Die Rhone knacken – Part 1

01.02.2013 11:46 | Teamberichte

Im sogenannten Wonnemonat Mai sollte es mal wieder nach Frankreich gehen. Zum ersten Mal sollte mich mein ältester Angelkumpel Antonio ins Ausland begleiten. Der alte Baggerseespezi am großen Strom , da gab es im Vorfeld viel zu diskutieren, das Tackle aufzurüsten etc. Aber endlich sollte es losgehen und wir trafen uns am Abend des 20. Mai in einem günstigen Hotel nahe Lyon, um noch einmal eine Nacht bequem zu schlafen. Schon der andauernde Regen auf der Hinfahrt ließ mir die Sorgenfalten ins Gesicht schießen, inwieweit der übernasse Frühling Auswirkungen auf die Rhone hatte, schließlich ist auch die Schneeschmelze in den Alpen im Mai noch lange nicht abgeschlossen. Dennoch ging es am nächsten Morgen voller Tatendrang los und nach gut 100 km standen wir am Strom. Die zuvor recherchierten Plätze waren aber sämtlichst nicht beangelbar:  Eine kaffeebraune Brühe schoss talwärts und brachte obendrein massiv Treibgut mit sich. Nach etlichen weiteren Besichtigungen entschieden wir uns, es oberhalb eines Seitenarm-Stauwehrs zu versuchen, wo das Wasser auf hohem Niveau ruhig war. Die Stelle war zwar ortsnah gelegen und stellte mitnichten das dar, was man als naturnahes Angeln bezeichnet, doch es blieb uns ja nichts anderes übrig. Um es kurz zu machen: Trotz insgesamt erlaubter 8 Ruten und etlicher Köder- und Montagenversuche kamen wir in zwei Nächten nicht über die eine oder andere Brasse hinaus. Wir brachen also wieder auf und fuhren noch einmal ca.150 km stromabwärts. Überall jedoch das gleiche Bild: Hochwasser, angeln nicht möglich. Wir fuhren in ein Angelgeschäft, um uns dort nach Alternativen zu erkundigen. Nett, wie die Kollegen dort meist sind und mit Hilfe der Übersetzung einer zufällig anwesenden, englischsprachigen Freundin eins Anglers wurde uns ein Baggersee empfohlen, der wie so viele andere in unmittelbarer Flussnähe lag. Dort angekommen die nächste Ernüchterung: Hier wird ganz offensichtlich viel geangelt, die Plätze und die unmittelbare Umgebung sahen entsprechend vermüllt aus, traurig. Es waren jedoch keine anderen Angler anwesend (kein Wunder, bei dem immer noch anhaltenden kühlen und feuchten Wetter), so dass wir uns zwei nah beieinander liegende Stellen sichern konnten, von denen wir weite Teile des ca. 10ha kleinen Lochs befischen konnten.
 
Wir bauten aber am Abend nur noch die Zelte auf und hauten uns hin. Am nächsten Morgen lachte jedoch die Sonne und die Laune stieg merklich. Nach einigen Stunden lagen die Montagen an unterschiedlichen Stellen: Von ufernah unter Bäumen bis zu 6m Tiefe im Niemandsland. Bereits beim Aufbau tauchte ein Jugendlicher mit seinem Fahrrad auf und textete uns zu. Er erzählte so einiges über dieses und weitere Gewässer, so dass wir ein wenig über den Bestand erfuhren. So unter anderem, dass es in „unserem“ See auch große Graser gäbe und dies der Grund für das nicht vorhandene Kraut sei. Sollte uns recht sein und das Angeln selbst war auch dementsprechend unspektakulär. Wir fütterten die Spots maßvoll mit Partikeln, Groundbait und Boilies an, wobei ich vornehmlich auf Scopex+ und Essential Spice setzte, während Antonio die fischigen Varianten von Selfmade Baits bevorzugte. Um es kurz zu machen: Wir fingen dort eine ganze Reihe von Spieglern und Schuppis. Die meisten hatten Anfang 20 Pfund und die größten Anfang 30. Den Angeldruck sah man aber an den doch arg lädierten Mäulern. Als wir jedoch feststellten, dass die fortwährende Knallerei in unmittelbarer Umgebung des Sees von einer Tontaubenschussanlage herrührte und sich am Wochenende der Andrang ortsansässiger Angler verstärkte, sahen wir uns nach Alternativen um, die eine größere Herausforderung darstellten. Schließlich hatten wir bereits Fisch gefangen, der Blank war also abgewendet und wir konnten „etwas wagen“.
 
 
Das Wagnis lauerte gleich um die Ecke in Form eines etwa 20ha großen Sees. Dieser wies nur wenige Angelstellen auf und war obendrein sehr verkrautet. Wie sehr, stellten wir aber erst fest, als wir umgezogen waren und eine erste Erkundungstour mit den Booten machten. Er war SEHR!!! Verkrautet. Im Klartext: Der Dschungel wütete bis an die Oberfläche und es dauerte eine Ewigkeit, bis wir genug krautfreie Minispots entdeckten, um die Montagen zu platzieren. Dies wurde durch den Ausfall des Echolots noch erschwert. Wir mussten die komplette Angelei umstellen, aber egal, der See roch durchweg nach guten Fischen. Dann aber hörbar ein „platsch“, gefolgt von einem „platschplatsch“. Nein, das wird doch nicht etwa…? Doch, sie fingen an zu laichen! Wir konnten etliche schöne Karpfen erbeuten, jedoch nur auf Speicherkarte vom driftenden Boot aus. Das war zwar ein tolles Erlebnis, drückte aber natürlich unsere Erwartungen enorm. Wir entschlossen uns trotzdem, zu bleiben, denn erstens hatten wir keinen Plan C in der Tasche und zweitens heißt es ja, dass niemals alle Fische eines Sees gleichzeitig laichen. Wir legten die Montagen also mit größtmöglicher Vorsicht an den wenigen möglichen Spots ab und versuchten, diese Vorgehensweise immer mehr zu optimieren. Wir wechselten von monofiler auf multifile Hauptschnur und zurück (hatte nämlich beides Vor- und Nachteile), experimentierten mit PVA und single hookbaits und noch einiges mehr. Tatsächlich stellten sich nach einiger Zeit die ersten Erfolge ein, die uns nur mehr anspornten. Das treibende, abgerissene Kraut war zwar sehr nervig und wir hatten kaum Zeit zur Muße, doch das ist es doch, was wir wollen! Die Krebse holten sich auch ihren Teil, so dass ich verstärkt auf die härteren hookbaits setzte.
 
 
 
 
Dass die beim Ausbau der Kanal-Rhone entstandenen Baggerseen schon einige Jahrzehnte bestehen, merkt man u.a. daran, dass die Ufer schon sehr zugewachsen sind und sich auch so manches Hindernis am Gewässergrund findet. Wie im Hauptstrom mussten also starke Schlagschnüre eingesetzt werden. Wir hatten dann aber irgendwann den Dreh raus und konnten trotz der immer noch laichenden Karpfen einige Artgenossen zu einem kurzen Landgang überreden. Die Fische waren auch wesentlich jungfräulicher als im Nachbarsee und die Drills waren, zumal in der Nacht bei den zugewucherten Ufern, spannend und lange nicht immer von Erfolg gekrönt. Es waren zwar keine Monster dabei, doch mit Exemplaren bis Mitte 30 Pfund darf man sich schon mal zufrieden geben, wenn auch sonst alles stimmt, was einen netten Urlaub ausmacht, gerade in Frankreich: Lecker Essen, ein schöner Ausblick, zumindest teilweise sonniges Wetter. Bei mir erwies sich erneut der Essential Spice als Erfolgsgarant und im Gegensatz zu manch Kollegen freute ich mich sehr über den Beifang einer 7-pfündigen Schleie. So gingen die 5 Tage an diesem versteckten Kleinod auch rasch zu Ende und wir konnten zufrieden die lange Heimreise antreten. Insgesamt 56 Karpfen trotz Laichzeit und bei arg wechselnden Temperaturen darf man ruhig als Erfolg ansehen. OK, eigentlich wollten wir ja die Rhone rocken, doch da war das Hochwasser vor. Also haben wir das Beste daraus gemacht. Dass ich das aber nicht auf sich beruhen lassen wollte, war mir klar und so machte ich mich gut drei Wochen später erneut auf den Weg nach Südfrankreich. Doch das ist eine andere Story, die im nächsten Teil erzählt wird…
 
Sven Brux
Team Selfmade-Baits