How would you like to suck my balls, Mr. Garrison?!?

27.11.2011 00:00 | Teamberichte

Der nette Dialog zwischen einem besorgten Pädagogen und einer Horde verzogener, amerikanischer Mittelstands-Kidsbegleitet Kevin und mich jetzt schon einige Jahre – und jedes Mal freuen sich erwachsene Leute über diesen Stumpfsinn sondergleichen ein Loch in den Arsch.

Manche Dinge ändern sich nie. So wie die Tatsache, dass der Herbst die vielleicht schönste Jahreszeit ist um Karpfen zu angeln. Klar, dass Kevin und ich unbedingt noch einmal zusammen los ziehen wollten, hatten wir doch in den vergangenen Jahren gerade um diese Zeit stets gute Ergebnisse am Wasser erzielen können.

Im Mai hatten wir uns ein Gewässer auserkoren, über das ich auf www.selfmade-baits.de bereits berichtet habe. Leider war auch dieses Wasser nicht sicher, denn Kevin waren kürzlich die Reifen seines Autos platt gestochen und ein anderer Angler zusammengeschlagen und seines Tackles beraubt worden. Also wieder nichts!

Wohin soll das alles führen?

Trotz allem zurück ans Wasser! Kevin hatte 750 und ich gute 650km Strecke zu bewältigen, doch am Morgen des 12. November standen wir am Ufer eines hübschen Wassers, das wir in den kommenden sieben Tagen beackern wollten.

Was nun kam war Routine. Wir schauten uns den See an, entschieden uns für einen Spot, der relativ zentral im tieferen Bereich lag und fütterten ein wenig an.

Wieder einmal kamen die allseits beliebten Eco & Pure-Shellfish zum Einsatz. Ein Köder, der einfach zu jeder Jahreszeit an jedem Gewässer da draußen funktioniert. Wir hatten 14er, 22er und 30er Dumbells am Start und ließen den Futterplatz die ersten 24 Stunden ruhen.

Oftmals ist genau diese Taktik die richtige. Es ist besser die Fische erstmal fressen und die Ruten am Ufer zu lassen. Uns wurde dennoch nicht langweilig, denn wir hatten uns ein halbes Jahr nicht mehr gesehen und es gab jede Menge zu erzählen. Dass uns hier der ein oder andere Humpen Krachmatov unterstützte ist durchaus keine Schande. Kevin und ich können uns aufgrund der unterschiedlichen Muttersprachen nur auf Englisch unterhalten, und da lockert das ein oder andere Gläschen definitiv die Zunge und hilft dem eingerosteten Sprachvermögen auf die Sprünge.

Unsere Ruten haben wir schon im Vorfeld montiert. Im leicht angeknockten Zustand begutachten wir nachts unsere Rigs und stellen eins fest: Wir sind mal wieder so richtig geil aufs Angeln.

Der Morgen beginnt standesgemäß mit einem Kaffee. Dann werden die Latten klargemacht.

Wir haben vor uns Wasser mit Tiefen bis zu knapp 4m. Unsere Fallen platzieren wir an den Kanten, im Freiwasser und am seicht abfallenden Ufer einer kleinen Bucht.

Beide vertrauen wir neben Boilies von Selfmade-Baits auf Bleie von www.carpleads.de. Während Kevin auf das hit and run- system von PB baut, fische ich ein einfaches Bolt- Rig. Bei meinem System klinkt sich das Blei nach dem Biss direkt aus – ein Punkt, der beim Fischen mit dehnungsarmer, geflochtener Schnur sehr wichtig ist, da sonst das Risiko eines Fischverlusts steigt.

Unsere Schnüre senken wir ab. Nicht nur um sie damit unauffälliger für umherziehende Karpfen zu machen, sondern auch um beim Drillen und hantieren mit den Booten nicht in Kontakt mit unseren Leinen zu geraten. Kevin fischt slack line; die beste Möglichkeit eine monofile Hauptschnur auf dem Boden zu halten. Bei meiner geflochtenen Hauptschnur helfen kleine Backleads um diesen Effekt zu erzielen.

Gegen Mittag klingelt es nach etwa zwei Stunden das erste Mal. Wir sind überrascht, dass der erste Biss so schnell kommt, da wir am Vortag erst rund 15kg Boilies versenkt haben.

Kevin fängt einen arg zugerichteten Fisch mit eingerissenem Kiemendeckel und tiefen Schnitten am ganzen Körper, die wohl von einer geflochtenen Schnur stammen. Schade. Manche Leute wissen wohl noch immer nicht, dass beim Fischen mit dünnem Geflecht unbedingt eine dicke Monoschlagschnur vorgeschaltet werden muss.

Schnell setzen wir den Fisch zurück und hoffen, dass er den Winter gut übersteht.

Das Fazit nach 24 Stunden sind etliche runs mit Fischen bis knapp 20kg.

In den nächsten Tagen fangen wir ganz beachtlich. Daher füttern wir auch fleißig und ich bin froh, dass sämtliche Boilie- Restbestände so endlich Verwendung finden. Nicht weniger als   7 Sorten verschiedener Boilies finden den Weg in die trüben Fluten. Die Karpfen sind so richtig in Fresslaune und stürzen sich auf alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Eine solche gute Bissausbeute gibt einem die Möglichkeit einiges auszuprobieren.

  • Fangen schneeweiße Scopex+ Boilies auch im Herbst an französischen Schlammseen?
  • Funktionieren Rigs mit nur 6cm Länge auch bei Bodenködern?
  • Reduzieren große Boilies die Anzahl der Bisse, erhöhen aber das Durchschnittsgewicht?

Die Antwort lautet in allen drei Punkten „ja“.

Das Wetter spielt mal wieder richtig gut mit in den kommenden Tagen. Zwar nicht im Sinne von einem herbstlichen Karpfenwetter mit Regen und Sturm, aber es ist auch einfach mal schön bei Sonnenschein und kühler Luft draußen zu sein. Im Zuge dieses Wetters kommen so gut wie alle Bisse in den sternklaren und lausig kalten Nächten.

Den Höhepunkt macht die Nacht von Dienstag auf Mittwoch, in der Kevin insgesamt siebenmal und ich fünfmal zu den Ruten renne. Schwerstarbeit ist angesagt, aber wir haben Spaß.

Nach sechs Nächten, 42 runs und unzähligen Kilo Boilies endet dieser tolle Trip.

Wir sind körperlich ziemlich am Ende, aber glücklich.

Mit etwas Wehmut nehmen wir Abschied. Das Gewässer ist schön, aber beherbergt noch zu viele kleine Karpfen. Irgendwann, vielleicht in fünf Jahren werden wir wieder an seine Ufer zurückkehren. Dann sind die Fische hoffentlich gut abgewachsen und die Chance auf ein richtiges Ungetüm ist höher.

Natürlich schmerzt es auch jedes Mal, wenn sich der Spätherbst dem Ende zuneigt. Bald wird der Winter Einzug halten und unsere Gewässer mit einer Eisschicht überziehen. Dann beginnt die härteste Zeit im Leben eines Anglers. Ein Trip in südliche Gefilde oder ein Fließgewässer schafft hier ein wenig Kurzweil um die Zeit bis zum Frühling zu überbrücken.

Dann endlich beginnt ein neues Angeljahr.

Der Winter lässt einem mehr als genug Zeit, sich über die eigene Angelei Gedanken zu machen, nach neuen Gewässern Ausschau zu halten und sich beim Besuch auf einer der zahlreichen Messen mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Angeln ist etwas Wunderbares. Hoffentlich können wir noch viele Jahre so weitermachen und uns den Spaß und das Abenteuer noch lange erhalten. Ich wünsche es jedem aufrechten Karpfenangler da draußen.

A la bien

Pascal