Der Kleinste fängt den Größten

19.01.2011 09:53 | Teamberichte

  

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Traditionsgemäß zu Ostern sollte die Karpfenangel Saison 2011 mit einer mehrtägigen Session an unserem Hausgewässer eingeläutet werden. Auch dieses Mal waren Markus und seine routinierte Freundin Milla mit von der Partie. Wesentliche Neuerung im Vergleich zu den letzten Jahren war, dass mein Sohn Finn, dank Erwerb der Roten Scheins im letzten Jahr, nun zum ersten Mal ganz offiziell mit eigener „Karpfenrute“ antreten konnte. Begleitet werden sollte er von seinem Freund Joachim, der (noch) Nichtangler ist.

Eine Woche vor Beginn der Session am 15.04. trafen wir uns mit Markus am See, um die Futterstrategie zu besprechen. Drei Futteraktionen setzten wir für die kommende Woche an, und legten dabei die Futter-spots (2 x 3 + 1 Ruten) für jeden individuell fest. Finn wählte für seine Rute eine Stelle, die von der Struktur her eigentlich optimal ist, aber in den letzten Jahren nur mäßig Fisch gebracht hatte - ganz im Gegensatz zu den ersten Jahren, in denen wir den See befischten. Eine flach ins Wasser hinauslaufende Uferbank, die durch eine Rinne geteilt wird. Hier, wie auch an den anderen Stellen, fütterte dann jeder, was er zu füttern meinte. Finn und ich beschränkten uns im Wesentlichen auf 3 x 1,5 kg Active Scopex+ sowie Red-Shellfish Boilies für alle spots. Also ein sehr zurück-haltendes Füttern, da die letzten Tage kühl gewesen waren. Markus fütterte seine Hausmarke, sowie Pellets und Tigernüsse und andere Partikel zusätzlich. Aus Zeitgründen war es mir nicht möglich, rechtzeitig Partikel anzusetzen. Netterweise gab Markus die eine oder andere Kelle dieses hervorragenden Frühjahrsfutters auf unsere spots dazu, als er für uns zum Füttern ging.

Samstag, den 16., am frühen Nachmittag, wurden endlich unsere Ruten platziert.

Finn legte einen selbstaufgezogenen SchneemannActive Scopex+ mitPineapple-Dumbel in eine schöne Wolke aus Active Scopex+ Bröseln, die sich durch das Aufplatzen des PVA Beutels gebildet hatte. Ich experimentierte ein bisschen mit halb Sinker / halb Popper und Belachan-Pasten-Konstrukten, bzw. tat es Finn nach, allerdings auch mit Erdbeer-Dumbels. Endlich konnte es los gehen ...

Während Markus, der schon eine Nacht vor uns da gewesen ist, 2 Fische hatte landen können, und tagsüber noch der eine oder andere Fisch von Markus und mir gefangen wurde, fristet Finn’s Rute auch um Mitternacht noch regungslos ihr Dasein.

Nachts, gegen 3 Uhr, heult endlich Finns Askari-Pieper durch die nächtliche Stille. Finn liegt mit seinem Kumpel Joachim im großen Zelt, während ich in einem 1 Mann Zelt (das sich aber 2 Mann Zelt schimpft ;-)) etwas dahinter liege. Während ich in die Gummistiefel stürze, höre ich Ächzen, Murmeln und leises Poltern im Nachbarzelt. Kurz darauf stehe ich am Ufer, mit der gekrümmten Rute in der Hand, Finn nah hinter mir. Sofort übergebe ich ihm die Rute und heiße ihn eifrig zu pumpen, während ich Finn’s Schwimmweste packe. Nun gilt es, das Boot sauber unter Markus Rute hindurchzufädeln, den hunter einzuladen, und dem Fisch entgegen zu fahren. Alles klappt erstaunlich reibungslos. Da eine gewisse Grobmotorik in der Familie liegt, hätte es auch anders ausgehen können. ;-) Beispielsweise wie am Tag zuvor, als ich am Ufer vom Tackle-Boot in den als zu flach eingeschätzten See gesprungen bin – in Wathose, die sogleich halb voll lief.

Wir bewegen uns pumpend und langsam auf den Fisch zu. Überwiegend drillt Finn, während ich ihn von hinten festhalte. Kurz übernehme ich die Rute, um die Situation besser einschätzen zu können. Die prekäre End-Phase, wenn der Fisch unter dem Boot dahin zieht, meistert Finn souverän. Guter Einsatz der Bremse, und im richtigen Augenblick pumpen. Kurz darauf keschere ich den Fisch. Ein erster Blick mit der Kopflampe in den Kescher, und ich ahne: das ist einer der Augenblicke, von denen wir noch in vielen Jahren erzählen werden.

Wir richten den Fisch mit dem Kopf in Fahrtrichtung aus, und gleiten in Schleichfahrt dem Ufer entgegen, wo Markus bereit steht, um uns in Empfang zu nehmen.

Finn ist aufgeregt, und (seltsam ;-) ) ruhig zugleich. Er scheint die Besonderheit des Moments – in mitten der Frühlings-Nacht auf dem stillen See - tief in sich aufzunehmen.

Markus staunt nur Bauklötze. Ein Fisch, der schon einmal gefangen, und dann, weil er nicht sinnvoll verwertet werden konnte, wieder eingesetzt worden war.

Die Waage bleibt bei 22 kg stehen. Biggest fish ever caught in this lake!

Finn ist nun doch etwas aus dem Häuschen. Und wir alle freuen uns tiefsten Herzens mit ihm. Da er aber auch ermattende blanks kennt, wird ihn das sicherlich keinen ungesunden Höhenflug verpassen.

Am nächsten Tag teilen Vater und Sohn sich einen Fisch. Nachts darauf, im hellen Mondlicht, legt der Herr Seekönig noch’nen wilden 28 Pfünder nach.

Kurzum, eine gelungene Session!

Vor allem die Jungs haben ihren Spaß gehabt, und sehr gute Dienste geleistet, insbesondere was komplizierte Bootslandemanöver zwischen zwei engstehenden high-pods angeht! Danke, Joachim!!

Viel wichtiger ist mir aber, als Vater, dass die Jungs viel in der Natur herumgestreunt sind, Molche und Frösche gefangen und sorgsam zurückgesetzt, sowie ihre Phantasien ausgelebt haben. Für mich hat Angeln mit Kindern auch viel mit Natur-Erziehung zu tun. (Auch wenn die PSP im Zelt das eine oder andere Mal doch zum Einsatz kam, ebenso wie die neue Digital-Kamera. Technisches Verständnis ist halt auch wichtig ... ).

Ach ja, gefangen haben wir, Finn und ich, unsere Fische überwiegend auf Active Scopex+ Boilies, mit einem Pine-Apple oder Strawberry-Dumbel obendrauf. Wir haben alle Montagen in PVA Bags mit gecrushten Active Scopex+ sowie Belachan-Flocken gepackt.

Viele Grüße

Antonio Rogmann, Team Selfmade-Baits