Der wahre Wert guten Futters

15.07.2021 16:30 | Teamberichte

Der wahre Wert guten Futters Ehrlich gesagt war mein Angeljahr 2020 nicht wirklich der Knaller!

Es wäre an dieser Stelle sicherlich verkaufsfördernder, wenn ich statt dieser Beichte hier eine Batterie von Vierzigern und Fünfzigern abfeuern würde – kann ich aber nicht. Sorry.
Stattdessen bleibe ich, wie ihr es von uns gewohnt seid, bei meinen Leisten und möchte vom wahren Wert richtig guter Boilies erzählen.
Ein paar Zeilen zu den von mir befischten Gewässern seien mir zunächst gestattet. Der Kreis zum Futter wird sich später schließen.
Meiner Meinung nach haben die Ausgangsbedingungen, einen unglaublichen Einfluss auf unsere Angelei und die damit verbundenen Gedanken.
Ich befische vor allem Seen mit kleinem Karpfenbestand. Das sind meist keine Verbandsgewässer, die jedes Jahr mit frischem Besatz gespeist werden, sondern solche, die von Fischern privat oder in einer Genossenschaft bewirtschaftet werden.
Seitdem der Karpfen hierzulande an Bedeutung für die Ernährung verloren hat, ist das einzige Argument für regelmäßigen Besatz nur im Angelsport zu suchen.
Viele Fischer haben allerdings das finanzielle Potenzial des Angelkartenverkaufs bisher nicht erkannt, weshalb oftmals über Jahre (oder Jahrzehnte) hinweg keine Karpfen nachgesetzt werden.
Es erscheint dieser Berufsgruppe schlicht unwirtschaftlich ihr Kapital in neuen Besatz zu investieren, wenn sich der Erlös nicht unmittelbar in gesteigerten Angelkartenverkäufen niederschlägt.
Das Resultat sind Gewässer mit einer Bestandsstruktur, die bei vielen die Nackenhaare aufstellen lässt. Meist liegt der Zeitpunkt der letzten Besatzmaßnahme mehr als 10 Jahre in der Vergangenheit, die Bestände sind alt und ausgedünnt, sodass in vielen Seen auf 100 Hektar Wasserfläche zwischen 20 und 70 Karpfen leben. Doch für mich liegt genau hier der Reiz.

Wenige alte Fische, die sich irgendwo in den Wassermassen vor mir verstecken, die gesucht, überzeugt und schließlich an den Haken gebracht werden wollen. Jeder Run, jede einzelne, nasse Keschermasche ist ein Relikt des Triumphs.
Die Schattenseite ist offensichtlich – überschaubare Fangerfolge. Und nun kann ich auch den Bogen zum Anfang dieses Beitrags spannen. Was zur Hölle hat gutes Futter mit ausbleibenden Fangerfolgen zu tun?
Ich habe im letzten Jahr fast 80 Nächte am Wasser beim Angeln verbracht. Mehr als die Hälfte der Tage wachte ich morgens nach einer durchschlafenen Nacht auf.
Blanken ist längst kein Grund zum Verzweifeln mehr für mich. Dennoch laufen mit jedem Blank die selben Routinen in meinem Kopf ab und so ist mein erster Gedanke häufig: „Woran hat et jelegen?“
Eine der schwersten Frage überhaupt. Schließlich können so viele Faktoren entscheidend für Erfolg und Misserfolg sein.
Spotwahl, Luftdruck, Windrichtung, Montage, Futter, Unruhe oder andere Angler am See bilden eine Gleichung, auf deren Ergebnisseite am Ende der Karpfen stehen soll.
Die Theorien, die sich spinnen ließen, um meinen erneuten Misserfolg zu erklären, könnten ganze Bücher füllen. Nur wem würden sie nützen? Entscheidend ist der Erfolg und nicht die Erklärung für eine weitere Blanknacht.
Und so suche ich weiter nach der Erfolgsformel, bis ich sie gefunden habe. Dieses Gedankenkarussell kann anstrengend sein, ist aber ein wichtiger Bestandteil des Spiels.

Je härter die Aufgabe, desto süßer der spätere Erfolg. Entscheidend ist allerdings, sich den Weg zum Erfolg nicht unnötig schwer zu machen – die Aufgabe, die mir die Natur stellt, ist oftmals schwierig genug.
Und genau da liegt er, der Wert guten Futters. Ich kann mir sicher sein, dass ich Futter der Premiumklasse in meinen Eimern habe, wenn ich auf dem Weg ans Wasser bin.
Die Fische werden es definitiv aufnehmen, sobald es von mir am richtigen Spot präsentiert wird. Vertrauen gibt mir den notwendigen Raum für die wichtigen Gedanken, um die Herausforderungen immer wieder zu meistern.
_Ich kann frei von negativen Grübeleien offen über die richtige Spotwahl in Abhängigkeit zum aktuellen Wetter und der Jahreszeit nachdenken.
Hätte ich ständig mit Gedanken über mein Futter zu tun, würden die Kapazitäten an anderer Stelle fehlen – mein Erfolg wird dann unwahrscheinlich.

Gutes Futter ist damit ein wichtiger Schlüssel Blanks hinzunehmen und das Problem an der wahren Wurzel zu packen. Also werde ich auch in Zukunft neue Gewässer aufsuchen und mir meine übliche Packung Backpfeifen abholen.
Welche Gewässer das sein werden, weiß ich derzeit noch nicht. Aber zwei Dinge weiß ich genau: Am Ende werde ich die Juwelen aufspüren und sie überlisten.
Was sich in meinen Futtereimern befindet, wenn ich wieder auf der Jagd bin, sollte jedem Leser an dieser Stelle klar geworden sein.

Auf ein spannendes Angeljahr 2021!