Frühlingsbegrüßungsangeln

23.12.2015 10:59 | Kundenberichte

Unser alljährliches „Frühlingsbegrüßungsangeln“ zum Saisonstart sollte, wie die letzten Jahre auch, in Frankreich stattfinden. Am 3. Mai war es endlich soweit. Nach langer Vorfreude, vielen Abenden, die wir mit „fachsimpeln“ verbracht haben, fuhren Nils, ich und ein guter Freund von uns morgens um 2 Uhr Richtung Frankreich.
 
Die Fahrt verging trotz der Anhänger im Schlepptau wie im Flug und so standen wir morgens um 9 Uhr ziemlich müde und ernüchtert am See. Es empfingen uns Dauerregen, 11 Grad Lufttemperatur und ziemlich lange Gesichter der anderen Angler am See. Uns wurde von allen Seiten berichtet, dass ziemlich wenig beißt und es seit über einer Woche nur am regnen ist…
 
„Das sind ja tolle Voraussetzungen“ haben wir uns gedacht, aber abwarten und nicht die Flinte ins Korn werfen. Wir machten die Boote klar und fuhren zu unseren bevorzugten Plätzen, die uns die letzten Jahre auch schon gute Fische gebracht haben. An den Plätzen angekommen, gab es die nächste Enttäuschung. Auf den Plätzen saßen anscheinend zuvor andere Angler und haben uns eine Schlammwüste hinterlassen. Überall knöcheltief Schlamm und Pampe!!! So ein Mist… Aber jetzt waren wir schon hier und wollten es auch probieren!
 
Also die Boote entladen, das Camp errichten und die Ruten klar machen. Auf der Fahrt zu den Plätzen bemerkten wir schon, dass unser Bereich des Sees viel dunkleres Wasser aufwies als das des vorderen Teils. Schnell fanden wir des Rätsels Lösung. Seitlich von unseren Plätzen gelegen läuft ein kleiner unscheinbarer Graben in den See der durch die langen Regenfälle zu einem kleinen Bach angeschwollen war und jede Mengen Schlammwasser aus einem höher gelegenen anderen See in unseren Bereich leitete. Wir bekamen trotz des schlechten Wetters schlagartig bessere Laune, als wir dies sahen. Wo sollten sich die Fische den sonst aufhalten wenn nicht in diesem Bereich?!
 
Uns hielt nichts mehr auf und so ging es erst einmal darum, das Futter anzumischen. Aus der Vergangenheit wussten wir, dass die Fische in diesem See auf kleines Futter stehen. Davon hatten wir auch reichlich im Gepäck. Wir hatten etliche Kilo an 14 mm und 18 mm Boilies, einige Tüten Stickmix und Pellets im Gepäck. Um das Ganze noch zu verfeinern, haben wir noch einige Flaschen Liquids eingepackt. Hauptsächlich vertrauten wir auf die Sorten Shellfish +, Amino-Fish und um für eine bisschen Süße zu sorgen auf Sweet Insect und Scopex. Um noch größere Plätze zu erhalten, war unser Plan, auch zusätzlich großflächig mit Hanf und Tigernüssen anzufüttern.
 
Die Plätze waren schnell gefunden. Nils suchte sich Plätze in Entfernungen zwischen 90 und 120 m. Ich legte mir 2 Plätze, einen direkt vor dem Einlauf und den anderen auf ca. 100 m an. Den Platz vor dem Einlauf wollte ich für die erste Nacht nur befüttern und erst am 2. Tag dort angeln. Unser gemeinsamer Freund angelte mit allen 4 erlaubten Ruten auf volle Wurfdistanz.
 
Nachdem die Ruten lagen und die Plätze gefüttert waren, begann der gemütliche Teil des Urlaubs. Der Havanna schmeckte hervorragend und an diesem Abend ging es nach der anstrengenden Fahrt auch sehr zeitig auf die Liege.
 
Morgens dann die Ernüchterung: Es hat sich nichts getan obwohl wir fest damit gerechnet haben. Aber es half ja nichts. Also die Ruten kontrollieren und neu auswerfen. Ich warf nun auch den Platz mit 2 Ruten an, den ich am Abend zuvor nur gefüttert hatte. Unsere Stimmung war jedoch super! Es gab über Nacht einen kompletten Wetterumschwung der sich noch zu unserem Vorteil entwickeln sollte… Die Sonne zeigte sich von der schönsten Seite und brannte vom Himmel.
 
Wir waren gerade mit dem Frühstück fertig, als sich eine meiner Ruten vor dem Einlauf meldete. Hätten wir da schon gewusst, was ab dem Zeitpunkt passiert hätten wir es nicht für möglich gehalten…
 
Ab diesem ersten Biss verlief der ganze Urlaub wie in Trance. Es ist uns mittlerweile unmöglich zu sagen, wann welcher Fisch wie und worauf gebissen hat. Absolut verrückt!  Es kam Biss auf Biss… Teilweise Doppel-, Dreifach-und einmal sogar Vierfachruns.
 
Wir unterstützten uns die ganzen Tage gegenseitig mit drillen, keschern und fotografieren. Es gab immer irgendwas zu tun. Wir waren neben den ganzen Fischen nur noch mit  den Ruten beschäftigt. Neue Vorfächer binden, werfen und füttern, füttern, füttern… Es war der Wahnsinn! Leider haben wir nicht bemerkt, wie stark die Sonne doch schon ist und wir holten uns alle ordentliche Sonnenbrände aber diese nahmen wir gerne in Kauf! Sowas erlebt man nicht alle Tage.
 
Es machte richtig Spaß zu sehen, wie die Fische auf unser Futter reagierten. Jeden Morgen und Abend mischten wir unseren Mix, bestehend aus: 14 mm Boilies, Stickmix, gecrushten Boilies, Hanf, Tigernüssen und verschiedenen Liquids an und verteilten diesen mit der Spomb auf unseren Plätzen. Man konnte sehen wie die Fische zu unseren Plätzen zogen und kurze Zeit später kreischten auch schon wieder die Bissanzeiger.
 
Die anderen Angler am See trauten gar nicht ihren Augen, was bei uns los war und packten nach und nach resigniert ein, obwohl der Wind auf deren Plätzen stand und dies in der Vergangenheit eigentlich die besseren Plätze waren. Aber wer das bessere Futter hat, der fängt halt besser ;-)
 
Nach 6 Tagen war es leider an der Zeit einzupacken. Fazit des Urlaubs für uns drei: 167 Läufe davon ca. 140 gelandet. Leider blieben die ganz großen Fische aus aber das störte uns überhaupt nicht! Jetzt war genug Motivation "getankt", um in der Heimat an die schwierigen Gewässer zu ziehen.
 
Wir freuen uns schon auf den nächsten Frühling, da heißt es wieder: "Ab nach Frankreich!"
 
Tight Lines

Christian Ebert