Das Herz eines Anglers

23.10.2010 15:25 | Kundenberichte

Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge. 
Wilhelm Busch
 
Es ist Mitte Oktober und ich fange langsam an, mir über das laufende Angeljahr Gedanken zu machen. Es ist noch lange nicht vorbei, dieses so wunderbare Angeljahr und dennoch komme ich langsam zur Ruhe. Vielleicht liegt es am Alter oder an der Reife, das man einige Dinge manchmal hinterfragt oder Sie von mehreren Seiten beleuchtet. Einerseits freue ich mich sehr über die Ereignisse der Vergangenheit, die schönen Erfolge und einzigartigen Erlebnisse mit Freunden und wunderschönen Fischen. Aber andererseits bin ich auch etwas in Sorge, wie lange wir noch soviel Spaß an unserem schönen Hobby haben werden. Viele Anbieter überschwemmen zur Zeit den Markt mit vielen Ködern, Geräten und Zubehör.
 
Wir haben es einzig und allein unseren Fischen zu verdanken, dieses wundervolle Hobby ausüben zu dürfen, deshalb gebührt Ihnen der größte Respekt und die entsprechende Wertschätzung.
 
Alles hat einmal angefangen mit einem Fisch, den man in seiner Freizeit beangelt hat um ihn danach zuzubereiten. Heute müssen bekannte Zielfische wie zum Beispiel „Mary“ mehrmals im Jahr dafür herhalten um die neue Produktpallette einzelner Anbieter anzupreisen, damit diese sich von der Konkurenz abheben, oder um eigene  Unternehmen zu retten. Ein Fisch verhilft Geschäftsleuten zu einem Vermögen, wie hört sich das an ? Wurde Mary eigentlich danach gefragt, dass man Ihr tagtäglich im Reihntal auf die Schuppen rückt.
 
Wir Menschen sollten uns ab einem bestimmten Zeitpunkt fragen, ob unser Verhalten gegenüber der Kreatur noch fair genug ist. Meist ist dieser Punkt längst überschritten, wenn Angler Ihre Heimatgewässer verlassen um in anderen Gegenden riesige Zielfische zu fangen, dann werden Sie mit einem 20 oder gar 30pfünder nicht mehr zufrieden sein und Ihm keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Leider sind Menschen so und es schadet unserem Sport, dass manche Menschen einfach vergessen, wie alles angefangen hat. Wer einen 15pfünder nicht mehr schätzen kann ist es auch nicht wert einen 50pfünder zu fangen.
 
Manche nennen sich sogar Carp-Killers und so verhalten sie sich auch.
 
Auf einem Carpmeeting in Hannover 2010 war ein Beitrag eines Herstellers zu sehen, bei dem kiffende, saufende und feiernde „Angler“ einen armen Karpfen eine halbe Ewigkeit auf einer trockenen Abhakmatte liegen und zappeln ließen, das mir ganz schlecht dabei wurde.
 
Hat unser Fisch so etwas wirklich verdient ???
 
Sicherlich nicht.
 
In Sachen Futter und Tackle habe ich mich längst festgelegt. Bei Selfmade-Baits spielt der große Big-Fish nicht die entscheidende Rolle, sondern vielmehr das Fangerlebnis und der Weg zum Erfolg, durch Futter aus reinen natürlichen Rohstoffen, außerdem wird man als Kunde hervoragend beraten. Man findet kaum irgendwelche sinnlosen Gewichtsangaben, weil es die Wertschätzung jedes Fisches verletzen würde.
 
Die Qualität eines Anglers spiegelt sich nicht im Gewicht eines Fisches wieder sondern in der Regelmäßigkeit und Konstanz der Fangerfolge. Außerdem spielt der Umgang mit dem Fisch und der gesamten Natur eine große Rolle.
 
Wie Bastian Reets schon sagte: „Wer fängt hat recht“.
 
Wenn Karpfenangeln zur Sucht wird, ist es meist zu spät, es gibt Angeler die dadurch alles verloren haben, Familie, Freunde und noch viel mehr.
 
Es gibt wichtigere Dinge als Karpfenangeln, zum Beispiel Gesundheit, beruflicher Erfolg und Familie, sicherlich kann man das eine mit dem anderen gut verbinden, wenn es sich einrichten lässt.
 
Deshalb sollte sich jeder wirklich einmal hinterfragen, warum er fischen geht.
 
Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause. 
Demokrit
 
Für mich jedenfalls bleibt es die größte Leidenschaft, weil ich dadurch meinen Frieden gefunden habe.
 
Alles wird gut.
 
Euer Micha.
(Michael Neugebauer)