Eine Reise in die Vergangenheit

30.01.2013 19:24 | Teamberichte

Für die erste Mai-Woche hatte ich einen Trip in meine alte Heimat rund um Köln geplant, einige berufliche und private Verpflichtungen waren der Aufhänger. Zudem sollte ein Treffen mit anderen Karpfenanglern an einem See stattfinden. Als dieses jedoch abgesagt wurde, stand ich vor der Frage, was ich nun alleine anfangen sollte und entschied mich für eine anstrengende, jedoch für mich sehr emotionale Lösung: Ich besuche einfach den See, und wenn möglich genau die Stelle, an der ich vor 35 Jahren meinen ersten Karpfen gefangen habe. Nur war es damals so, dass wir Jugendlichen mit dem Fahrrad zum See fuhren und dies zum Transport des damaligen „Tackles“ auch vollends ausreichend war. Heute jedoch, aber wem erzähl ich das, wird „ein wenig“ mehr benötigt und der See ist nicht mit dem Auto anfahrbar. Nein, man muss sich ca. 1.5 km durch den Wald quälen. Aber das war mir egal und so suchte ich mein altes Trolley raus und machte mich auf den langen Weg. Den Vorabend noch bei meinem Bruder in Köln verbracht und dann ging es am 01. Mai zum Wasser. Der Weg vom Parkplatz war eine einzige Qual, der Trolley sauschwer zu schieben und ich brauchte wegen vieler Pausen anderthalb Stunden. Irgendwann war es aber geschafft und die Stelle, ja sogar die ganze Seeseite frei. Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten doch so einiges verändert. Aus dem alten Tagebausee ist ein schmuckes Gewässer geworden und was früher noch teils öder Schotterboden war, ist einem Schilfufer gewichen.

Da Boote weder vorhanden noch gestattet sind, musste die gute alte Lottechnik herhalten. Hm, früher war uns das egal, da feuerten wir die mit Vanilleteig bestückten Birnenblei-Laufmontagen mit Hilfe der Billig-Teleskopruten einfach so weit raus, wie es ging (und das war nicht weit) und fingen unsere Satzkarpfen (wir wussten gar nicht, dass es andere Größen gab…). Heute jedoch ist der Anspruch ein anderer und ich versuchte zumindest, mir ein genaueres Bild des Sees zu machen. Zum Glück gab es kein Krautproblem und ich konnte einen kleinen Futterplatz mit der Futterrakete in angenehmer Wurfentfernung anlegen. Ich hätte gerne direkt am Ufer geangelt, doch war dies hier nicht bzw. nur bedingt möglich, da dort ein Wanderweg rund um den See verläuft. Ich versuchte es anfangs, jedoch ohne große Aktionen. Das Wasser war noch sehr kalt, kein Wunder bei dem langen Winter, und ich rechnete mir nicht wirklich etwas Verwertbares aus. Andere Karpfenangler erzählten mir, dass sie in einem anderen Seebereich seit 3 Tagen keinen Biss hatten, andere jedoch in den letzten Tagen 14 Fischen fingen, wieder woanders und dort in recht großen Tiefen von bis zu 6 Metern. Hmm, nix da, ich bleibe jetzt hier und ziehe das die 3 zur Verfügung stehenden Nächte durch. Gewöhnungsbedürftig waren die vielen Wanderer etc. direkt hinter mir. Das ist man nun mal gar nicht gewohnt, wenn man sonst nur einsam und alleine in den norddeutschen Weiten herumsitzt.  Teilweise hatte ich das Gefühl, ich sitze an der Laufstrecke einer Nordic Walking Meisterschaft. Aber alles lief geschmeidig und man gewöhnt sich ja an alles, so auch an nette Konversation mit älteren Damen. Am zweiten Abend, ich hatte nach dem Tagestrubel doch noch eine Rute mit einem 14er Essential Spice Boilie, das Blei garniert mit einem süßen Grundfuttermix, in Ufernähe platziert, erhielt ich einen Biss auf ebenjene Rute.

 

Nein, der erhoffte Karpfen war es nicht, dafür konnte ich mich über eine prächtige Schleie von 59 cm Länge und  fast 7 Pfund Gewicht freuen!  Am nächsten Morgen war mir auch der Karpfengott gnädig und schickte mir noch einen Spiegler von 18 Pfund an die mit einem ebenfalls nur 14 mm kleinen Liver plus Knödel versehene Montage die weiter draußen im See lag. Ich hatte mein Ziel erreicht, dreieinhalb Jahrzehnte nach meinen ersten Erfahrungen habe ich an exakt gleichem Ort einen Karpfen gefangen, ein schönes Gefühl.

Einen weiteren Karpfen verlor ich später noch im Drill. Das machte aber nichts, ich genoss den Rest der Zeit, bekam Besuch von einem alten Arbeitskollegen, plauderte mit anderen Anglern und versuchte, den Gedanken an den strapaziösen Rückweg (bergauf!!!) zu verdrängen. Glücklicherweise habe ich mir aber den Trolley noch einmal etwas genauer angeschaut und durfte feststellen, dass ich beim Zusammenbauen einen Fehler gemacht hatte, so dass das Rad nicht frei laufen konnte sondern schliff. Kein Wunder, dass das so schwer ging, ich Idiot…  Am letzten Morgen durfte ich noch eine Schellente davon überzeugen, dass es keine gute Idee ist, den Anglern die Boilies wegzutauchen und bat sie, diese Message ihren Brüdern und Schwestern mitzuteilen. Dann hatte der Trip in die Vergangenheit aber auch schon ein Ende und ich schob mein Gefährt gen Parkplatz. Ein schöner Trip mit netten, gar nicht maulfaulen Kollegen und zumindest einigen wenigen Fischen.

Gruß Sven Brux