Sternstunden am Wasser

16.01.2010 18:09 | Teamberichte

 

 

Es war Mitte Mai, aber ein Wetter wie im April, was mich aber nicht davon abhalten sollte, meine Urlaubstage wie gewohnt am Wasser zu verbringen. Mein Neffe Marvin war natürlich mit von der Partie, und mit voll beladenem Wagen fuhren wir zum See. Dort angekommen habe ich mir erst einmal eine angesteckt, um dann das Wasser unter die Lupe zu nehmen. Wir hatten das große Zelt dabei, und moven wollten wir daher möglichst vermeiden, aber die Entscheidung war schnell getroffen, und wir entschieden uns für ein vielversprechendes Plätzchen. Das Lager war schnell hergerichtet, und während Marvin die Pods aufbaute, machte ich mich auf spot-Suche für unsere mit Active Red-Shellfish als Schneemann und als singlehook-bait ausgerüsteten Montagen. Zudem wurden die Hakenköder mit Method-Mix in PVA noch einmal aufgepeppt.

Wir fütterten recht sparsam je 500 g Boilies, und nach dem Auswerfen der Ruten begann das Warten. Die Zeit nutzen wir mit dem Beobachten des Wassers, in der Hoffnung, irgendwo Anzeichen für Karpfen in Form von Blasenteppichen oder die Wasseroberfläche durchbrechende breite Buckel zu entdecken. Aber der See lag zum Abend hin still und ruhig vor uns. Die Nacht brach herein, und wir legten uns auf unsere Liegen. Der Morgen brachte die Gewissheit: noch kein Fisch. Macht nix. Wir sind nun mal Karpfenangler, das Warten gewohnt, und ließen uns davon nicht entmutigen. Ruten erneut ausgelegt, und weiter gewartet. Aber die Delkims wollten auch weiterhin nicht ihr bei uns so beliebtes Lied anstimmen. Da sich auf dem Futterplatz offensichtlich nichts tat, fütterten wir auch nicht nach. Abends wurden die Ruten erneut scharf gemacht, und wir krochen wieder in unsere Schlafsäcke. Mitten drin im carp-talk mit Marvin erhob sein Delkim endlich sein Lied. Nach kurzem aber heftigen Drill lag ein schöner Spiegler von 23 Pfund auf der Matte. Na also, geht doch. Ruten wieder platziert, und schnell wieder im Schlafsack gemütlich gemacht.
Als mein Delkim gegen ein Uhr nachts einen Dauerton von sich gab, war auch ich recht schnell bei der Rute, um bald eine enorme Gegenwehr festzustellen. Ich sagte zu Marvin: “DAS ist ein Guter” und das rasante und stetige Abziehen der Schnur von der Rolle, deren Bremse ziemlich angezogen war, bestätigte meine Aussage. Aber nach ca. 15 min Drill konnte ich den Fisch das erste mal sehen: es war ein mächtiger Schuppi, den Marvin kurz darauf fachmännisch keschern konnte. Der Blick in den Kescher verschlug uns fast die Sprache. Marvin holte schnell die Waage aus dem Zelt, wir wogen den Schuppi und der Zeiger blieb bei 25,5 kg stehen. Jippieee! Anschliessend sackten wir auch diesen Fisch schonend ein. Die Nacht brachte keinen run mehr, dennoch war ich überglücklich über diesen Fang, der mein neuer PB war. 
Noch in der Nacht informierte ich paar Freunde über den Fang des Schuppis, und fragte sie, ob sie morgens kommen könnten, um paar Bilder zu machen. Das taten sie dann auch und wir bekamen sehr schöne Bilder vom Spiegler und vom Schuppi, sowie ein Gemeinschaftsbild.
Den Tag über blieben die Bissanzeiger aber ruhig, aber wir hofften auf die Nacht.
Gegen 2 Uhr morgens dann meldete sich erneut Marvins Bissanzeiger. Da ich als erster an der Rute war, nahm ich diese schnell auf, da der Fisch auf ein Hindernis zuflüchtete. Als ich den Fisch aus dem Gefahrenbereich hatte, übergab ich Marvin die Rute und er drillte den Fisch zuende, während ich ihn kescherte. Es war ein schöner Spiegler von 16 kg, den wir ebenfalls einsackten, um morgens schnell ein paar Fotos zu machen. Aber auch diesen Tag mussten wir leider feststellen, dass die Fische am Tage offensichtlich keine Lust hatten, unsere Köder zu nehmen.
Ich hatte aber die Zeit genutzt und mir einen Futterplatz angelegt, den ich mit dem Rest an Boilies, die ich noch dabei hatte - es waren ca. 4 kg - und zusätzlich mit 4 kg Mais präparierte. Ich wollte diesen Platz schon in den nächsten Tagen befischen, wenn ich wieder hergekommen würde.
Wir packten zusammen und fuhren nach Hause. Dort habe ich ein heisses Bad genommen, und am Abend ging es wider an den See.

Nach schnellem Aufbau und Platzierung der Ruten auf dem neuen spot, begann wieder das Warten. Diesmal sollte es aber schneller gehen. Gegen 23:30 Uhr meldete sich mein Delkim im Dauerton, und nach kurzem, aber hartem Drill konnte ich einen schönen Schuppi über meinen Kescher führen. Ich wog diesen Fisch, und der Zeiger blieb bei 23 kg stehen. Ich sackte den Fisch und informierte meinen Schwager, um am nächsten Morgen ein paar Fotos zu schiessen. Gegen 4 Uhr meldete sich meine andere Rute. Ein Spiegler von 9,5 kg wollte sich die Active Red Shellfish schmecken lassen. Am Morgen kam dann mein Schwager, wir machten schnell die Fotos und entließen die Fische wieder in ihr Element.

 
Wie gehabt verlief auch dieser Tag ganz ruhig und ohne einen Pieper, aber ich war mir eigentlich recht sicher, dass in der Nacht wieder was gehen würde. Aber es kam anders, denn dieses mal gab es keinen run, und der Tag brachte eh keinen Fisch. Ich setzte dann noch mal alles auf eine Karte, und fütterte am Abend noch mal 3 kg Boilies auf den spot. Und wieder um 2:30 Uhr weckte mich der Delkim aus meinen (fischig-) feuchten Träumen. Auch dieser Fisch kämpfte unbändig. Als ich den Fisch dann sah, traute ich meinen Augen kaum. Das war doch der mächtige 51 Pfund Schuppi, denn ich vor ein paar Nächten bereits gefangen hatte? Nach genauerer Betrachtung war klar: das war er! Ich rief sofort meinen Schwager an, aber der glaubte mir natürlich nicht. Wo gibt es denn sowas. Zwei Mal in 3 Tagen, der selbe (unvorsichtige, oder sagen wir: verfressene) Klopper. Unglaublich!!
Daraufhin legte ich meine Montage mit zwei 18er Red Shellfish wieder auf den spot. Als ich so auf der Liege lag, und mir dieses denkwürdige Ereignis durch den Kopf gehen ließ, schlief ich langsam ein – bis der Delkim mich wieder von der Liege holte. Ich stürzte zur Rute, und auch dieser Fisch riss mir die Schnur von der fast geschlossenen Bremse. Schon wieder so ein Mega-Fisch? Ich musste alles geben, um den Fisch von einem Hindernis fern zu halten. Es gelang mir, und nach einer Weile näherte sich der Fisch dem Kescher. Als ich die Kopflampe auf ihn richtete, konnte ich kurz einen weiteren mächtigen Schuppi erkennen, der aber, durch das Licht geblendet und erschrocken, gleich wieder Gas gab. Kurz darauf blieb ich aber Sieger. Als ich ihn auf die Matte legte, war mir klar: auch dies ist ein richtig Dicker. 25,3 kg zeigte die Waage. Ich glaubte zu träumen! Was für eine Session. Nach dem Sacken rief ich meinen Schwager an, der mich auch gleich für verrückt erklären wollte, als ich ihm sagte, ich habe den Zwilling vom ersten Schuppi gefangen.
Der Rest der Nacht blieb ruhig, was mich aber nicht weiter störte. Denn so was hatte ich noch nie erlebt. Zwei so gewaltige Fische in kurzer Zeit zu fangen, und einen wiederum zwei Mal – einfach der Hammer!! Kurz bevor es anfing zu regnen, war am Morgen meiner Schwager zur Stelle, und machte die Fotos, wobei er erstmal die Bauklötze vor der Linse entfernen musste, die er gestaunt hatte, als er die Fische sah . Kurz danach erfreuten sich die Fische ihrer wiedergewonnenen Freiheit.
Mein Dank geht zuerst an Oliver Gutwein von Selfmade-Baits für die guten Boilies, die er mir, wie immer in bester Frische, abgerollt hatte. Dann danke ich Marvin für seine gute Unterstützung und seine Begleitung, sowie meinen Schwager Markus für die Fotos und die Verpflegung, die er mir mit brachte.
Euch, liebe Leser, wünsche ich nur Digge, und das ihr auch mal sowas erlebt!!

Euer Markus Jung