The girlfriend- experiment

21.08.2011 18:42 | Teamberichte

Angeln ist jeher ein Hobby, das Männer unter sich ausüben. Mir ging es dabei nicht anders. Entweder ich sitze mit einem Kumpel oder letzten Endes alleine am See. Auf die Idee den Angelsport in Gesellschaft einer Dame auszuüben kam ich nie.

Tja, wie soll man sagen, auch die festgefahrensten Mechanismen und Gewohnheiten werden meistens irgendwann über den Haufen geworfen. Nicht selten ist hierfür eine besondere Person verantwortlich. So auch dieses Mal.

Lange Rede, kurzer Sinn – im Oktober wagte ich den Versuch und zog mit meiner Freundin für eine Woche gen Frankreich um dort an einem schönen Stausee unserer Passion zu frönen und ihr dieselbige näher zu bringen. Selber hätte ich wohl kaum gewagt, Simóne mit einem solchen Vorschlag zu konfrontieren. Also lud sie sich eben eigenhändig ein und mir blieb nur übrig „ja“ zu sagen. Mich besser kennen zu lernen hieße das Angeln einmal aus nächster Nähe mitzuerleben, so Ihre Theorie. Da konnte ich nicht widersprechen.

Gefühle anfänglichen Zweifels wichen schnell der üblichen Euphorie, die stets einem größeren Trip vorausgeht.

Die Ausrüstung musste freilich um einige Gegenstände erweitert werden, doch dies ließ sich auch kurzfristig Dank freundlicher Unterstützung von Sebi bewerkstelligen.

Der ausgewählte See liegt eingebettet in französische Wälder und weist einen relativ guten  Bestand auf. Ferner liegt dieser weit abseits von größeren Städten und Problembezirken, was ein sicheres Angeln gewährleistet. Ideale Voraussetzungen also für unseren Trip, zumal ich seit meinem ersten Besuch vor einigen Jahren noch eine Rechnung offen hatte: Mir fehlt seit damals noch ein Dickfisch aus diesem Wasser im Fangbuch. Neben einer netten Urlaubswoche und einer möglichst harmonischen Zeit zu zweit war dies das Ziel dieses Turns.

Den See erreichten wir morgens gegen 8 Uhr. Nach einem kurzen schnack mit zwei Holländern, die seit zwei Tagen blank waren machten wir uns auf den See zu erkunden. Der Wasserstand lag etwa einen Meter unter Normalstau, ein Indiz dafür, dass sich die Fische auch bedingt durch den nahenden Herbst in den tieferen Regionen einfinden dürften. Unsere Wahl fiel auf einen offenen Spot, von wo aus wir unsere vier Ruten weit gefächert verteilen konnten. Am ersten Abend wurde nur gefüttert. Ca. fünf Kilogramm Shellfish- Boilies fanden kurz vor Einbruch der Dunkelheit den Weg ins Wasser.

         

In den darauf folgenden Tagen hatten wir jede Menge Spaß und Arbeit. Die Fische bissen wie verrückt und hielten uns vor allem nachts auf Trab.

Um den Hausfrieden nicht zu riskieren verbrachten wir die sonnigen Nachmittage mit Baden und Essen kochen.

Erst abends wurden die Fallen ausgelegt. In drei Nächten konnten wir 27 Karpfen fangen. Alleine ein richtiger Dickfisch blieb uns leider verwährt.

Besonders tiefschürfend waren die kulinarischen Erlebnisse dieser Woche. Bisher hatte ich mich am Wasser immer spartanisch ernährt. Dass man auch aus haltbaren Lebensmitteln ganz vorzügliche Dinge zubereiten kann, hätte ich wohl selber nie herausgefunden.

So gab es beispielsweise Pfannkuchen mit beschwipsten Äpfeln, für deren Zubereitung man lediglich etwas Baileys benötigt. Auch die Pasta mit portugiesischem Meeresgetier wird nachhaltig in Erinnerung bleiben und mit Sicherheit bei Gelegenheit einmal nachgekocht.

Auch Simóne’ s größte Sorge, nämlich die Begegnung mit einer Horde zorniger Wildschweine blieb unbegründet. Zwar hörten wir des Nachts das ein oder andere verräterische Geräusch im Wald und fanden morgens nicht selten tiefe Wildschweinspuren im Schlamm, doch ein direkter Kontakt blieb aus.

                        

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass wir irgendwann bestimmt ein zweites Mal losziehen werden. Wenn das Gewässer und das Wetter einigermaßen passen, dann können in der Tat beide der Sache etwas abgewinnen und sogar richtig Spaß haben.
 
In diesem Sinne. Ausprobieren!
Pascal Bouillon