Vom Schicksal und anderen Geschichten, die das Karpfenangeln beschreiben

08.10.2013 15:44 | Kundenberichte

Wie zwei desillusionierte Humanoiden saßen wir an einem Sonntag im August im Bootshaus von Kevins Eltern. Zwei Tage Fischerfest steckten uns sprichwörtlich in den Knochen und die Couch wollte mich einfach nicht mehr los lassen. Das obligatorische Konterbier schmeckte widerlich, die Glotze lief und mein Gegenüber sah nicht sonderlich gut aus. Irgendwas war anders, da kommt was auf uns zu, dieses trügerische Kratzen im Hals, nasale Stimme, Kopf und Gliederschmerzen usw. Erkältung! Was soll das jetzt und ausgerechnet eine Woche vor meinem zweiwöchigen Urlaub?!
 
Bei Kevin ging nix mehr und er suchte seinen Arzt auf, meiner Wenigkeit ging es einigermaßen und ich quälte mich durch die Arbeitswoche. Äußerst schlechte Voraussetzungen für einen Angeltrip und so kam es, wie es kommen musste: Anruf. Freitag, mein Gegenüber brabbelte irgendwas in den Hörer „Du geht nicht, kann nicht, bin platt...“, ich derweil „mmmhh naja und nu, toll passt wieder, wie Arsch auf Eimer“ und das einen Tag vor Beginn unserer Unternehmung. Ich muss zugeben, dass ich angefressen war und den Trip an diesen See nicht alleine durchziehen wollte...Sei es drum, krank ist krank!
 
Flexibel sein, Planung umstellen und ganz einfach an eine mir bekannte 500 ha „Pfütze“ fahren, im Gepäck feinste Active-Red-Shellfish und Blood-and-Pepper Murmeln, letztere avancieren zur Zeit zu meinen absoluten Favoriten! Samstag. Aufbautag für die erste Woche, die Nase immer noch zu, der Hals kratzte wieder und irgendwie hatte ich zu nix Bock. Die Ruten blieben die erste Nacht an Land und ich fütterte für den nächsten Tag einen großen Bereich an. Der Bootsangler auf der anderen Seite bekam davon Wind und setzte über. Er ankerte mitten auf der Futterstraße und fing in der Dämmerung zwei große Fische. Ich saß in meinen Sessel und gab mich dem Schicksal hin: Gepolter - Rumms - abgeschlagen. Diskutieren hilft nicht, er ist im Recht und jetzt, wo ich hier gerade in die Tasten schlage, entbrennt auf Grund einer absolut schlecht recherchierten journalistischen Arbeit eine Debatte, wo für uns spezialisierte Angler das Ende noch gar nicht absehbar ist. Vielleicht wird auch nur zu heiß gekocht, wie es gegessen wird, was ich persönlich nicht glaube. Der Stein ist am Rollen!! Auch braucht man keine Gerichtsurteile vom Verwaltungsgericht Koblenz (1993?) bei FB weiter teilen, das hat keine Relevanz bei der aktuellen Rechtsprechung!
 
Sonntag, die Ruten gingen baden und in der ersten Nacht stand ich förmlich unter Strom. Fein, die Besatzmaßnahmen zeigten Früchte und ich musste mich durch die Lütten durch angeln...Wenn einem überhaupt nicht der Sinn nach Karpfenangeln steht, passieren die wundersamsten Dinge, auch in Form von sehr großen Fischen? War es der Umstand, dass Kevin krank wurde, war es Schicksal, was mich an dieses Gewässer zog? Für mich als ungläubiger Heide (nicht aus Kummerow!) schwer vorstellbar, aber irgendwie ist da was dran! Ich träumte von ihr, eine innere Stimme lenkte mich geradezu in die richtige Bahn und wenn man weiß, wie bestimmte große Fische ticken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie vor einem liegen. Zielfischangeln klappt auch an großen Gewässern! Ach im Übrigen, wie im letzten Jahr, war es dieselbe Rute, derselbe Spot und dieselbe Taktik, die mir diesen Fisch brachte. Plan B, Glück, Zufall, Schicksal oder doch nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort??
 
Die Sache mit dem Schwan...
 
Eines Morgens in besagter Woche bekam ich einen komischen Biss, die Funke stotterte vor sich her. Untypisch für einen Karpfenrun. Raus! Wathose an und die 40 m durch das Wasser zu den Ruten. Der breite Schilfgürtel versperrte mir die Sicht....aarrrgh, shit, ein Schwan verfing sich in meiner Hauptschnur und nahm ordentlich Fahrt auf, sein Partner immer dabei. Jetzt war schnelles Handeln gefragt, die Spule läuft und läuft, also wieder zurück an Land...“wo ist das Feuerzeug? wo ist das scheiß Feuerzeug? Ah, da“...zurück zur Rute, die Schnur durchgebrannt. Nach einer Weile befreite sich der große weiße Vogel von der Schnur. Schreckminuten, Karpfenangeln ist manchmal unkalkulierbar! Schon mal miterlebt, wie ein Schwan beim vollen Starten in die Schnüre fliegt, das Highpod zusammen kracht, alle drei Ruten abgeräumt werden und die Schnüre kappt?  Nein? Das war absolut nicht lustig und dem Schwan ist Gott sei Dank nichts passiert, nur mein Gegenüber, der fluchend alles wieder herrichten musste, war nicht bei bester Laune....Lustig wurde es allerdings, als mein Kumpel alles wieder in Ordnung hatte, die Ruten lagen und wir es uns gemütlich machten, derselbe Kumpel erneut zum Start ansetzte und ja, wie war wohl das Ende vom Lied? Unglaublich! Zurück zu meinem „Schwanentanz“. Oh je, es fehlten locker 200m Schnur auf meiner Rolle. Irgendwann gegen Mittag wollte ich einen Versuch starten, meine Schnur wieder einzufangen. Ich ging mit Wathose dicht am Ufer entlang, bis ungefähr zur Höhe meines Futterplatzes und beim ersten Wurf erwischte ich sie. Alles schön zusammen geknotet und aufgespult. Aber wo geht die Schnur hin? Gerade zurück zu meinen Ruten, da ist was faul! Also die 200 m zurück gewatet, um das Boot zu holen... Das Ende der Geschichte? Mein Gegenüber hatte den ganzen Vormittag Zeit, zweimal durch das große Seerosenfeld, was vor mir lag, zu pflügen. Eingenetzt habe ich ihn auf Höhe meines Futterplatzes!?
 
 ...Die zweite Woche
 
...ein anderer See, andere Gegebenheiten und ein Anruf von Andy ließen mich wach werden. Darf ich dich für drei Nächte begleiten? „Na logisch“, waren meine Worte. Die favorisierte Stelle an diesem Natursee ist prädestiniert für das Angeln zu zweit. Genug Möglichkeiten, freies Wasser ohne Ende und jederzeit für beide die realistische Chance, einen guten Fisch zu erwischen. Nur ist dieser See extrem launisch und man weiß nie, von wo die Fische die Stelle anschwimmen. Von links oder rechts, einer hat immer das Nachsehen, so blöd das auch klingt. Andy wollte die Nacht und den Vormittag zum Fischen nutzen, um danach zur Spätschicht zu fahren. Übrigens eine feine Sache, die Angelzeit effektiv zu nutzen, wenn ein guter Angelkumpel Urlaub genießt und man selber derweil noch zur Arbeit muss. Vorausgesetzt, der Anfahrtsweg ist nicht exorbitant lang.
 
Nach drei Tagen und Nächten war die Ernüchterung bei Andy groß. Lediglich ein Brassen hing am Band und der See zeigte sich mal wieder von seiner zickigen Seite. Bei mir lief es derweil einigermaßen, aber lediglich fast nur auf einer Rute. Zum Abschied scherzten wir noch und meinem Gegenüber war die Enttäuschung anzusehen. Pass auf, wenn Kevin heute Abend die Stelle übernimmt, fängt er!! Ja nee, is klar und die Geschichte ging zugunsten von Kevin aus. Er kam mal wieder an wie ein Friseur. Pennhütte vergessen, also wieder zurück. Derweil baute ich seine Stöcke zusammen, quälte die Banksticks in den hammerharten Boden und mein Magen knurrte gewaltig. Hunger! Hunger macht bekanntlich böse. „Na klar, Junge, ich bau Dein Zelt auch noch auf, stell die Liege rein usw. Sieh zu, dass Deine Ruten in den Bach kommen. Opa hat Hunger und will den Grill anfeuern“!! Ich mach es ja gerne. Teamwork; und tiefenentspannt war ich sowieso.
 
Der Abend war legendär mit nettem Besuch und ja, was soll ich sagen? Ich war selber verwundert und rieb mir die Augen. Sprachlos saßen wir da. Alle drei Ruten von Kevin brachten an diesem Abend Fisch und das richtig gut. Die Carps haben sich förmlich eingerastet, auf Andys präparierter Futterstraße. Wir konnten uns förmlich in Andys Lage rein versetzen, als wir ihn über Whats App informierten, was hier gerade abgeht. Ein denkwürdiger Abend an diesem Low Stock See, das steht fest. Der letzte und auch schönste Fisch, für mich, in diesen zwei Wochen verabschiedete sich ohne Foto aus der Wiegeschlinge. Ok, ich war platt und fertig und mit den Worten „ den sehen wir wieder“ verabschiedete ich mich vom See, von Kevin und Rene, fuhr nach Hause und machte erst mal Mittagschlaf. Dass ich nach diesen zwei Wochen Urlaub eigentlich Urlaub vom Urlaub brauchte und meine Erkältung nicht weg ging, ja, das steht auf einen anderen Blatt.
 
Geschichten die das Karpfenangeln beschreiben oder doch nur der Lauf der Dinge?? Wer am Ball bleibt, für den wendet sich irgendwann das Blatt! Das ist Karpfenangeln, manchmal unkalkulierbar, aber auch doch wieder vorhersehbar. Passion, Leidenschaft, Glück, Freunde, Freude und Niederlage, die eigene Individualität und Intuition fügen das Puzzle zusammen. Ach ja, und das Schicksal mischt gewaltig mit, wenn die Karten neu gelegt werden.
 
In diesem Sinne, auf einen warmen Herbst
Danilo Laß
 
 
Da ist „Sie“ und das gleich in der ersten Nacht. War es Schicksal?? Ich hatte sie schon gar nicht mehr, auf dem Plan.
 
  
 
 
 
30ziger Dumbels? Kein Problem für „Sie“ und die Arme schmerzten!!
 
 
 
...ein weiterer schöner Meck-Pomm Fisch.
Das Original!! Schnell, sicher und effektiv!!
 
 
 
Ein besonderer Fisch, ich nenne ihn „Swansea“
 
Ich hasse es, wenn Fische „beschnitten“ werden und es war nicht der erste. Potenzieller Arschtritt an den Unbekannten!!
 
 
 
Aus diesem See zählt wahrlich und definitiv jeder Fisch!!
 
 
 
 
 
The great Sun in „Südschweden“
 
 
 
Kevin war im Glück...ein denkwürdiger Abend und Szenen die im Gedächtnis bleiben!!
 
 
 
 
 
Was ist los, sind die Bedingungen für einige Hakenmodelle von der Insel, einfach zu hart??