Unter‘m Strich ist die Rechnung fertig!

24.11.2010 18:45 | Kundenberichte

Es ist Oktober. Die Saison 2010 geht in die vermeintlich heiße Phase. Schon seit einer halben Ewigkeit wollen Mario aus dem Selfmade Baits-Team  und ich mal eine Session zusammen machen. Bisher hatte seine knapp bemessene Zeit leider nur für ein kurzes Intermezzo an meinem Hausgewässer gereicht.
 
Jetzt war die Zeit langsam reif, daher verabredeten wir uns für Mitte November zu einer viertägigen Sitzung. Eine passende Location war schnell gefunden und so machten wir uns donnerstags an meinen Vereinssee.
 
Mario war fest entschlossen, meinen seit zwölf Jahren bestehenden PB (28 Pfund) zu knacken. Wir kamen am frühen Nachmittag bei frischen neun Grad am See an und richteten uns ein.
 
Da die Wassertemperatur bereits weit unter die Zehn-Grad-Marke gesunken war, entschlossen wir uns es bei einer Hand voll Boilies als Futter zu belassen sowie zwei kleine Futterplätze in 6m Wassertiefe anzulegen. Mario hatte das Futter mitgebracht welches komplett aus neuen Produkten bestand. Es waren eine neue Version des allseits bekannten Mussel-X dabei welche noch einmal wesentlich verbessert wurde in Punkto hochwertigen Zutaten und Löslichkeit. Ein neues Produkt um die die verwendeten Boilies zu ummanteln und ihnen einen ganz besonderen Reiz für die Fische zu geben sowie neue Sorten Liquide.
 
Die Boilies wurden dann von Mario so präpariert und er sagte mir das dies für unsere „Instand-Fischerei“ gemacht ist und die Fische schneller zum Futterplatz bringt und zum fressen animiert.
 
Wir fütterten also zwei kleinere Spods an und warfen die Ruten aus.
 
Auf Grund der schon recht fortgeschrittenen Stunde wollten wir erst am nächsten Tag richtig angreifen. Wir klönten bei zwei, drei Glühweinchen noch bis zur Mitternachtsstunde und legten uns nach einem einzelnen Pieper auf meiner Linken und einem nicht verwertbaren Fallbiss auf einer von Marios Ruten aufs Ohr. Die Aktionen kamen wie vorhergesagt wirklich schnell! Da ich intelligenter weise keinen Überwurf für mein Brolly hatte und für die erste Nacht schon drei Grad angesagt waren, verlief diese für mich mit sehr wenig Schlaf. Zumal dann um halb fünf einer von Marios MX um Hilfe schrie. Nach kurzem Drill konnte er einen schönen 24er-Spiegler einnetzen wovon wir aber kein Foto machten um den „ausgepumten Kämpfer“ nicht zu überstrapazieren.
 
Am nächsten Morgen setzten wir uns zusammen, um die weitere taktische Vorgehensweise zu besprechen. Eins war klar, für Mario gab es nur Füttern! Es gab den ganzen Tag über auf dem See Fische zu sehen die sich an der Oberfläche rollten, teilweise sogar sprangen, sich aber leider auch größtenteils mitten im See aufhielten. Wir vermuteten, dass die Fische bei den niedrigen Temperaturen wahrscheinlich nicht mehr viel fressen würden und so mussten wir mit wenig Futter pro Rute möglichst viel Lockwirkung erzeugen, um die Fische an unsere Plätze zu bekommen.
 
Er füllte ca. 2Kg von den Prototypen in eine runde Schale, gab etwas von dem Liquid darüber und mischte sie gut durch bis sie komplett benetzt waren. Dann bestreute er die Baits mit einem neuen Baitpowder welches mit dem Liquid sofort anzubinden begann. Diesen Vorgang wiederholte er mehrmals, bis sich um die Boilies eine schnell lösliche Atraktorkruste gebildet hatte. Wir beköderten unsere Ruten mit neu gedipten Murmeln und fütterten so punktgenau wie möglich unsere Spots.
 
Es blieb den Tag über leider ruhig und so gingen wir bei sternenklarem Himmel und immer knackiger werdenden Temperaturen schon um 21 Uhr auf die Liegen.
Zwei Stunden später war es mit der Ruhe allerdings glücklicherweise schon wieder vorbei, denn wieder meldete sich ein Schuppenträger an Marios Strippe. Es war ein 18-pfündiger Spiegler, der auch schnell wieder den Weg zurück ins Wasser fand. Er fütterte sofort nach um vermeintlich anwesende Fische am Platz zu halten.
 
Nach weiteren drei Stunden Schlaf konnten wir einen 19er zum Landgang überreden, die Boilies mit der Atraktorkruste hatten also schnell gezündet, auch wenn die Gewichte der einzelnen Fische noch zu wünschen übrig ließen. Ich freute mich über Marios Erfolg, weil damit ja auch der Test der neuen Selfmade-Baits-Produkte schon sehr erfolgreich verlaufen war. Allerdings wäre natürlich ein Run auf den von mir ausgelegten Ruten noch wünschenswert gewesen.
 
Wir änderten unsere Taktik am nächsten Tag noch einmal leicht und fischten nun noch etwas tiefer, wobei ich meine Montagen mit gedipten Single Hookbaits etwas abseits von unserem Futterplatz anbot. Die Futtermenge wurde wieder erhöht.
 
Der Tag verlief bis zum Nachmittags sehr ruhig. Aber gerade als Mario die Erfolge der Nacht an Olli durch gab, meldete sich einer meiner Carpsounder mit einer bunten Mischung aus Fallbissen und einzelnen Abzug-Piepern. Ich wartete gespannt neben der Rute und als der Fisch endlich begann, etwas kontinuierlicher Schnur zu nehmen, setzte ich einen beherzten Anhieb, was mein Gegenüber direkt mit einer Flucht über die Bremse quittierte.
 
Der Fisch gab keine Schläge im Drill ab, was ich bisher gar nicht kannte. Er hing wie ein Stein in der Schnur und war einfach nicht an die Oberfläche zu bekommen. In der Zwischenzeit hatte ich im Adrenalinrausch, der aus der Tatsache resultierte, dass mittlerweile auch ich begriffen hatte, dass da kein Satzi geklingelt hatte, Mario herangerufen, der schnell in die Neoprenstiefel schlüpfte und sich mit dem Kescher auf ins Wasser machte.
Als es Richtung Ufer ging, zog der Fisch auf die rechte Seite herüber und sammelte kurzzeitig eine von Marios Schnüren ein, bevor er zum ersten Mal nicht die Breitseite, sondern seinen hohen Rücken zeigte.
 
„Das ist der Dreißiger?“ sagte ich noch vollkommen euphorisch, bevor der Fisch über den Kescherrand glitt. „Nä, glaub ich nicht“ scherzte Mario noch, weil er wusste, dass ich bisher noch nie einen Dreißiger, geschweige denn einen Vierziger live gesehen hatte...
 
„Das is‘n guter Vierziger?“ sagte er, als mir beim Herausheben des Fisches das Blut in den Adern gefror.
Ich legte den Fisch in die Weightsling und Mario hob die Waage hoch. „Was schätzte?“ fragte er mich, worauf ich nur ein vollkommen aufgelöstes „Keine Ahnung, 18 Kilo“ erwidern konnte.
 
Er drehte die Waage und ich sah dem satten 21,5 Kilo Spiegelkarpfen in die Augen.
 
Das eigene PB um 15 Pfund geschlagen und die 30 komplett übergangen. Und das gleich beim ersten Anlauf mit den Selfmade-Baits Boilies. Der Karpfen schied noch ca. 1KG einen des braunen Boiliemix auf der Matte aus, was die Verdaulichkeit der Boilies und das gute Ansprechverhalten der Karpfen auf die Köder noch unterstrich und das bei diesen Temperaturen!
 
Der Fisch hatte wahrscheinlich die Duftwolke, erzeugt durch die Atraktorkruste, wahrgenommen und uns den Futterplatz leergeräumt, bevor er einen meiner Hakenköder aufnahm.
 
Natürlich kann man zurückblickend sagen, dass zum Fang eines solch tollen Fisches auch immer das berühmte Quentchen Glück gehört, dennoch würde ich sagen, dass wir mit den Selfmade-Baits-Produkten unserem Glück schon ein gutes Stück weit den richtigen Weg gewiesen haben. Schließlich schafften wir es trotz der widrigen Bedingungen, die Fische nicht nur an unseren Platz zu locken, sondern auch einen der Großen an unserem Platz zu etablieren.
 
Ich stehe neuen Readys eigentlich immer recht skeptisch gegenüber, weil einfach eine solche Fülle an Produktserien am Markt ist. Aber da mein erster Test mit einem für mich neuen Produkt nicht unter guten, sondern sehr widrigen äußerlichen Einflüssen stattfand und dennoch ein verhältnismäßig sehr gutes Ergebnis erzielte, kann ich Selfmade-Baits auch für schwierige Gegebenheiten wärmstens empfehlen.
 
Unter‘m Strich steht nun bei meiner Rechnung dank der Geduld und Erfahrung eines guten Kumpels und Dank der guten Arbeit des Selfmade-Baits-Teams nun 43 Pfund!
 
In diesem Sinne Tight Lines und nur Dicke.
Fritz Schirrmacher