Nach dem Regen folgt Sonnenschein...

25.07.2013 14:57 | Kundenberichte

 
Nach einem viel zu langen Winter, in dem bei mir privat so einige herbe Dinge passiert waren, konnte so langsam wieder an Angeln gedacht werden. Denn das ist normalerweise immer meine Waffe gegen  miese Lebensumstände. Klar war ich einige Male Raubfischangeln, nur die wirkliche Ruhe, um hundert Prozent abzuschalten, findet man halt  nur beim Karpfenangeln.
 
Mein Plan für das Jahr sieht so aus: Zum einen ein neues Hausgewässer in unmittelbarer Nähe zu befischen. Dieser See reizt mich schon seit Jahren. Nur wie das manchmal so ist, greift man immer viel zu spät an. Dieses Jahr sollte es nun losgehen. Ich plante, das Gewässer immer nur für eine Nacht zu befischen, aber möglichst täglich zu füttern.
 

Grundvoraussetzung im Frühjahr- attraktives Futter...

Sollte mal länger Zeit sein, sprich ein Wochenende oder mehr, hatte ich  einen nicht ganz neuen See in Brandenburg im Auge. Hier waren noch so einige Rechnungen offen.

Eine erste Erkundung am Hausgewässer machte ich schon Anfang März, der See war noch halb zugefroren. Dann setzte wieder die Kälte ein und somit auch das Eis. Anfang April war der See dann offen und bei knapp sieben Grad Wasser fing ich spärlich an, eine Stelle zu füttern. Zwanzig  16er Pillen und ein, zwei Kellen Active-365 Amino-Pellets sollten reichen. Es hielt mich nichts mehr zu Hause und so startete ich meine ersten beiden Einzelnächte nach jeweils drei Tagen füttern -blank. Irgendwie sagte mir die Stelle nicht mehr ganz zu und ich fing an, eine andere in der flachen Endbucht des Sees zu füttern. Am vierten Tag der neuen Kampagne sah ich dann im Baum genau vor meiner Futterstelle einen fetten Spiegler stehen - ein erstes Lebenszeichen! Zu Hause hielt mich nun nichts mehr, ab raus. Frei nach dem Motto:  Auf dem Sofa fängt man keine Fische! Die Nacht bekam ich um halb eins einen  Run- wie ich das vermisst hatte...  Kontakt zum Fisch, blöder Winkel zum Baum, drin war er, Sch....! Druck brachte nix, also Bügel auf und kurz warten. Und siehe da, nach kurzer Zeit merkte ich dass der Fisch frei war. Ich bekam wieder Kontakt und er zog ganz ruhig am Grund umher- alles klar- gleich ein Dicker- schön! Dann wollte er wieder Richtung Baum, ich musste Druck machen, Bumm! Vorfach genau in der Mitte durch. Ich vermute ganz stark Muscheln oder ähnliches am Baum. Mist, gleich den ersten Fisch der Saison verloren. Ich ärgerte mich auch, dass der Fisch nun ein "Piercing" hat, aber lieber so als einen Schnurbruch weiter oberhalb, beruhigte ich mich. Weiter lief nichts mehr die Nacht.
 
Urlaub steht an....
 
Da die Feiertage (1.Mai und Himmelfahrt) irgendwie so günstig fielen und mein Kumpel Tobi auch ein paar Tage Urlaub nehmen konnte, beschlossen wir, ab dem 26.4 zwei Wochen raus zu fahren. Wir mussten zwar jeder mal öfters kurz in die Stadt fahren um zu arbeiten oder in der Uni "Hallo" zu sagen, aber einer konnte dank guter Koordination  immer am Wasser bleiben, so dass wir nie abbauen brauchten.
 
Genial, ich war glücklich- zwei Wochen Fischen (mal abgesehen von kleinen "Realitätsausflügen")- das war genau das was ich brauchte...
 
Die Woche vorher war der pure Stress: Um sich die Zeit freizuschaufeln, war extrem viel zu erledigen, zusätzlich wollten wir auch Montag und Mittwoch vorher Füttern fahren. Trotzdem ging mir mein Hausgewässer nicht mehr aus dem Kopf. Da war noch eine mächtige Rechnung offen! Unter  Futter hatte ich es trotzdem weiter gehalten. Es juckte, es krampfte, es zuckte- irgendwie musste ich raus. Ich wählte den Mittwoch aus. Der Tag war hart: Uni, Arbeit, Füttern am See in Brandenburg und endlich abends halb neun am Hausgewässer- Absolute Leere: Alle saßen zu Hause oder in der Kneipe  und guckten Champions-League- so mag ich das...
 
Ich mache es kurz: Alles richtig gemacht: Halb eins ein außergewöhnlich kampfstarker Spieglerbulle den ich fünf(!!!) Mal aus dem Holz befreien musste, und halb drei ein wirklich schöner, makelloser weiterer Spiegler, der eigentlich ganz brav war (sprich ins Freiwasser zog).
 
 
 
Die Ersten Fische des Jahres- Immer besonders wichtig...
 
Das war alles, was ich wollte. Kaum geschlafen, ging es um Acht in die Uni, danach Arbeiten, Tackle packen für Freitag (mein Zeug war ein Misthaufen, ich hatte den Winter einfach keine Zeit gehabt, es wie sonst üblich zu ordnen...). Ich schmiss nur irgendwie alles zusammen-zum Ordnen hatte ich am Wasser noch genug Zeit.  Freitag nach der Uni sollte es zusammen mit Mutterns Hund "Keule" losgehen.
 
Mit dem hervorragenden Start am Hausgewässer im Rücken freute ich mich auf eine super entspannte Zeit und vor allem eins: Frischluft, Ruhe, keine Verpflichtungen und mal wieder ein gutes Buch lesen. Dicke Fische wären toll, aber einfach nur den Kopf frei kriegen war Ziel Nummer Eins.
 
Tobi konnte dank seiner Madame (Gott sei Dank, dass ich wieder Single bin!!!) und einem Geburtstag erst am Sonntag rauskommen, auch er hatte tierische Begleitung,  sein Boxer Mischling "Spaten" sollte auch mit von der Partie sein. Eigentlich war ich auch ganz froh, die ersten zwei Tage Ruhe zu haben- schlafen stand sehr weit oben auf der "To-Do-Liste"...

Am Wasser angekommen sondierte ich erst mal die Lage- kein Mensch am See, nicht mal ein Bootsangler- optimal. Also entspannt alles ausladen, Boot beladen und ab auf die Stelle. Dort angekommen war ich echt schon am Überlegen, erst mal nur die Liege aufzubauen und ein paar Stunden zu pennen, so müde war ich. Aber naja, das Kribbeln überwiegte und so legte ich die Ruten aus.

Futter frei...

Danach "Wetterschutzvorrichtung" und Liege, Ordnung: Genial- Schlafen, nee- Mist- Hunger. Schnell Fleisch auf den Grill. Gesättigt saß ich dann so gegen 18 Uhr zufrieden auf meinem Stuhl - Ruten zwei Stunden im Wasser. Aus dem Nichts: Vollrun....

Nach einem wunderbaren Bootsdrill konnte ich einen vielleicht acht kg Spiegler  keschern, der mir direkt nach dem Fang dummerweise aus den Händen glitt. Schade, hatte mich so auf Karpfenbuletten gefreut ;-). Ein guter Anfang, der Stress des Vorfütterns hatte sich also bezahlt gemacht, denn sonst fing man meistens erst am zweiten oder dritten Tag, wenn man instant an den See gefahren ist. Bis Sonntagmittag folgten noch zwei Schuppis und ein Spiegler derselben Kategorie. Genial war, dass die Fische erst morgens ab sieben Uhr bissen- nachts konnte man entspannt schnorcheln... Tobi wollte Sonntagnachmittag aufschlagen.

Sonntagmittag so gegen zwölf saß ich gerade beim  Kaffee in der Sonne, als eine Rute ablief. Kontakt, mit dem Boot rüber  und man merkte, da ist mehr Saft hinter. Ein wohlgenährter Spiegler landete nach schönem Drill im Kescher- der war fototauglich. Also abgehakt, Kescher zusammen und Richtung Ufer. Dort machte ich die Matte bereit- als, naja, Vollrun auf der anderen Rute. Blöd nur, dass der Kescher zusammengeklappt und der Spiegler noch im Netz ist. Jetzt wäre mein Angelpartner praktisch gewesen. Irgendwie schaltete ich und schmiss noch schnell meinen Hechtkescher ins Boot. An der Rute(standen übrigens im Wasser) merkte ich das der Fisch schon im Schilf war. Mit dem anderen  Fisch am Boot ging es Richtung Spot.  Glücklicherweise konnte ich den Kumpel recht schnell aus dem Schilf befreien. Und er passte auch gerade so in den Hechtkescher- ein super Schuppi. Ein Freudenschrei schallte über den See anhand dieses genialen Doppelschlags! Besser konnte es kaum laufen.

 

Der Doppelschlag...
 
Als Tobi kam, war er echt beeindruckt vom bisherigen Ergebnis und hatte genau wie ich eine Menge Spaß an der Fotosession.  Er baute alles auf, der Grill lief und wir waren sehr gespannt auf das, was noch so folgen sollte. Wir entspannten herrlich und genossen die Natur, die für diese Jahreszeit wegen des langen Winters einiges nachzuholen hatte- was Sie aber auch in den folgenden Tagen tat...man konnte Bäumen, Sträuchern und besonders dem Schilf beim Wachsen zusehen. Auch Hummeln, Bienen und Wespen kamen langsam aus Ihren Löchern gekrochen.
 
 
 
Die Natur erwacht...
 
Nachts passierte natürlich nichts... früh um kurz nach sieben, wir waren gerade am Kaffee kochen, bekam ich einen Run. Überm Fisch, kam dieser gleich hoch, kurze Flucht, und danach gleich im Kescher. Hmmm... Ok, einer von den kleinen hätte mehr Alarm gemacht. Aber da lagen halt irgendwie 98cm Schuppenpower im Kescher... Der Fisch hatte ein extremes Paddel und war makellos- hatte aber nur ein Auge- wir tauften ihn Einaugen-Piet...
 
 
"Einaugen Piet"
 
Trotz aller Erwartungen lief weiter nix über den Tag. Nachmittags  kam uns Phil für eine Nacht besuchen. Wie ihr euch schon denken könnt- nachts lief wieder nichts. Morgens- diesmal um acht, wir tranken gerade Kaffee- Lauf an Tobis Rute. Überm  Fisch, hing dieser  in einem großen Ast unter Wasser.  Gemeinsam befreiten wir den Fisch. Nach gut  zehn Minuten  tollen Drills in der Morgensonne kescherten wir einen wunderbaren Spiegler.  Am Ufer stellte sich heraus, dass es Tobis neuer PB war- besser kann die Saison kaum starten. Wir freuten uns zu Dritt tierisch, frühstückten und Phil und ich mussten los- Phil arbeiten und zur Familie, bei mir arbeiten und Uni.
 
Körperpflege=Mangelware ;-)         
 
 
 
Endlich war Tobi dran...
 
Da ich in der Stadt bis zum späten Nachmittag zu tun hatte, lohnte es sich einfach nicht mehr,wieder rauszufahren. Trotzdem konnte oder wollte ich nicht zu Hause pennen. Da ich nen Kumpel  mit ein paar Boilies und der Anweisung „Fütter, wenn du es schaffst“  hinterlassen hatte, machte ich also eine Nacht am Hausgewässer. Nach der Nacht vorige Woche waren die Erwartungen sehr hoch. Aber: Nichts- nicht ein Pieps.
 
Vielleicht hatte er die Boilies doch mit Klosteinen verwechselt- wer weiß....
 
Egal. Eingekauft hatte ich am Vortag (1. Mai...) und so ging es vormittags wieder raus. Tobi und ich hofften natürlich inständig, dass über den 1. Mai keine anderen Karpfenangler am See auftauchen würden. Aber pünktlich zum Nachmittag bauten gegenüber von uns zwei Hunter auf. Tobi hatte in der Nacht meiner Abwesenheit einen verloren. Das Wetter änderte sich aber stetig in Ostwind und  Hochdruck. Tobi musste Donnerstag und Freitag rein zum Arbeiten.  Also war ich wieder alleine. In der ersten Nacht kam ein schöner Schuppi und ein Spiegler aus der Kinderstube. Die zweite Nacht lief nichts. Klar, lag am Wetter, oder? Irgendwie hatte ich das dumme Gefühl, dass die Fische auf zu viele Schnüre und zu viel Futter im Wasser schlecht reagieren. Normalerweise hätte ich in einer solchen Situation die Stelle gewechselt, aber der See und die spärlichen Stellen gaben das nicht her... Woanders hinfahren? Eine Option, aber unser Bauchgefühl riet uns, zu bleiben. Tobi kam Freitag wieder raus, aber mein Entschluss stand fest: Ich würde ab jetzt einfach mal mit meinen Karpfenruten auf Raubfisch angeln, aber meine Stellen weiter spärlich füttern. Das zog ich bis Montag durch. Mit mäßigem Erfolg: Zwei mittlere Hechte und  ein fetter  Barsch auf Zanderköfi, sowie einige Fehlbisse. Aber Tobi  und die anderen Angler hatten auch keinerlei Karpfenaktion- daher alles richtig gemacht...
 
Am Montag musste Tobi noch mal bis Mittwoch arbeiten ich war wieder alleine. Das Wetter immer noch auf Hochdruck. Ich legte wieder auf Karpfen aus. Am nächsten Morgen gleich einen Lauf - leider ausgestiegen. über den Tag passierte nichts.
 
 
Fremdgehen muss auch mal sein!
 
Langsam änderte sich das Wetter in Richtung Tiefdruck. Optimal! Es regnete die Nacht ein wenig. Ich war guter Dinge. Morgens(wann sonst?)- Biss. Wieder ein recht harmloser Drill. Wieder ein langer Schuppi, diesmal allerdings mit zwei Augen. Etwas später kam Tobi und machte Fotos. Es stand Himmelfahrt bevor und es kam wie es kommen musste: Gegenüber von uns bauten schon mittags drei Hunter auf. Auch alle anderen Stellen am See wurden besetzt.
 
 
Noch ein langer Schuppmann
 
Es lief wie erwartet mäßig die letzten Tage, nur zwei  vom kleineren Kaliber konnten wir zum Landgang überzeugen. Aber das störte uns kaum, mein Vater kam uns noch für zwei Tage besuchen und wir genossen das Wetter, die mittlerweile wirklich in voller Blüte stehende Natur und feinste Steaks vom Grill (Danke BOLU ;-) )... Nett war auch die Sache mit den Wespen: Bei mir am und im Zelt nervten sie wirklich tierisch. Von Tobi kam der Spruch : "Hast bestimmt n Nest im Zelt!" Irrtum: ER hatte das Nest im Zelt...
 
 
Man beachte den Größenvergleich...
 
Was soll man sagen? Es war eine geniale Session mit vielen super Fischen  viel Spaß und vor allem eins: Erholung pur!
 
Nachtrag: Kaum zu Hause musste ich natürlich wieder mein Hausgewässer weiter füttern.
 
Von Donnerstag zu Freitag sollte es nach täglichem Füttern noch mal rausgehen. Vorm Fischen angelte ich noch eine knappe Stunde mit Gummi auf Hecht-  fünf schöne Kumpels... An der Stelle angekommen, warf ich die Ruten aus. Halbe Stunde später- Lauf. In der Endphase des Drills brach meine Rute ohne erklärlichen Grund, trotzdem konnte ich den Fisch sicher landen. Nur- was mache ich jetzt? Mit einer Rute weiterangeln? Ach ne! Die Spinnrute, 2,1m mit 28g Wurfgewicht (hat aber ein  starkes Rückgrat...). Rolle passte gerade so ran. Es war schon fast dunkel. Besser zum Montieren: Kopflampe... nur wo lag die? Richtig, zu Hause.... Aufgeben? Nach Hause fahren? Niemals!!! Es ging auch ohne Licht... Und es folgten noch zwei Fische die Nacht und natürlich beide auf den "Zahnstocher" von Spinnrute- geniale Drills, auch ohne Kunstlicht. Nur gut das meine Waage beleuchtet ist..
 
...ohne Worte...
 
 
 
  ..da mögen sie Zwei
Der "Rutenbrecher"
 
 
Beide auf Spinnrute...
 
 
 
Abschließend muss ich sagen, dass es einfach unglaublich schön ist, ein Hobby wie dieses zu haben. Scheinbar schlägt Murphy hart zu, nur findet man gerade, wenn alles so richtig beschissen läuft, im Fischen die Rettung und den Abstand, den man braucht. Schon komisch, dass es meistens am Wasser hervorragend läuft, wenn sonst über einem  die Welt zusammen zu brechen scheint. So kann man durchatmen und spüren, dass man lebt.
 
Leute, schätzt was ihr habt und ausübt! Wir haben die Möglichkeit, der Gesellschaft und der oft viel zu eintönigen Realität zu entfliehen und das zu genießen,worauf es ankommt: Natur, Freundschaft, und absolute Freiheit!
In diesem Sinne wünsche ich euch nur das Beste und natürlich dicke Fische!
 
Harry Huba
(Team Hauptstadthunter)