei welches wir zur Hand hatten, Groundbait, Stickmixe, Baitpowders, Liquids, diverse Pellets, Partikel und natürlich Boilies und die dazu passenden Hookbaits. Bei letzteren setzten wir auf Active Scopex und Pure Mussel. Wir präparierten unsere Montagen mit PVA Bags gefüllt mit 365er Pellets und einer Mischung aus Flüssigem Fischprotein und Minamino, unsere Futterplätze sollten so attraktiv wie möglich sein.
 
Allem Anschein nach hatten wir alles richtig gemacht denn der erste Karpfen ließ nicht lange auf sich warten und Otto konnte einen schönen Fisch verhaften. Während wir zusammen saßen und über Gott und die Welt plauderten konnten wir am anderen Ufer innerhalb kürzester Zeit mehrere Fischaktivitäten beobachten. Schön schön dachte ich mir, wenn die Burschen sich dort so offenherzig zeigen werd ich denen mal einen Besuch abstatten. Gesagt getan, Rute und Futter ins Boot und ab Richtung anderes Ufer. Ich wollte nicht so viel Unruhe am Platz stiften also Schleichfahrtmodus ON, Echo erst kurz vorher eingeschaltet, einen kurz Blick gewagt, Echo aus, Montage und Futter platziert und auf Schleichfahrt wieder weg. Wie heißt es schön „Schau mer mal dann seh mer scho“. Die Rute lag keine Stunde und schon nahm der Bissanzeiger Fahrt auf, so muss das sein, ich konnte meinen ersten Fisch des Trips fangen. Knapp 14kg hatte der Kumpel, gekämpft hat er auch ganz ordentlich, läuft.
 
Wir konnten in der Nacht dann noch weitere Fische bis knapp 18kg fangen, aber die Rute jedesmal 300m raus schleppen wenn man den Platz auch von einer anderen Stelle einfacher befischen kann muss nicht sein, also am Morgen das ganze Tackle wieder abgebaut und auf zum nächsten Platz. Diese Entscheidung stellte sich als Goldrichtig heraus. Von hier aus konnten wir unsere Ruten sehr großflächig staffeln ohne dass wir jemandem oder uns jemand in die Quere kommt. Ich glaub Ottos Rute lag keine halbe Stunde am neuen Platz und schon lief sie ab. Was ab jetzt passierte war einfach der Hammer, wir konnten im halb Stundentakt Fische fangen und das mit allen vier Ruten. Als hätte einer einen Schalter umgelegt, fressen ON. Das war natürlich vom allerfeinsten, die Fische am fressen, die Sonne scheint und wir hatten noch 5 Tage angeln vor uns, Anglerherz was willst du mehr?
 
 „Tja, das kann ich Dir sagen, die Dicke Berta fangen“
 
Manche Dinge muss man sich einfach nur lange genug einreden dann klappt´s auch, sag ich mir immer, zwar noch nicht so oft passiert aber doch manchmal schon funktioniert. Wir hatten dann binnen 2 Tagen eine ordentliche Fangstrecke mit vielen schönen Fischen bis 18kg hingelegt. Da die Bisse nun deutlich nachließen suchten wir uns neue Plätze, Optionen hatten wir mehr als genug. Immer wieder redeten wir über die „Dicke Berta“, ein großer makelloser Schuppenkarpfen, die Königin des See´s.
 
Noch so halb am Träumen schrillte dann mal wieder ein bekanntes Geräusch durch die Lüfte und schon sah ich jemanden an mir vorbei rennen zu seinen Ruten, ab ins Boot hüpfen und schon war Meister Hörold mit krummer Rute auf dem Tümpel Richtung Fisch unterwegs, Peeeeetri. Paar Minuten später hörte ich dann nur, der sieht nicht schlecht aus, da muss dann doch mal einen Blick riskieren. Ein 19kg Two Tone Spiegler mit schönen Schuppen, paar Fotos gemacht und zurück damit ins Wasser. Kurz darauf lief bei mir die Uferrute, also Rute geschnappt und ab ins Boot, keine zwei Paddelschläge später zeigte sich mein gegenüber der ungefähr 50m von mir weg war an der Oberfläche. Ok, Graser dachte ich mir, also Richtung Fisch gepaddelt und immer wieder Schnur aufgekurbelt, als ich dann am Fisch war, dachte ich zumindest, lief die Schnur durchs Kraut, als Schnur raus operiert und  weiter ging es, als ich dann das erste Mal den Fisch zu sehen bekam, schossen meine Mundwinkel Richtung Himmel, da hängt was weißes am Band und ich meine nicht den Boilie am Haar sondern das Fischchen was da am Haken zappelt, ein schneeweißer Koi, Wahnsinn, ich hab mich gefreut wie Sau. Am Ufer angekommen gleich mal dem Otto geschrien „komm mal her, schau mal was ich da feines mitgebracht habe“. O-Ton Otto: mit den Kois läufts Dir scho immer nei, Mega. Wir wussten nicht das es in diesem See Koi´s gibt, deshalb war die Freude noch größer als sonst eh schon.
 
Kurz paar Fotos gemacht und schnell wieder zurück ins nasse Element mit der weißen Perle. Es lief schon ganz gut für uns, das einzige was uns noch fehlte war der oder die Dicke, ansonsten konnten wir uns echt nicht beschweren, gutes Wetter, gutes Essen die Fische hatten auch Hunger, einwandfrei.
 
 
Wir konnten rund um die Uhr Fische fangen, die Bisse kamen zu jeder Tages und Nachtzeit, wenn mal 3-4 Stunden keine Rute ablief war es schon lang. Als dann mal wieder eine von Otto´s Ruten abpfiff setzte ich mich ans Ufer und schaute zu was der Hörold da so treibt, allerdings war das nicht so viel, kaum halbwegs überm Fisch war dieser auch schon wieder ausgestiegen. Als er zurück paddelte hörte ich nur „scheiß Muscheln, Schnur ab“. Nicht schön, passiert leider ab und an. Dann mal Rute neu montieren und noch ein paar extra Meter mehr Schlagschnur als beim letzten Versuch und wieder an gleicher Stelle abgelegt. Die Montage war nicht lang im Wasser und schon wieder genau die gleiche Rute meldete sich durch einen Dauerton zu Wort. Also das ganze nochmal von vorne. Irgendwann dachte ich mir wo bleibt denn der Kerl, also schaute ich mal nach dem Rechten, da sich ich ihn überm Boot gelehnt rumfuchteln, die Rute ragte hinten übers Boot, was macht der denn schon wieder dachte ich mir, sieht nach Hänger aus. Irgendwann kam er dann mal wieder inklusive gefülltem Kescher.
 
Der Fisch der eben noch durch Schnurbruch verloren ging schwamm durch die neu ausgelegte Montage und die verhedderte sich darin, er konnte das Ende der Schnur noch erwischen und drillte den Fisch per Hand aus, Glück im Unglück.
 
Es wurde so langsam dämmrig und so wurde es auch für uns Zeit ans Abendessen zu denken, Spaghetti mit Gambas und ordentlich Knoblauch stand auf der heutigen Karte, dazu eine Flasche Wein, so lässt sich´s leben.
 
Nachts bekam ich dann einen Biss auf die lange Rute die an einer Kante an einem Plateu in 2m lag, rein ins Boot und erst mal gepaddelt wie ein irrer um schnell über den Fisch zu kommen, als ich dann anfing Druck auf den Fisch aus zu üben merkte ich dieses reiben in der Schnur, oh wie ich es hasse. Ich machte meine Kopflampe an und dachte mir das kann nicht wahr sein, mitten in einem 50Ha See ein 3-4 Meter langer Ast. Alles zerren und ziehen und verändern des Winkels half nichts, also mitten in der Nacht über den ganzen See geschrien, irgendwann hat es dann auch der Otto gehört und kam zur Hilfe. Mit einem von uns selber gebastelten „Schnurretter“  bekamen wir den Ast dann aus dem Wasser, die Schnur raus operiert und 10 Minuten später konnte ich einen knapp 16kg schweren Spiegler wie das wiegen später herausstellte, keschern. Der Ast wurde wohl schon mehreren zum Verhängnis, denn er war gespickt von anderen Schnüren und Montagen. Damit das nicht mehr passiert wurde er fachgerecht zerkleinert und am Ufer entsorgt, der sollte keinem mehr in die Quere kommen.
 
 
Morgens gab es dann erst mal ein ordentliches Frühstück und die letzten 24 Stunden angeln wurden eingeläutet. Wir entschieden uns nochmals neue Plätze zu suchen um doch noch vielleicht den gewünschten Biggie auf die Matte zu bekommen.
 
Tagsüber konnten wir noch ein paar Fische zum Landgang überreden, darunter ein ordentliches Schuppibrett der gekämpft hat als gäbe es kein morgen mehr.
 
 
Es brach die letzte Nacht herein.
 
Irgendwann bin ich dann von einem bekannten Geräusch, nein leider nicht der kreischende Bissanzeiger, sondern vom plätschern des Regens auf meinem Schirm aufgewacht. Wie ich es hasse, die ganze Woche Sonne und kurz vor dem einpacken fängt es an zu regnen. Den Fischen gefiel dies anscheinend auch nicht sonderlich, denn bis morgens um 8 Uhr konnten wir keinen Biss mehr verbuchen. 1-2 Stunden wollten wir noch fischen und dann so langsam mit dem einpacken anfangen. Kurz nach dem wir unseren Kaffee getrunken hatten meldete sich doch noch einer der Bissanzeiger.

Otto schrie schon komm komm, ich dann jaja, erst mal Regenklamotte drüber, pisst wie sau. Schön wenn man dann mitten im Regen vom Fisch über den halben Tümpel gezogen wird und er wollte einfach nicht aufgeben. Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit bis mein gegenüber sich an der Oberfläche zeigte, der sieht nicht schlecht aus. Als wir dann am Ufer waren und den Fisch in der Matte liegen sahen wussten wir sofort wer vor uns lag, die Dicke Berta, die Königin des See´s war unser.

Man(n) könnte sagen auf den letzten Drücker konnten wir Sie doch noch zum Landgang überreden. Es war mal wieder seit längerem eine Super Session, die letzten 3-4 Anläufe waren nicht so von Erfolg gekrönt, aber irgendwann ändern sich Zeiten auch mal wieder.
 
Gruß
André Hungbaur

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