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27.11.2017 14:38 | Kundenberichte

 

Die letzte Mausbewegung, der letzte Klick, ein letztes Mal die E-Mails checken und endlich erscheint die ersehnte Meldung auf dem Bildschirm „Windows wird heruntergefahren“.

 

Endlich Feierabend, endlich Wochenende!

Was war das wieder für eine lange und hektische Arbeitswoche!? Unzählige Telefonate, die ein oder anderen Diskussionen mit den Arbeitskollegen, aber letztendlich wieder zufriedene Kunden.
Nach so einer ereignisreichen Woche ohne Durchatmen, weiß ich manchmal gar nicht mehr wo mir der Kopf steht.

Doch wer jetzt denkt ich lege meine Füße hoch und verbringe die Zeit auf der Couch, der kennt mich schlecht. Ich gehe raus ans Wasser!

Das Auto ist bereits gepackt, die Boilies entsprechend präpariert.
Der Anzug fliegt in den Kleiderschrank, ich schlüpfe in meinen bequemen Kapuzenpullover, rein in die Sneakers, und los geht’s!

Die Boilies entsprechend präpariert.

Die ganze Woche ist bei mir immer komplett verplant. Ein Termin jagt den nächsten und selbst im verdienten Feierabend beschäftigt mich das ein oder andere Thema meines Jobs. Zielstrebigkeit und Neugier treiben mich voran, ein Problem solange zu analysieren, bis ich zu einer zufriedenstellenden Lösung gekommen bin.
Dabei vergehen oft einige Stunden, ohne dass ich es selbst merke.

Bei einem Thema jedoch, weiß ich sofort wie ich vorgehen werde und zwar wenn es um meine nächste Session am Wasser geht.
Bereits nach dem vergangenen Mal am Gewässer, beginne ich mit der Analyse.
Was gut lief bleibt natürlich lange in Erinnerung, man ist stolz darauf und erzählt es umso öfter seinen Liebsten. Jedoch Niederlagen bleiben ewig im Gedächtnis.
Aber gerade aus diesen lernen wir! Diese negativen Erlebnisse gilt es jedes Mal aufs Neue aufzuarbeiten und beim nächsten Mal besser zu machen.

Bereits beim Auspacken und Verstauen meines Tackles beginne ich mit den Vorbereitungen für die nächste Sitzung. Die Rigs werden begutachtet und die Haken nachgeschärft. Stumpfe Haken gibt es bei mir nicht! Selbst wenn ich längere Zeit nicht angeln gehe, ist jeder Haken messerscharf und stets einstichbereit.

Die Rigs werden begutachtet und die Haken nachgeschärft

Der leere Futtereimer, der noch ein paar Boiliekrümel enthält, wird wieder aufgefüllt. In dem Fall vertraue ich auf Amino Fish und Active Scopex+ Boilies. Diese beiden Sorten könnten kaum unterschiedlicher sein. Eine Kombination aus Unscheinbarkeit und geballter Aufmerksamkeit.

Ich verwende gerne verschiedene Sorten, da wie beim Menschen der Geschmack bei unseren Freunden Unterwasser ähnlich unterschiedlich ist. So kann ich gewährleisten, dass ich allen Geschmäckern der Fische mit meinem Futter gerecht werde.

Auf der einen Seite habe ich einen deftigen Boilie auf Fischmehlbasis.

Der große Anteil an Proteinen und das Fischmehl, stellt für den Karpfen einen sehr hohen Nährwert dar und liefert zugleich schnelle Verdaulichkeit.
Der Active Scopex+ hingegen ist komplett anders aufgebaut.

Aus drei guten Gründen hat dieser Boilie eine absolute Stammplatzgarantie in meiner Angelei.

  1. Die Lockwirkung: Aufgrund der hohen Wasserlöslichkeit der enthaltenen Milchproteine, sieht man bereits nach kurzer Zeit im Wasser, wie sich ein weißer, milchiger Schleier um den Köder legt, der sich perfekt im Wasser verteilt und seine Lockstoffe perfekt zur Geltung bringt.
  2. Die Optik: Es gibt wohl kaum einen besseren Kontrastunterschied als einen weißen Boilie auf einem dunklen Untergrund zu platzieren. Der Karpfen ist von Natur aus ein sehr neugieriges Wesen. Selbst ein Fisch der satt ist, wird im seltensten Fall vorbeischwimmen.
  3. Der Geschmack: Der Scopex+ glänzt mit seinem nussig, milchigen und cremigen Flavour. Mehr muss man dazu wohl nicht mehr sagen.

Einfach unwiderstehlich!

Je mehr so eine Woche voran schreitet, desto mehr interessieren mich zwei Fragen: Wann ist es endlich Freitag und wie entwickelt sich der Luftdruck? Der kleine nützliche Helfer im Smartphone gibt mir immer Auskunft wie der Luftdruck momentan ist und wie sich dieser entwickelt. Im Endeffekt haben wir natürlich keinen Einfluss darauf. Schließlich gehe ich angeln, wenn ich Zeit habe.

Aber der Luftdruck gibt uns wertvolle Informationen wie sich die Fische aktuell verhalten und vor allem in welchen Wasserschichten sie sich bewegen.

Natürlich lasse ich das Wetter nicht aus dem Auge. Ich muss dabei aber gestehen, dass ich bei jedem Blick auf das Wetter grinsen muss, wenn ich sehe, dass es regnen wird. Die meisten, die ich kenne fluchen bei so einem Anblick, vor allem wenn das Tackle und ganz besonders man selbst komplett durchnässt ist. Ich bin jedoch der Meinung, es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.

Ich liebe es einfach, wenn man so gut wie der einzige am Wasser ist. Man hat das Gewässer für sich alleine, hat alle Optionen, es herrscht kein Angeldruck und auch wenn es komisch klingt, sobald ich am Wasser bin, erfasst mich das freudig empfundene Gefühl der Einsamkeit. Wer tagtäglich eine Menge Menschen um sich hat, wird es nur zu gut kennen und weiß die Ruhe zu schätzen.

Ich mache den Motor aus, ich bin endlich am Wasser angekommen. Vor mir liegen über 500 Meter Fußmarsch durch einen dichten Wald. Nur ein kleiner unbequemer Pfad führt zu meiner gewählten Angelstelle. Ich muss mich beeilen, da der Oktober schon sehr früh die Nacht einleitet.
Nach mühsamen Gang und mehrmaligen Hin und Her bin ich endlich an der besagten Stelle „heimgekehrt“. Endlich angekommen zu Hause am Wasser!
Mein Blick schweift kurz über das Wasser. Ich bin allein. Eine Genugtuung.

Ich bin allein. Eine Genugtuung.

Die Köderwahl ist schnell getroffen. Auch hier habe ich mir bereits schon Gedanken gemacht. Als Köder dienen zwei Snowmans am IQ D-Rig.
Eine scharfe und zugleich fruchtige Kombination aus Essential Spice und einem Banana Dumbell Pop Up und ein komplett weißer Snowman aus reinem Scopex+ sollen es richten. Bevor das Bivy steht fliegen beide Ruten raus. Schließlich habe ich danach noch genügend Zeit um in aller Ruhe aufzubauen.

Die Dämmerung setzt bereits ein und die Fallen sind gestellt. Die Hänger werden sanft eingehängt ohne die Schnur großartig zu straffen. Da an dieser Spot hier das ganze Jahr kaum geangelt wird, ist es umso wichtiger, dass ich so unauffällig wie möglich am Ufer sowie auch unter Wasser bin. Gestrafte Schnüre wären hier absolut tödlich. Abgesenkte Schnüre und leichte Bobbins sind für mich daher von großer Bedeutung.

Es ist bereits dunkel geworden. Das Bivy steht und der Regen hat eingesetzt. Ich kauere hier in einer kleinen Schilfschneise und halte kurz bei einer Tasse Tee inne.
Jede Woche arbeiten wir hart. Geben alles und gehen an unsere Grenzen. Der Alltag verlangt uns alles ab. Egal ob auf der Arbeit oder privat. Umso wichtiger ist es einfach rauszukommen. Einfach „offline“ gehen!
Sämtliche Technik hat bei mir keinen Platz am Wasser. Außer meine kleine Nikon, meine treue Begleiterin.

Ich bin in Gedanken, meine Blicken verfolgen die Wellen, die durch den starken Wind entfacht werden. Ich erwische mich jedes Mal, wie ich stundenlang auf das Wasser schaue, ohne dass das Spiel der Wellen seinen Reiz verliert. Zu fasziniert bin ich von dieser Natur.

Gewichte spielen für mich daher keine Rolle! Viel zu sehr freue ich mich über jeden Fisch und bin einfach dankbar für jeden einzelnen Moment in der Natur.
Ich bin der Meinung, ein guter Angler wird nur langfristig erfolgreich und glücklich seiner Leidenschaft nachgehen, der die Natur zu schätzen und sie zu respektieren weiß.

Ein komplett weißer Snowman aus reinem Scopex+.

Nach einer weiteren Tasse, mache ich es mir in meiner kleinen Behausung bei Kerzenschein und meinem guten Buch gemütlich. Der Wind hat deutlich an Kraft gewonnen und ich bin froh, dass ich es warm und bequem habe. Die Woche steckt noch deutlich in meinem Kopf und ich habe kaum eine Chance meine Augen offen zu halten. Das sanfte Prasseln des Regens lässt mich komplett fallen und letztendlich einschlafen...

Nach ein paar Stunden werde ich unsanft geweckt und zucke noch im selben Moment zusammen. Ein lautes Krachen hallt durch die Dunkelheit. Ein wahrer Sturm beherrscht die Nacht und hat wohl seine ersten Opfer gefunden. Nicht weit weg von meinem Standort hat es eine große Buche erwischt. Quer liegt sie über dem kleinen Pfad, den ich vorher noch passiert habe. Der Schock sitzt tief. Einen Moment kann ich nicht glauben, was grade geschehen ist. In Gedanken überlege ich, wie ich am besten handeln soll. Abbrechen und durch den finsteren Wald bei Sturm und Regen oder bleiben? Ich entscheide mich Ruhe zu bewahren und auszuharren. Herbst ist eben Männerwetter.

Dennoch etwas nachdenklich laufe zurück zu meinem kleinen Camp und nehme im lauten Rauschen der Bäume nur schemenhaft ein Geräusch war. Von weitem sehe ich wie eine grüne LED meinen Platz erleuchtet. Mein Delkim! Er scheint regelrecht zu schreien. Völlig außer Atem nehme ich die Rute auf. Nach kurzem Kampf ist der Fisch im Netz. Es ist kein Riese aber eine wahre Perle! Ein Spiegelkarpfen wie man ihn nicht malen könnte. Verwachsene Schuppen auf dem Rücken und winzige Perlschuppen kennzeichnen ihn. Die Lippen verraten mir, dieser Fisch wurde noch nie in seinem Leben gefangen. Was für ein Wechselbad der Gefühle. Gerade eben noch Schockstarre, jetzt einfach nur happy.

Schnell ein paar Bilder mit dem Selbstauslöser und bis zum nächsten Mal du Schönheit! Glücklich aber dennoch etwas beunruhigt lege ich mich ab und schließe die Augen.

„Piep“! Ein einzelner Pieper weckt mich kurze Zeit später. Mein Blick wandert zur Sounderbox. Ich bin bereit. Ich warte. Sekunden vergehen. Vollrun!
Die Schnur überschlägt sich fast bis ich endlich im Spiel bin. Der Fisch lässt sich kaum halten. Ich übergebe ihm die ersten Meter. Dann bin ich an der Reihe. Der macht mal so richtig Druck! Schwere Kopfstöße verraten mir, dass es ein besserer Fisch sein muss.

Der Wind fegt über das Wasser und zeitgleich setzt der Regen wieder schlagartig ein. Ein Moment wie im Film. Über mir biegen sich die Weiden, das Schilf wird zu Boden gedrückt und immer wieder muss die Bremse dem wütenden Fisch Schnur gewähren. Mein Bart ist in kürzester Zeit vollgesaugt wie ein Schwamm. Ich muss grinsen und sage zu mir selber „du bist verrückt“. Langsam aber sicher kommt der Fisch in Ufernähe und ist dann auch schnell im Kescher. Ein Prachtschuppi mit einem breiten Kreuz liegt vor mir im Netz. Was für ein Gefühl! Ich bin überwältigt!

Völlig zufrieden und durchnässt sitze ich wieder im Bivy. Meine Jacke kann ich erst einmal zum Trocknen aufhängen und ich selber brauche ein paar Minuten um einigermaßen trocken zu werden. Es ist bereits 3 Uhr morgens und von hell werden ist noch keine Spur. Ein paar Stunden habe ich noch. Mal schauen was noch kommt. Aber ganz ehrlich? Was soll jetzt noch kommen? Ich schlage mir die Nacht im Sturm alleine um die Ohren, fange wunderschöne Fische, bin komplett nass aber auch einfach nur glücklich. Ich bin am Wasser, mehr brauche ich nicht!

Der Sturm ist ein wenig abgeflacht aber dennoch, bläst er bis in die frühen Morgenstunden. Ich lausche dem Wind noch eine Weile und schlafe beruhigt ein. Was mich am nächsten Morgen jedoch erwartet kann ich kaum in Worte fassen. Die Wolken haben sich verzogen und ich werde Teil eines Naturschauspiels, wie man es sich nur in seinen Träumen vorstellen kann. Alles ist nass. Wasserdampf hüllt den See in einen magischen Schleier.

Währenddessen grinst die Sonne durch die Bäume und lässt das Wasser in einem seltsamen rötlichen Glanz funkeln. Das Schilf und die Bäume sind noch schwer gezeichnet vom Geschehen der letzten Nacht. Wo noch vor wenigen Stunden der Kampf ums Überleben ausgetragen wurde, liegt jetzt alles friedlich und ruhig da, als wäre nie etwas gewesen. Die Hänger hingen noch genauso wie ich sie eingehängt habe. Zufrieden und mit einem Lächeln im Gesicht kehre ich die Heimreise an. Tagsüber passiert hier in den meisten Fällen nur sehr wenig.

Eine unvergessliche Nacht liegt hinter mir. Dieser Morgen hat mir wieder bewiesen, dass es in unserem Hobby viel mehr darauf ankommt draußen zu sein und zu schätzen was man hat. Je mehr wir die kleinen und eigentlich selbstverständlichen Dinge schätzen, umso mehr kommt man seinen Wünschen und Träumen näher.

 

Was für ein Gefühl! Ich bin überwältigt!

 

Meine nächste Session steht bereits in den Startlöchern.
Wir sehen uns am Wasser!
Chris Mack