Wenn aus Ungewissheit Erolg wird

26.02.2018 12:14 | Kundenberichte

 

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Nun heißt es noch einmal alles zu geben, um möglichst mit einem dicken Karpfen seine Saison zu beenden. Wie vor jeder Session bereite ich mich akribisch vor.
Mein gewähltes Gewässer ist ein 36 ha großer Baggersee mit Tiefen bis zu 11 Metern. Der Fischbestand ist gut, obwohl das ganze Jahr intensiv an diesem Gewässer gefüttert und gefischt wird. Für mich ist es das absolute Traumgewässer. Bereits bei meiner ersten Session an diesem Gewässer erlebte ich wahre Sternstunden. In 36 Stunden fing ich 13 Karpfen bis 39 Pfund. Es war ein wahrer Fressrausch, der sich dort unter Wasser abspielte. Ich wäre gerne länger geblieben, doch mein Futter war leer. 15 kg Boilies und Tigernüsse hatte ich mit. Für mich eine Menge, die ich normalerweise nicht benötige. An diesem Gewässer ist das anders. Gutes Futter in bedachter Menge spielt hier seine Karten aus. Für die nächsten Male war ich besser vorbereitet. Je ein Eimer Boilies und Tigernüsse verweilten im Auto. Für mich stand schnell fest, dass ich hier noch öfters herkommen würde.



Gutes qualitatives Futter spielt für mich eine große Rolle.

 

Mitte November war ich das letzte Mal dort. Von dieser Session möchte ich gerne berichten.
Die ganze Woche über begleitet mich schon dieses ungewisse Gefühl. Werde ich erfolgreich sein? Was erwartet mich an meinem Lieblingsgewässer? Die Erfolge in den letzten Wochen waren dort eher schlecht, wurde mir berichtet. Die meisten Karpfenangler haben dem See den Rücken gekehrt und ihre Angelsachen im Keller verstaut. Für mich aber stand fest, dass ich ein letztes Mal in diesem Jahr dort mein Glück versuchen werde. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Alles muss passen, um den möglichst besten Erfolg zu erzielen. Haken werden geschärft, Vorfächer gebunden und das Futter vorbereitet. Ich bin ein großer Fan von Liquiden, die schon seit Wochen von den Baits aufgesogen werden. Aus meinen zuvor gesoakten Baits mache ich mir gerne Stick Mix. Er besteht aus gesoakten Boilies, Amino Pellets, Stick Mix und Liquiden. Dieser wird auf die Montage gefüttert und zusätzlich im PVA am Hacken befestigt.

 

Mein PVA-Rig.



Ich nutze gerne mein PVA-Vorfach für diese Art der Köderpräsentation. Der hintere Teil wird aus einer steifen Mono gebunden. Darauf folgt ein Wirbel mit großem Ring. An diesem wird der vordere Teil aus weichem Geflecht gebunden. Der Ring dient zusätzlich als Fixpunkt für das PVA-Mesh, welches ich dort einbinde. Der Haken wird leicht in die Seite eingestochen. Dieses Rig ist absolut verhedderungsfrei. Als Köder nutze ich einen Pop Up, den ich mit Teig aus dem Boiliemix ummantele. Dadurch erhalte ich einen ausbalancierten Hakenköder.
An dem von mir gewählten Gewässer ist es erlaubt ein Boot zu benutzen. Ich nutze als Echolot einen Deeper Pro Plus. Diesen kann ich auch nutzen, wenn ein Boot verboten ist.
Meine 4 erlaubten Ruten verteile ich in Wassertiefen von 6 bis 10 Metern. 2 Ruten bleiben auf den ausgewählten Plätzen liegen. Die anderen beiden lege ich alle 12 Stunden auf neue Plätze. Der Deeper ist mir dabei eine große Hilfe. Mit ihm suche ich nach Fischen und platziere meine Ruten direkt in der Nähe der Sicheln. Allein bei dieser Session konnte ich 4 Karpfen mit diesen beiden Ruten fangen. Meist dauerte es nicht lange bis die Karpfen den Köder fanden. 2 Ruten fischte ich in Wurfweite an einer langsam abfallenden Kante. Der erste Biss ließ nicht lange auf sich warten. Bereits nach einer halben Stunde konnte ich einen kleinen Spiegler überlisten.

 


Der Erste der Session.



Damit hätte ich nicht gerechnet. Für mich ein gutes Zeichen den richtigen Platz gewählt zu haben. Die Montage kommt direkt wieder auf den Erfolgsplatz.
Die Schnüre lasse ich gerne durchhängen, um unauffälliger zu fischen. Selbst auf große Entfernung werden ein paar Meter Schnur nachgegeben. In diesem Fall nutze ich das Semi Fixed Running Rig. Nachdem sich der Karpfen gehakt hat und mit dem Kopf schüttelt, rutscht das Blei meine Schnur hoch. Die Bisserkennung ist trotz hängender Schnur sehr gut. Das Blei bleibt am Platz liegen. Egal welche Richtung der Karpfen jetzt wählt, es endet in einem Lauf.

 

Das Semi Fixed Running Rig.

 

Der nächste Biss erfolgte noch am Abend. Ein langsamer Lauf kündigte einen guten Fisch an. Leider stieg er nach wenigen Minuten aus. Es gibt Fische, die fängt man und andere leider nicht. In Ruhe überprüfe ich mein Haken und muss leider feststellen, dass er nicht mehr der schärfste ist. Fehler passieren auch bei guter Vorbereitung. Neues Vorfach dran, Köder ausbalancieren und weiter geht’s. Die Nacht bleibt ruhig. Am frühen Morgen läuft wieder einer ab. Ich bin aufgeregt und drille mit Bedacht den Kämpfer aus. Ein schöner Spiegler von gut 29 Pfund landet im Kescher. Ich freue mich wie ein kleines Kind. Der Haken saß bombenfest. Ich lege die Rute neu und mache mir einen Kaffee.

 


Mit 29 Pfund einer der besseren.



Die Sonne geht langsam auf und kündigt einen schönen Tag an. Laut Wetterbericht soll sich das aber zum Abend ändern. Ich setze mich raus und genieße die Sonne solange sie da ist. Es ist kurz vor 11.00 Uhr und ein schöner Spiegler mit 22 Pfund kam etwas zu früh zum Mittagessen vorbei. Es läuft. Nach einem kleinen Mittagssnack legte ich 2 Ruten mit Boot und Deeper neu aus.

 


22 Pfund mit gutem Antrieb.



Gegen 23.00 Uhr bekomme ich den nächsten Biss. Nach kurzem Drill kann ich einen wahren Dickkopf vor meinem Kescher sehen. In diesem Moment fliegt mir die Montage entgegen. Der Karpfen ist noch ganz benommen und schwimmt einen halben Meter auf mich zu. Es gelang mir ihn mit langen Armen in den Kescher zu bekommen. Beim Überprüfen meiner Montage bemerkte ich, dass der Haken gebrochen war. Noch nie ist mir das passiert. Ich schaue mir das Maul vom Spiegler an und sehe eine harte runde Verdickung im unteren vorderen Maulbereich. Ein kleiner Einstich in dieser Verhärtung lässt darauf schließen, dass mein Haken dort fasste. Sowas habe ich noch nie gesehen. Die Spitze konnte ich aber nicht sehen. Ich hatte Glück im Unglück und konnte ihn trotzdem landen.

 

Der Dickkopf, Glück im Unglück.
 

Ich legte mich wieder hin und schlief schnell ein. Um 1.00 Uhr weckte mich ein Schuppi, der unbedingt in den naheliegenden Busch fliehen wollte. Ich stieg ins Boot und konnte ihn rechtzeitig vor dem Busch keschern. Der erste und einzige Schuppi dieser Session erfreute mich mit seinen 21 Pfund. Gegen 5.00 Uhr weckten mich ein paar Pieper. Ich setzte mich hin und guckte aus dem Zelt. Der Hänger klebte vor meinem Delkim. Die Spule begann sich langsam zu drehen. Ab in die Wathose und ran an die Rute. Er stand lange tief und bewegte sich sehr träge im Wasser. Im Schein der Kopflampe zeigte sich ein kleines Hängebauchschwein mit einem Bauch, den ich so noch nie zuvor gesehen hatte. Ich konnte es kaum glauben als die Maschen meines Keschers seinen Körper umschlossen. Die Waage pendelte sich bei 32 Pfund ein. Mein Wusch war es einen guten 30er bei dieser Session zu fangen. Mein Ziel war erreicht. Ein alter Spiegler mit Perlschuppen und Hängebauch lag in meinen Armen.

 


Mein absolutes Highlight mit 32 Pfund.



Ich konnte mein Glück kaum fassen. Dieses Jahr war mein bisher bestes Angeljahr. Gut 100 Karpfen konnte ich fangen und meine PB auf 39 Pfund erhöhen. Dank Olli, mit dem ich meine Wunderkugel zusammengestellt habe, erlebte ich ein geiles Angeljahr 2017. Für mich steht fest, auch 2018 wird es für mich nur Selfmade-Baits geben. In diesem Sinne, auf ein erfolgreiches Jahr 2018.

MfG Steffen Behrmann