Das erste Mal

12.01.2009 07:58 | Teamberichte

 

Ostern stand vor der Tür und endlich … endlich war der Gründonnerstag gekommen, der die vier ersten Nächte des Jahres auf Karpfenjagd einleiten sollte.


Fischen wollte ich mit meinem alten Angelfreund Markus, seiner reizenden Freundin Milla sowie, last but not least und als Premiere, meiner frisch zugelegten „Peeerle“, so wie es der nachbarschaftlich siedelnde Ruhrpott-Carp-Hunter ausdrücken würde. Da ich aber Rheinländer bin, nenne ich sie mein „Süß-Müüsje“, oder einfach nur Sa-„Bine“.


Das Gewässer der Wahl war ein kleiner, niederrheinischer Baggersee. Ein typischer Vertreter seiner Art, mit großen Tiefenunterschieden und dementsprechend strukturreich. Uferholz in Form von langwurzeligen Weiden prägt den größten Teil der unsteten Uferlinie, die unter Wasser durch kleine, aber häufige Kiessporne im Wechsel mit schlammigen Buchten ihre Fortsetzung findet. An einigen Stellen haben sich flache, sandig-kiesige Bänke größeren Ausmaßes gebildet, die von einem meist etwas tiefergelegenen, seeseitigen Krautgürtel begrenzt sind.


Dieser typische Baggersee beherbergt reichlich Muscheln, Krebse, Würmer und Flohkrebse, welche einen mäßig dichten Fischbestand mit durchschnittlichen bis guten Gewichten ernähren.


Wie sich aus der Auflistung der Teilnehmer schließen lässt, war diese Session ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da es meine Bine vom Lustpotenzial eines mehrtägigen Angeltrips auf Karpfen zu überzeugen galt. Für ein optimales Ergebnis bedurfte es netter und gesprächsbereiter Begleitung, gerne gleichen Geschlechts, guten Wetters, einer idyllischen Location, optimaler Kost und Logis sowie, last but not least, schöner Fische.

Insbesondere um Letzteres drehten sich, etwa 10 Tage vor dem heiss ersehnten Ereignis, die nervösen Gedanken der männlichen Teilnehmer. Dreh- und Angelpunkt war der Futterplan. Aufgrund des kalten März war das Wasser bei der ersten Futteraktion, 9 Tage vor Beginn der Session, noch ziemlich kalt. Da wir kein Thermometer dabei hatten, schätzten wir die Wassertemperatur auf 8-10 Grad.
Gefüttert werden sollten sechs Stellen an 6 Tagen innerhalb der nächsten eineinhalb Wochen. Um die Fische auf den Geschmack zu bringen, ohne sie zu sättigen, entschieden wir uns für eine eher sparsame Fütterung an den ersten Tagen. Die Menge wurde von anfangs etwa 500 g Boilies pro spot, die wir teilweise zerdrückten und kombiniert mit ein/zwei Kellen 2 mm Pellets fütterten, auf etwa 1 – 1,5 kg Pellets und Boilies an den letzten Tagen gesteigert, womit wir strategisch der langsam ansteigenden Wassertemperatur folgten.
Zudem hatten wir erfahren, dass ein paar Kollegen schon seit längerem dabei waren, ihre spots unweit unserer Stellen für ihre Oster-Session aufzubauen. Somit war Vorsicht geboten, um die noch kalten Tiere nicht zu übersättigen.
Gefüttert und gefischt habe ich mit zwei Sorten Boilies von Selfmade-Baits (Active-Liver-Spice und Natural X). Boilies, die ich bisher nur vom Hörensagen kannte, und nun als frisches Team-Mitglied bei Selfmade-Baits zum ersten Mal ernsthaft ausrobieren konnte. Hoffentlich halten sie, was ihr Ruf verspricht!! Markus hingegen hatte seine altbewährten Scopex-Knödel privater Herstellung im Einsatz

Nach ein bis zwei Karpfenfieberschüben ein paar Abende vorher („Guten Tag, mein Name ist Karpfen … “) - eine Erscheinung, die mit dem Alter seltener bei mir wird, aber gerade nach langen Winterpausen umso heftiger wieder auftaucht, war der Gründonnerstag gekommen, an welchem ich nun - nach Klärung der Rahmenbedingungen - mit dem Berichten anknüpfen möchte.

Seinem Namen entsprechend präsentierte sich dieser Tag mit sonnenbeschienenen, in zart-grün sprießenden Weiden an den Ufern des Sees, als ich am frühen Nachmittag in Wathose zum Ufer hinab trabte. Das Pioneer, sowie ein recht wackliges, kleines Beiboot, sollten für die Beladung vorbereitet werden. Unnötig hektisch bis zur Atemlosigkeit („ahh, jetzt erst’ma ‚ne Kippe“) schleppte ich meinen 4 Tage-Plunder für zwei Personen aus dem Auto ans Ufer, und sattelte damit die Boote auf. Nach ca. 250 m schaufelraddampfschiffähnlichem Rudern erreichte ich den von Weiden umrahmten und der strahlenden Nachmittags-Sonne ausgesetzten Platz. Das kleine Paradies für die nächsten 4 Tage, abseits von Bildschirm und Bürokalender. Wie oft waren die Gedanken hier in den letzten Tagen …

Erste Maßnahme nach der Landung: alles aus dem Boot schmeißen. Dann der Griff zum Rod-Pod. 20 Minuten später waren die vormontierten Ruten bereit, und bald ruderte ich mit einer der beiden Ruten in Richtung der ersten, etwa 200 m entfernte Stelle an der gegenüberliegenden Uferseite. Dort angekommen, ging mein erster Blick auf den Grund des in etwa 3 Meter Tiefe liegenden Spots. Der Boden war sichtlich aufgelöst, die Algen von den Kiesen entfernt, und es war offensichtlich, dass hier Etwas mit Flossen kürzlich Mahlzeit gehalten hatte. Zwei Handvoll Natural-X, überwiegend halbiert, begleiteten meine mit einem 200 g Flat Pear beschwerte Safety-Montage zum Grund. Zudem ein paar kleine Kellen 8 mm Pellets, um den Fischen den Respekt zu bezeugen. Alles lag wie gewünscht an der Stelle des Vertrauens - auf Sicht ablegen hat doch etwas beruhigendes! Als nächstes gab es die flache Nummer. Nicht ganz 30 Meter rechts vom ersten Futterplatz entfernt lag der nächste spot. Zusammen mit zwei Händen halber und ganzer Boilies bettete ich den Liver-Spice Boilie in 2 Meter Tiefe auf einen dünnen Teppich aus 2 mm Amino-Pellets. Die dritte Rute landete auf der eigenen Uferseite, etwas abseits vom Camp, am Rande eines Hanges, der relativ steil zum 12 Meter tiefen Wasser des offenen Sees hinabführt. Diese Montage lag auf etwa 5 Meter Tiefe zusammen mit einigen Active-Scopex-Boilies, welche ich vor einigen Wochen als Willkommensgeschenk im Team von Selfmade-Baits erhalten hatte. Markus sollte später ebenfalls eine dritte Rute auf der eigenen Uferseite ablegen, und zwar auf einer weiten, sehr flachen Sandbank, die nun, kurz vor Ostern, stetig mit warmem Wind überweht wurde. Was er dann auch tat, als er etwa 3 Stunden nach mir das Wasser erreichte.

Irgendwann stand das komplette Camp, und der gemütliche Teil des Abends konnte beginnen.

Am frühen Abend die erste Reaktion auf meiner mittleren Rute. Ein fetter 8 Pfund Brassen konnte es nicht lassen, und löste sein Ticket für eine ungewohnt schnelle See-Querung. Vorsichtig vom Haken gelöst, suchte er bald das Weite. Meine Oma hatte ich natürlich angerufen, und gefragt, ob sie aus den Brassen Bulleten machen möchte. Ein kommentarloses Wiederauflegen vereitelte die sinnvolle Verwertung, worauf der Fisch sein Leben behielt. 22 Uhr, endlich wieder Aktivität auf den Rod Pods. Markus bekommt einen mäßig enthusiastischen Lauf auf seine linke Rute, welche bereits seit einigen Stunden ca. 15 m neben einer Blocksteinhalde liegt - einer produktiven, aber auch intensiv beangelten Stelle, die Markus lieber meiden wollte. Nach kurzem Drill: der erste 2009er Karpfen, den Markus fängt - und ich zu Gesicht kriege. 12 Pfund bringt er auf die Waage.
Nach einem letzten Gute-Nacht-Talk geht es dann ins Zelt, wo Bine mich mit leisem Gefluche erwartet. „Ja, ja, bloß nicht den Schwerpunkt hinter den Verstell-Knauf der Liege setzen …“. Nach Rettung aus chaotischer Situation und nochmaliger Erklärung physikalischer Gesetzmäßigkeiten, liegen wir lesend in unseren Schlafsäcken.
Normalerweise kenne ich keinen besseren Schlafplatz als meine Liege, meinen Schlafsack und mein Zelt. Lediglich wühlende Wildschweine oder kreischende Bissanzeiger können mich vom Tiefschlaf abhalten.

Nur diese Nacht konnte ich NICHT schlafen, weil die Delkims schwiegen. Die Gedanken kreisten um das „wie und warum“ dieser Stille auf den Futterplätzen, um mögliche Fehlerquellen im bisherigen Vorgehen, und bange Vermutungen, ob’s nicht doch zuviel des Guten war mit der Fütterei. Ist starker Temperaturwechsel in kurzer Zeit nicht ein negativer Faktor, egal in welche Richtung er geht??2 Uhr in der Nacht: piep, piiieep, pieep. Wie von der Tarantel gestochen stürze ich aus dem Zelt auf die Rute meines rechten spots. Rute hoch – Widerstand! Nach einigen Minuten steht Markus, treuer Helfer in der Nacht, neben mir und bringt den Kescher in Stellung. Ein 20 Pfund Spiegel zeigte sich erkenntlich für das gute Futter und gleitet über den Kescher. Froh um den ersten Karpfen des Jahres, lege ich ihn auf die Matte.
“Oooch, der Aaarme …“ höre ich aus dem Munde meiner frisch aus dem Zelt geschlüpften Freundin. Tja, was will man dazu sagen? Nein, der freut sich? Der hat das morgen wieder vergessen? Es ist für ihn von Vorteil, gutes Futter zu bekommen, gut abzuwachsen und möglichst viele Eier zu laichen (die dann doch nicht schlüpfen …)? Sofern man ihn wieder einsetzt, und nicht die Oma … Sorgsame Behandlung in Form der Befreiung von Fischegeln sowie gründliches Nasshalten, belassen es bei Mitleid, ohne dass daraus Empörung wird. Der gutgelaunte Freund und die allgemein gehobene Stimmung im Camp lassen Bine die Skepsis bald ad acta, und sich selbst in den Schlafsack legen.

Eilig rudernd bringe ich kurz darauf die Rute wieder in Stellung.
Ach, was ich diese Situationen liebe. Träume kalter Wintertage. Ich höre das leise Gurgeln kleiner Strudel, welche die Ruder im Wasser hinterlassen, und die in einer verblassenden Kette meiner kleinen Nuss-Schale folgen, sowie das Knarren der Ruderdollen. Hinter mir der im Dunkeln liegende Rand des Steilufers, welcher meinen Futterplatz ins Finstere taucht. Vor und über mir der Sternenhimmel. Und dann diese Ruhe…
Ein paar Brassen später (irgendwann habe ich die Pellets einfach weggelassen), etwa gegen 6:30 Uhr in der Früh, ein paar Pieper auf meiner mittleren Rute, die mit ein-einhalb Active-Liver-Spice bestückt ist. Sofort nach dem Anhieb merke ich, dass es zumindest ein Karpfen ist. Was nach den Brassen der Nacht erfreulich ist. Kurz kann ich ihn ranpumpen, als ich merke, dass mein Gegenüber konsequent den Vorwärtsgang einlegt.
Ich springe in unser Beiboot, welches an meiner Stelle liegt, da das große Boot mit seinem E-Motor eine Bucht weiter geparkt ist. Mit diesem Boot, oder sagen wir dieser wackeligen Plastikschale, ziehe ich mich auf den Fisch zu, der inzwischen gestoppt hat, aber ansonsten keine Anstalten macht, mir die wackelige Angelegenheit auf der Nuss-Schale zu verkürzen. Mehr aus Sicherheitsgründen denn aus Respekt, lasse ich mich auf die Knie fallen und drille mich an den Fisch.
Bis ich in die Nähe des Fisches angelangt bin, hatte nur ICH die Koordinaten gewechselt. Langsam bekomme ich den Fisch ein paar Etagen höher, als er Anlauf nimmt, und mich auf die Reise nimmt - in Richtung der über den halben See gespannten Rutenschnüre meines Kollegen Markus.
Pieep, pieeeeep, schallt es plötzlich vom Ufer herüber. Neeeiin, alles, nur das nicht! Denn langsam dämmert es mir, dass dieser Fisch alles andere als durchschnittlich ist. Immer wieder lenke ich das Boot so, dass ich den Fisch auf derjenigen Seite des Bootes habe, an welcher das Keschernetz häng. Inzwischen war es hell geworden, und der See gut zu überblicken. Während ich angestrengt versuche herauszufinden, in welche der Rutenschnüre mein Fisch sich nun verwickelt hat, sehe ich aus den Augenwinkeln Markus auf sein Rod-Pod zulstürzen. Ich erkenne, dass es seine rechte, von mir entfernteste Rute ist, die Alarm schlägt. Markus nimmt das Match an und steht bald darauf mit krummer Rute am Ufer, während ich mich beruhigt meinem Gegenüber unter dem Boot zuwende, welcher seine Bahnen zwar enger, aber immer noch in undurchschaubarer Tiefe zieht.
Trotz des Drillens wenden sich meine Sinne einen Augenblick lang der Umgebung zu. Ich spüre diesen kühlen Frühlingsmorgen, leicht dunstig, aber mit hell-blauem Himmel. Den sanften Luftzug, der über den See streicht, und dessen kleine Wellen an feine Reptilienhaut erinnern. Es gibt nur das hier und das jetzt, Zufriedenheit, Eins-Sein mit sich und der im Vogelgezwitscher erwachenden Natur.
Nach etwa 15 Minuten ewig lang erscheinendem Hin- und Her sehe ich den Fisch das erste Mal deutlich an der Oberfläche. Sieht gut aus, verdammt gut sogar … Kurz danach kann ich ihn keschern, klemme mir den Kescherstiel unter den Allerwertesten und rudere, gebremst durch einen mindestens 30 Pfund schweren Driftsack, dem Camp entgegen.
Als ich am Ufer den Kescherkopf löse und den Fisch nahe vor den Augen habe, schaue ich ihn mir zum ersten Mal genauer an. Junge, junge, wenn der mal nicht ….
Als ich ihn aber raushebe, ist mein erster Gedanke bei den Bandscheiben. Ich lege ihn auf die Matte, und verliere anschließend fast die Fassung über die Masse des Fisches.
21 kg zeigt kurz darauf die Waage! Seerekord! Bine, Bineeee, …. aha, sie lugt schon neugierig aus dem Zelt und bekommt die ganze Aufregung hautnah mit.
Markus nähert sich, mit seinem Kescher im Schlepptau, dem Ufer. „Eyy, eyyyy, über 40!!“, „Eeeecht??“, „jahhaaa!"

Nachdem Markus seinen 18er und ich meinen kapitalen Fang versorgt hatten, konnte der Tag mit einem kräftigen Kaffee beginnen. Was er dann auch tat mit bezauberndem Sonnenschein und klarer, noch kühler Luft. Auch die Kollegen waren inzwischen angereist, und begannen ihr Camp herzurichten.
Das einzige, was aber nicht beginnen wollte war die erhoffte Beisszeit.
Ums kurz zu sagen, den ganzen Tag über tat sich nichts – was aber der Laune keinen Abbruch tat. Immerhin waren die Ehrenfische gefangen - und ich hatte mich eh’ nicht zu beklagen. Der Tag wurde, ganz im Sinne meiner Angebeteten, mit entspannendem Herumgehänge (und –geliege im Bikini), dem Aufbrühen diverser Kaffees, einem leckeren Essen am Abend und netten Unterhaltungen zur Nacht gebracht.
Es sollte bis zum nächsten Morgen um 5 Uhr dauern, bis wieder hektische Bewegung ins Camp kam, indem Markus einen wunderschönen 30er Spiegler Auf die Matte legte.

Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen (man bedenke die Zuschauer), und kescherte keine 2 Stunden später einen fetten 29er Schuppi, der ebenfalls an Markus’ Rute auf einen Scopex Boilie biss.

Da Markus und ich nun schon seit 12 Jahren gemeinsam fischen, haben wir uns vor Jahren entschlossen, beim Fischen das sogenannte „Hand Over“ zu praktizieren. Der erste Fisch wird vom jeweiligen Ruteneigentümer gedrillt, danach geht’s abwechselnd weiter. Eine verbindende Herangehensweise - wie ich finde.

Nun hatten wir schon fünf, teils sehr ansehnliche Fische der Art Cyprinus Carpio auf der Habenseite, und wir konnten wirklich zufrieden sein. Brassen gab’s natürlich auch noch einige, insbesondere bei unseren Kollegen am anderen Ufer.

Wir hatten nach allen Fängen nur sehr bescheiden nachgefüttert. Jeweils eine Handvoll Boilies, und nicht mehr halbiert, um es den Brassen nicht einfacher zu machen als nötig. Tagsüber ließ sich gut beobachten, dass die Futterstellen nicht angelaufen wurden. Soweit ersichtlich im flachen Wasser, lagen die Baits über lange Stunden unangetastet auf dem Grund. An den Ködern kann es nicht gelegen haben, denn auch das Kollegen-Team hatte keine Aktionen auf seinen angefütterten Plätzen.

Wieder sonnen, essen, rumliegen, lesen, Wasser beobachten und viel Spaß bei lustigen und tragischen Erzählungen aus dem langen Anglerleben. Wir hatten uns inzwischen damit abgefunden, dass tags wohl nichts ging, und aus unersichtlichen Gründen nur nachts gefressen wurde – so dachten wir …

Vor dem Hintergrund eines wirklich bezaubernden Sonnenunterganges bereiteten wir uns ein gutes Mahl mit Grillfleisch, um anschließend andächtig dem Abend-Gott zu huldigen.

Nach langem Warten und enttäuschend ruhiger Nacht, holte ein Aussteiger morgens gegen 6 Uhr Markus von der Liege. O.K., der letzte, volle Tag war angebrochen. Jetzt hieß es, den Endspurt anzutreten. Also, was war los unter Wasser? Denn auch die Kollegen hatten letzte Nacht lediglich mit ein oder zwei gefräßigen Brassen schleimigen Kontakt gehabt. Mittlerweile hatten wir die Karpfen in der westlichen, weiter entfernten Bucht beim Rollen ausgemacht. Dort lümmelte sich ein größerer Schwarm Fische an der Oberfläche herum, wie sich bei einer Kurzexpedition mit dem Boot herausstellte.

Ob sie von da aus des nachts losziehen auf die Futtertour? Das hätte ein Grund sein können, warum die der besagten Bucht am nächsten liegende Rute bisher den meisten Erfolg gebracht hatte. Ob sie nach dem ersten Lauf auf dieser Rute einfach kehrt machen, und die dahinter liegenden Futterstellen meiden? Sollten sie nicht hungrig genug sein, um sich auf gefährliche Pfade zu wagen? Ich denke, wir alle wissen, dass Karpfen es mit der Zeit lernen, bestimmte Örtlichkeiten mit zusätzlicher Gefahr zu assoziieren. Und dass es vom Drang oder der Notwendigkeit zu fressen abhängt, wie unbefangen ein Karpfen sich einem Futterplatz nähert, von dem er vielleicht schon einmal unfreiwillig weggezogen wurde.

Aufgrund dieser Gedanken ergab es sich gegen Mittag, dass Markus eine Rute am Rande dieser Bucht, weg von den alten Futterplätzen, und in 350 Meter Entfernung unter eine Weide in etwa 3-4 Meter Wassertiefe ablegte, und wenige Boilies dazu fütterte. Keine halbe Stunde später Reaktion an der Elektronik. Kurz darauf stehen wir beide auf dem Boot, während Markus die Rute hält, und ich mit dem E-Motor langsam aus dem Gefahrenbereich der Rutenschnüre hinaussteuere. Nach spannendem, aber unkompliziertem Drill bugsiert Markus einen 31 pfündigen Spiegler in das Keschernetz. Jawoll! Nach der üblichen Prozedur, und während Markus seine Rute wieder ausbringt (E-Motor sei Dank, ging das recht schnell), bestücke ich sofort zwei meiner Ruten mit Natural-X, schwinge mich mit frischem Elan und einer der Ruten in das Pioneer, und fliege, wie einst Käpt’n Ahab, den Verheißungen in der westlichen Bucht entgegen. Als ich dort ankomme, ist alles klar: hier wimmelt es tatsächlich von Fischen, auch im Uferbereich. Ein kleiner Kiesrücken, der mir in alten Zeiten guten Fisch gebracht hatte, den ich aber aufgrund der schwierigen Aufbaumöglichkeiten in der letzten Zeit ignoriert hatte, war Ziel meiner Montage.

Gerade zurück am Ufer angekommen, klingelt es schon wieder bei Markus. Da ich dran bin, übernehme ich sofort die Rute. Bei warmem Sonnenschein und mit freiem Oberkörper stehe ich kurz darauf im Boot, und drille einen tapferen 18 pfündigen Spiegler. Herrlich!

„Markus, Maaarkus …“ schallt es aus dem Camp herüber. Wir drehen uns um, und sehen, wie Milla meine eben erst abgelegte Rute in der Hand hält und kurbelt, was das Zeug hält. Mit solchen Situationen vertraut, und dank ihrer aus Solidarität mit Markus abgelegten Fischerprüfung, meistert sie souverän die Situation, während wir ungeduldig, weil batteriesparend, mit Fisch im Kescher dem Ufer zuschweben. Ein schöner 27er hatte arglos den Köder genommen, und wehrt sich nun heftig unter dem Boot, welches von Markus und Milla gemeinsam, aber mühsam unter Kontrolle gehalten wird. Der Fisch hatte zuvor zwei links liegende Ruten gekreuzt, was zu wackeliger Anspannung auf dem Boot führt, bis Milla den Fisch über den Kescher ziehen kann. Das erfolgreiche Gelingen dieses Doppeldrills wird entsprechend fotografisch festgehalten.

Bine hatte sich inzwischen an den markanten Wechsel von Spannung und Entspannung gewöhnt, und die Session sichtlich genossen. Sonntagmittag aber konnte sie nicht umhin, das Paradies zu verlassen, um sich mit ihren Eltern zum verabredeten Osteressen zu treffen. Au revoir, chérie, bis bald …, Du wirst sie hoffentlich nicht bereut haben, die kalten Nächte, die zusammenklappende Liege, den morgens um 5 Uhr klingelnden Wecker, den ich mir zum Ruten neu rausfahren gestellt hatte, und welcher Dich wach machte, damit Du den Rest des Morgens meinem Schnarchen lauschen konntest.

Somit verpasste sie leider dieses Musterbeispiel anglerisch-taktischen Vorgehens, der uns innerhalb von zweieinhalb Stunden vier Fische an den neuen Stellen einbrachte, denn gegen 15 Uhr hatte ich die Ehre einen wunderschönen, langgestreckten, wildformähnlichen Schuppi auf die Matte zu legen.

Danach fuhr ich nach Hause zum duschen und zum Bier kaufen, während sich in der Bucht erst mal nichts mehr tat. Gegen 23 Uhr dann doch noch der Abschluss: Markus war dran, hatte sich aber irgendwo auf dem Weg zwischen Liege und Rute verheddert, so dass ich den Fisch annahm. Das Boot steuerte Markus so lange, bis wir über dem Fisch angelangt waren, und ich übergab ihm meine Rute, um den 23er kurz danach für Markus zu keschern. So hatte jeder den Fisch zur Hälfte gedrillt, und es war ein wirklich gemeinsamer Fisch, den wir in fast sprachloser Zusammenarbeit und eingespielter Routine aus dem See holten.
Wie heisst es bei uns im Rheinland: „Best fründe stonn zesamme“.

Ein passender Abschluss für diese wunderschöne Ostersession – mit den „Süßmüüsjes“ und unter guten Freunden. Beide Premieren, die mit der neuen Freundin an meiner Seite, und die mit den unbekannten Ködern, waren erfolgreich verlaufen – was will man(n) mehr?

Gruss euer Anton vom Team Selfmade-Baits

 

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