In pursuit of the Big One – Die nächste Runde

16.01.2010 16:09 | Teamberichte

Es ist Anfang Mai und ich bin mitten in den Vorbereitungen für meine Abschlussprüfungen. Zwei Wochen kostbaren Urlaub habe ich zum Lernen aufgewendet, doch es musste einfach sein. Es gibt Momente im Leben, in denen man vernünftig genug sein muss, die Angelei hinten anzustellen. Umso mehr freute ich mich auf die Woche, die unmittelbar auf meine Prüfungen folgte, denn da führte mich mein Weg einmal mehr ins gelobte Karpfenangler-Land.

Und wie schon über die Osterfeiertage zog es mich an ein ganz besonderes Wasser, das mich trotz mehrmaliger Besuche noch immer in seinen Bann zieht. Ein markanter Spiegler mit immensen Ausmaßen zieht dort auf über 200 Hektar seinen Bahnen. Ein alter Kempe, der seit einigen Jahren verschollen war, bis er schließlich von zwei Holländern erneut gefangen wurde. Irgendwann will ich diesen Karpfen in die Kamera halten – so spukt es mir seitdem im Kopf herum. Sicher ein heikles Unterfangen, doch der Mensch braucht Ziele im Leben, zumindest geht es mir so. Um es nicht zu übertreiben und den Blick nicht für andere schöne Situationen zu verlieren, beschloss ich diesen See nur maximal zwei Wochen im Jahr zu befischen. Den Rest meiner freien Zeit würde ich anderen Gewässern widmen.

Zum vierten Mal seit Frühjahr letzten Jahres stehe ich nun an seinen Ufern und wie jedes Mal frage ich mich, wo ich die Jagd nach dem Großen beginnen soll. Die Temperaturen sind für die Jahreszeit erschreckend gering. Im Wasser herrschen trotz Mitte Mai noch sehr niedrige zweistellige Temperaturen, von der bevorstehender Laichzeit und dem erhofften regen Treiben der Bewohner unter Wasser ist erst wenig zu spüren. Die erste Nacht blanke ich, doch das kenne ich von hier bereits.
 
Meist erfolgt der erste Biss nach einer gewissen Vorlaufzeit.
Dieser erfolgt am Abend und bringt mir einen dicken Spiegler, der meinen Active-Blood Pepper-Boilie ufernah in einem Krautfeld genommen hat.
Nach Einbruch der Nacht erfolgt der nächste Anbiss, wieder ist es eine ufernah platzierte Rute, die einen Fisch produziert. Bei Anbruch des Tages erhalte ich wieder einen Biss auf die Kraut-Rute. Vom Boot aus drille ich den Fisch im leichten Morgennebel. Der See liegt spiegelglatt vor mir und es ist   wahrlich nicht gerade warm für die Jahreszeit. Mit diesem perfekten Moment auf dem Wasser mischt sich aufkeimende Hoffnung, dass am anderen Ende der Schnur einer der größeren Fische hängen könnte. Lange bleibt der Fisch tief unten am Boden und zieht mein Boot in ruhigen Bahnen – mal hierhin, mal dorthin. Schließlich kann ich den Fisch keschern und verzeichne einen weiteren 30er aus diesem See. Ein weiterer schöner Fisch auf dem Weg zum Big One?
Ich muss mir dennoch etwas einfallen lassen. Am ersten Platz fange ich auch weiterhin meine Karpfen doch einer der Großen ist nicht dabei. Wie so oft habe ich schon während der ersten Tage einige weitere Spots mit Boilies präpariert.
Die flache Bucht, die ich schon vor rund vier Wochen befischte, habe ich seit meiner Ankunft kontinuierlich angefüttert. Auch wenn die Temperaturen noch nicht auf ein baldiges Laichgeschäft schließen lassen, vermute ich die großen Fische bereits in diesem Bereich. Fressen gehen sie bereits in den ufernahen Partien also fiel mir die Wahl am dritten Tag leicht – ich move!
Obwohl ich regelmäßig fing, bin ich sicher, dass ein Platzwechsel mich näher an meinen Zielfisch bringt, oder zumindest einen der Großen an meinen Haken lockt. Vor allem das dreitägige Anfüttern stimmt mich optimistisch. Die Fische hatten nun lange genug Zeit Vertrauen in meine Köder zu fassen und wurden nicht durch Rigs und Schnüre beunruhigt.
 
Wie sehr sich die Natur gewandelt hat seit meinem letzten Besuch in dieser Bucht !
Wo vor vier Wochen noch karges Seeufer lag, säumt nun dichtes, satt grünes Schilf den Gewässerrand.
 
Wie zu erwarten war blanke ich die erste Nacht am neuen Platz. Der folgende Abend bringt den ersten Fisch, der meinen Köder am Rand eines Seerosenfeldes genommen hat. Dieser ist überraschend klein für diesen See und wiegt nur etwa 20 Pfund. Die Nacht bringt weitere Fische dieser Gewichtsklasse und am Morgen bin ich doch ein wenig frustriert. Immer noch kein größeres Exemplar, stattdessen fange ich hier so kleine Fische, die mir in meinen vorherigen Trips nie begegnet sind.
Die anderen Flachwasserbereiche werden leider schon von anderen Karpfenanglern belegt und auch auf meinem ersten Platz sitzt mittlerweile ein anderer Kollege unserer Zunft. Ich bin hier an meine Bucht gefesselt. Ich werde es die letzte Nacht aussitzen müssen, da ich keinen besseren Platz in Aussicht habe.
Meine Hakenköder habe ich die letzten 24 Stunden über im Seewasser eingelegt. Sie gleichen damit meinen Futterboilies, die auch schon geraume Zeit im See liegen. Die großen, vorsichtigen Fische fassen somit eher Vertrauen und saugen weniger argwöhnisch meinen Boilie ein.
Trotz aller Überlegungen verläuft die letzte Nacht wie die vorherige. Eine Armee kleiner Karpfen um die 20 Pfund macht mir das Leben schwer. Lediglich einen besseren Fisch mit  28 Pfund kann ich überlisten.
Dabei habe ich alles versucht. Meine eingeweichten Boilies habe ich als Single Hookbait angeboten, „Lucky 7“ gefüttert, ein ganzes Kilo um den Haken verteilt und auch außerhalb meines großen Futterplatzes meine Rigs platziert. Es brachte keinen der Großen ans Band.
Am Samstag Morgen nehme ich Abschied. Für mich beginnt nun ein neuer Job und meine geliebten Frankreich-Touren sind für die kommenden sechs Monate gestrichen. Ich werde mich nun auf zwei kleinere Baggerseen in meiner Region konzentrieren
Im November ruft dann endlich wieder die Freiheit. Für eine Woche geht es in die Bretagne, denn auch dort kann man große Karpfen fangen. Ich hoffe ich finde gegen Ende des Jahres noch Zeit, um an den Wochenenden meinem Zielfisch nachzujagen. Denn ganz aus den Augen möchte ich ihn nicht verlieren.
Die Zielfischjagd kann einen sicher in den Wahnsinn treiben, wenn man nicht aufpasst. Vor allem der Umstand, dass der See relativ groß ist, kann heftiges Magengrimmen in einem hervorrufen. Effektiv kann der Big One überall sein, doch eines Tages wird er an meinem Rig nicht vorbeikommen.
Wie lange es wohl noch dauern wird? Schwer zu sagen – aber beim nächsten Anlauf steigen die Chancen. Nach jedem Trip weiß ich ein bisschen mehr und eines Tages muss ich ihn fangen.
Die nächste Runde wird kommen. Ganz bestimmt.
 
Pascal Bouillon